HebammeKinder holen mit kühlem Kopf

Hohe Verantwortung, geringes Gehalt: Hebammen haben es auf den ersten Blick nicht leicht. Für viele jedoch ist der Verdienst zweitrangig, zeigt unser Beruf der Woche. von 

Sie heißen Charlotte, Leo, Hanna und Michael und zählen zu den ersten Kindern, die am 01.01.2013 hierzulande geboren wurden. Auf die Welt geholt wurden die Babys von Hebammen. "Das Hebammengesetz legt fest, dass bei einer normalen Geburt immer die Hinzuziehungspflicht einer Hebamme besteht. Sie kann eine Geburt selbstständig und ohne ärztliche Hilfe durchführen. Nur in Notfällen, etwa bei komplizierten Geburten, ist ein Arzt auch allein dazu berechtigt", sagt Susanne Steppat, Beirätin für den Angestelltenbereich beim Deutschen Hebammen Verband e.V.

Tatsächlich sind bei fast allen Geburten in Deutschland Hebammen anwesend. Sie betreuen Mutter und Kind und sind dazu berechtigt, im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge die gleichen Maßnahmen anzubieten wie Gynäkologen – das Aufgabenfeld reicht vom Feststellen der Schwangerschaft, den gängigen Vorsorgeuntersuchungen, Beratung vor und während der Schwangerschaft, die Betreuung bei Problemen und Beschwerden sowie Geburtsvorbereitungskurse mit Entspannungs- und Atemtechniken für die werdende Mutter. Sogar für den Aufklärungsunterricht in Schulen werden Hebammen herangezogen. Nur für Ultraschalluntersuchungen und alles, was zur medizinischen Versorgung von Mutter und Kind gehört, sind Hebammen nicht zuständig.

"Die Betreuung während der Geburt stellt den kleinsten Zeitraum der Betreuung dar. Viele Hebammen werden auch schon vor einer Schwangerschaft zu Rate gezogen", sagt Steppat. Was erwartet eine Frau während der Schwangerschaft? Welche Vorbereitungskurse gibt es? Worauf ist bei einem Kinderwunsch zu achten?

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In Kliniken übernehmen die Geburtshelferinnen auch die Überwachung des Wochenbettes. Auch danach stehen Hebammen den frisch gebackenen Eltern in den ersten Wochen zur Seite. "Vor allem Frauen, die ihr erstes Kind bekommen, sind in den ersten Wochen für jeden Ratschlag dankbar", erzählt die Hebamme.

Beruf der Woche

© Tim Boyle/Getty Images

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Wer in diesem Beruf arbeiten möchte, sollte stressresistent sein und einen kühlen Kopf bewahren können. Wird die Hebamme zur Geburt gerufen, ist Flexibilität gefragt. "Wenn eine Geburt dazwischenkommt, muss alles andere aufgeschoben werden", sagt Steppart. Ein gutes Organisationstalent und Einfühlungsvermögen sind außerdem wichtig. Der Job ist ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf, die Berufsbezeichnung ist geschützt. Etwa 60 Hebammenschulen gibt es in Deutschland, die meisten sind an Krankenhäuser angeschlossen.

Ausbildung im Kreißsaal

Zu den Ausbildungsinhalten gehört in der Theorie unter anderem Geburtshilfe, Anatomie und Physiologie sowie Pflege.

Der Unterricht findet nicht nur in der Schule, sondern auch im Kreißsaal, im OP, auf Wochenstationen und in Kinderkliniken statt. Zusätzlich begleiten die Auszubildenden wie in einem Praktikum für zwei bis sechs Wochen eine freiberufliche Hebamme bei ihrer Arbeit. Die Ausbildung dauert drei Jahre und wird mit einer Prüfung abgeschlossen. Gelernte Krankenpfleger oder Krankenschwestern können die Ausbildung zur Hebamme um ein Jahr verkürzen. Seit 2008 besteht zusätzlich die Möglichkeit, den Beruf über ein Studium zu erlernen.

Anstellungsmöglichkeiten bieten sich in Geburtshäusern oder Kliniken. Mehr als die Hälfte der gut 20.000 Geburtshelferinnen hierzulande sind allerdings freiberuflich tätig. Früh-, Spät-, Nacht- und Wochenendschichten gehören sowohl als Angestellte und Selbstständige zum Joballtag.

Freie Hebammen führen auch Hausbesuche durch, sind allerdings auch für die Wochenbettbetreuung in Kliniken zuständig und nehmen Termine zur Vorsorge in der Hebammenpraxis wahr.

