HeilpraktikerHeiler jenseits der Schulmedizin

Sanfte Heilung oder Scharlatanerie: Am Beruf des Heilpraktikers scheiden sich die Geister. Dennoch wächst die Zahl der Patienten. von 

Heilpraktiker spielen in der Gesundheitsbranche mittlerweile eine wichtige Rolle. Laut Branchenverbänden haben Heilpraktiker im Jahr 2009 in Deutschland mehr als 15 Millionen Behandlungen und Konsultationen ausgeführt – rund 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zeit, in der Heilpraktiker im Schatten der Humanmedizin standen, ist lange vorbei. Seit 1936 gibt es den Beruf, etablieren konnte er sich jedoch erst in den vergangenen zwei Jahrzehnten.

Glaubt man Heiko Zissner vom Verband deutscher Heilpraktiker, haben viele Patienten heute ein anderes Bewusstsein für alternative Medizin. "Ärzte kennen oft nur gesund oder krank", sagt er. Heilpraktiker hingegen hätten eine andere Herangehensweise an Krankheitsbilder. "Wir betrachten immer das Ganzheitliche, Körper, Geist und Seelen gehören zusammen. Das erkennen auch immer mehr Patienten."

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Für Heilpraktiker sind Krankheiten eine Störung des Gesamtsystems, sie nutzen oftmals Verfahren aus der Naturheil- oder Volksheilkunde. Die Selbstheilungskräfte des Körpers sollen helfen, wieder gesund zu werden. Auch Akupunktur, Osteopathie, Homöopathie oder Chiropraktik kommen zum Einsatz. Häufige Leiden und Krankheiten wie etwa Allergien, Gelenk- und Rückenbeschwerden, Verspannungsschmerzen und Migräne können nach Ansicht der Heilpraktiker auf diese Weise gelindert oder geheilt werden.

"Wir dürfen keine verschreibungspflichtigen Medikamente ausstellen", sagt Zissner, "und das brauchen wir auch nicht." Dennoch wüssten die Heilpraktiker durchaus, wann sie einen Patienten in die Hände eines Spezialisten der Schulmedizin übergeben müssen. "Wir verteufeln Medikamente nicht grundsätzlich. Der Einsatz von Penicillin oder Cortison ist oft schon sinnvoll", sagt Zissner. Oft werde eine Therapie auch in Kombination mit der herkömmlichen Schulmedizin durchgeführt. "Wir wissen aber auch: Nicht immer sind Medikamente nötig, oft geht es auch anders", so Zissner.

Leserkommentare
  1. Die Akupunktur wurde in Europa von einem Franzosen (George Soulié de Morant) eingeführt, der noch nicht einmal der chinesischen Schrift mächtig war (http://www.sueddeutsche.de/wissen/akupunktur-scharlatan-ohne-nadel-1.988052). Andere Methoden, wie z.B. die derzeitige Modewelle Osteopathie werden nur deshalb so stark nachgefragt, weil die Schulmedizin von vorne bis hinten durchökonomisiert wurde, sodass eine vernünftige Anamnese und damit Diagnose beim Allgemein- oder Facharzt in der Regel kaum stattfindet.
    Würde man wieder mehr Zeit für das Gespräch mit dem Patienten verwenden und eine vernünftige Erstuntersuchung machen, dann wären sicherlich viele Patienten besser und günstiger (!) versorgt.

    14 Leserempfehlungen
    • xNCx
    • 22. Januar 2013 18:24 Uhr

    "Wir betrachten immer das Ganzheitliche, Körper, Geist und Seelen gehören zusammen. Das erkennen auch immer mehr Patienten"

    http://www.sheng-fui.de/traditionelle-medizin/homoeopathie/homoopathie-b...

    Das wäre dann wohl Feld(3,1)

    "Ärzte kennen oft nur gesund oder krank"

    Typischer Eso- und Homöopathiesprachgebrauch. Entweder es hilft mehr als Placebo, dann ist es Medizin oder eben nicht. Der Begriff Schulmedizin ist ein Esowort.