Männer sind rar in diesem Beruf, derzeit gibt es bundesweit lediglich drei Entbindungspfleger, wie männliche Hebammen genannt werden. 

Leserkommentare
    • nouraa
    • 08. Januar 2013 17:43 Uhr

    Ich glaube im Artikel meinten Sie Organisationstalent und Einfühlungsvermögen, statt Einführungsvermögen? ;)

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    Redaktion

    Hallo nouraa,

    Danke für den Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert.

  1. ja, so hätten's denn gerne...
    Für mich ist absolut unverständlich, dass unsere Gesellschaft durch die Bank hinweg alle Pflegeberufe stiefmütterlich behandelt und honoriert.
    -nicht der verdienst sei entscheidend....
    doch wenn ich die 7,50 Euronen umlege auf normale Wochenarbeitsstunden OHNE Schichtzulage (Nacht/Wochenend/Feiertag) erhält eine Hebamme 1295 Euro netto.
    Das ist nicht unmoralisch, das ist unverschämt.
    Eine obligatorische Berufshaftpflicht von 4500 Euro/a entspricht nochmals 375 Euro/Monat. Somit muss die junge Frau mit 920 Euro netto die Miete, Nebenkosten, das obligatorische Auto und den Lebensunterhalt bestreiten.
    Ich frage mich, ob dann der Vermieter, KFZ-Händler, Lebensmittelverkäufer, Personennahverkehr ebenso freigibig sind und auf Bezahlung verzichten.
    Eine nichtstaatliche Hebammenausbildung kostet zudem noch 600 Euro Schulgeld/Monat
    Eine Farce das Ganze.
    Es würde mich nicht wundern, wenn künftige Spitzenhebammen nur noch finanzkräftige Schwangere betreuen würden/werden.
    Diese ganz logische Konsequenz wird doch geradezu aus Dummheit erzwungen Zweiklassenmedizin-die Zukunft.
    Selbiges bei der Altenpflege - wer soll und will denn für Hungerlöhne diese schwere Arbeit verrichten?
    Es bleiben künftig wohl nur noch Mitbürger, die 1 und 1 nicht zusammenzählen können und auf die edlen Gründe einer pflegerischen Berufswahl "hereinfallen"
    Werden wir nur noch für blöd gehalten?

    6 Leserempfehlungen
  2. Ja, und deswegen kann man sie ja auch mies bezahlen, sie haben ja schließlich genug Freude an der Arbeit.

    Diese Einstellung zieht sich durch sämtliche sozialen und pflegerischen Berufe. Berufe, die schlicht und einfach nicht jeder machen kann, auch nicht jeder machen sollte, der nicht wirklich Freude an Menschen hat - aber der Gesellschaft sollten gerade diese Menschen, die diese Arbeit GERNE machen, auch angemessen entlohnen und ihnen anständige Bedigungen bieten.

    6 Leserempfehlungen
  3. Redaktion

    Hallo nouraa,

    Danke für den Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert.

    Antwort auf "Rechtschreibfehler..."
  4. Die niedrige Bezahlung einer Hebamme ist eine Schande!
    Hebammen erweisen sich bei Geburten oft als kompetenter als Gynäkologen, leisten harte Arbeit, sollen dabei freundlich und einfühlsam sein... gut, es gibt auch unter den Hebammen ein paar Exemplare, die nicht all zu viel auf dem Kasten haben und recht zickig sind. Dennoch: eine gute Hebamme gehört mit Gold und Edelsteinen aufgewogen! Die, die mein Kind auf die Welt holte, auf alle Fälle.

    2 Leserempfehlungen
    • cinor
    • 08. Januar 2013 23:53 Uhr

    der Erhöhung der Beiträge für die Haftpflicht ist schon übel. Eine breitere Akzeptanz würden Hebammen aber vielleicht erfahren, wenn sie endlich von ihrem allgegenwärtigen Homöopathie-Trip runterkommen würden. Ich hätte meine, die ich während der Geburt meines Sohnes ja notgedrungen brauchte, am liebsten hochkant aus dem Kreißsaal geworfen. Dann hätte ich meine Ruhe vor diesem Esoterikirrsinn gehabt und alles wäre entspannter abgelaufen.

    2 Leserempfehlungen
  5. Homöopathie ist nicht jedermans Ding-auch nicht das jeder Hebamme und jeder darf natürlich ablehnen, aber was hat jetzt Homöopathie mit der Akzeptanz von Hebammen zu tun? Oder gar mit ihrer schlechten Bezahlung..

    Demnach müsste es ja jedem Homöopathen und Naturheilkundler an den Kragen gehen...Versteh ich nicht...

    LG

    Hebammenschülerin Isabel

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