    Mein Fazit:

    http://blog.psiram.com/wp-content/uploads/2011/12/gra_po_1.jpg

    12 Leserempfehlungen
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    • xNCx
    • 22. Januar 2013 18:28 Uhr

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/jz

    • xNCx
    • 22. Januar 2013 18:28 Uhr
    3. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/jz

    Antwort auf "Achtung, Eso-Alarm"
  2. Wiederholen Heilpraktiker denselben Fehler, der vor allem Ärzten nicht nur historisch spätestens seit der französischen Revolution des Jahres 1789 zum Vorwurf gereicht, indem sie ihren Patienten gleichsam Ketten anlegen anstatt sie ihnen notwendig abzunehmen (vgl. Huelsenbeck, R., 1959: 141), gefährden sie in der Tat auf breitester Front die Gesundheit eines jeden Menschen weltweit. Insofern bleibt öffentlich die Frage angezeigt, ob sich vorgebliche Heilberufler einer Praxis bedienen, deren Reichweite sich in der Herstellung einseitiger Abhängigkeiten (Mahnkopf, B., in: Soziale Welt, Sonderband 9, 1994: 74) erschöpft.

    Eine Leserempfehlung
  3. erst einmal den Arzt sehen. Wenn der dann ein guter Arzt ist und sich Mühe geben möchte wird er ohnihin auch Empfehlungen abgeben die ein Heilpraktiker auch gegeben hätte.

    Zuerst den Heilpraktiker aufsuchen macht auch nur dann Sinn wenn man bereits durch Empfehlungen informiert ist und so ein Stück Vertrauen hat.

    Die Scharlatane gezählt sind sicherlich heute bei Ärzten und Heilpraktikern von der Menge her gleich.

    Eine Leserempfehlung
  4. Es sind nicht die alternativmedizinischen Methoden, die vom Rest der Welt widerlegt werden müssen - es sind die esoterischen Thesen und Methoden, die bewiesen werden müssen! Diesen Nachweis bleiben die Anhänger ganzheitlicher Heilversprechen aber regelmäßig schuldig. Im Gegenteil, die ganze Esoterik- und Heilpraktiker- Branche bezieht ihre Bestätigung daraus, dass sie Thesen und Behauptungen aufstellt, die nicht widerlegbar sind, dass es beispielsweise Dinge "unter der Oberfläche gibt" oder dass - weil man ja individuell agiert - die Ergebnisse nun einmal nicht reproduzieren kann. Ein schöner Trick, der Anhänger beeindruckt, aber die Szene nicht davor bewahrt, ihre Ideen auch beweisen zu müssen, wenn sie von Menschen aufgeklärten Geistes ernstgenommen werden wollen. Solange das nicht geschieht, sind ihre Aussagen auf demselben Level, wie zum Beispiel die Behauptung, dass Jesus heilen konnte - für überzeugte Katholiken ein Fakt, aber letztendlich nichts weiter als Glauben. Die Naturwissenschaften haben in einem kontinuierlichen Prozess Wissen geschaffen, die Anhänger eines esoterischen Weltbildes bewegen sich im Glauben, der Spekulation und im Bereich einer Ersatzreligion - mit nachgewiesener Erkenntnis der Welt hat das nichts zu tun.

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  5. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft unterscheidet 240 Kopfschmerzarten. Wenn ein Arzt die eigenverantwortlich behandelt hat er nach dem Abitur über zehn Jahre Ausbildung (Studium + Facharzt, drei Examina und hundert andere Prüfungen) hinter sich, für entsprechende Schwerpunkte noch ein paar Jahre mehr.

    Der Heilpraktiker hat im dümmsten Fall einen Hauptschulabschluss, eine dreijährige Ausbildung ohne festgelegte Inhalte und keine ernstzunehmende Prüfung. Er behandelt auch "Kopfschmerzen". (Und sagt dem Patienten natürlich nichts, was mit dem Wohlfühlmantra der Praxis und deren Produkten nicht vereinbar ist.)

    Finde den Fehler.

    10 Leserempfehlungen
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    Zitat: Finde den Fehler

    Der Fehler liegt wohl irgendwo darin, dass diese 10 Jahre Ausbildung vielen Menschen trotzdem
    (systembedingt, nicht können, nicht wollen ...)
    nicht helfen können.

    Also suchen sie Alternativen !

    • dasGnu
    • 22. Januar 2013 19:10 Uhr
    8. @Autor

    "Dennoch müssen auch Heilpraktiker arztgleiche Kenntnisse besitzen, (...)"

    Das halte ich für ein Gerücht.

    6 Leserempfehlungen

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