Wir wollen uns stärker als attraktiver Arbeitgeber präsentieren und planen daher diverse Employer-Branding-Maßnahmen wie z.B. ein Video, das wir über unsere Firmen-Homepage und Youtube verbreiten wollen. Dafür möchte ich meine Mitarbeiter begeistern und auch nutzen. Gibt es Stolpersteine, auf die ich achten muss?, fragt Daniel Hausmann, Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens.

Sehr geehrter Herr Hausmann,

es ist richtig, dass die Darstellung als attraktiver Arbeitgeber mittlerweile unverzichtbar ist. Allerdings sollte jede Employer-Branding-Maßnahmen gut durchdacht sein.

So birgt gerade der Videoclip Gefahren. Auch gibt es nur wenige gelungene Beispiele wie die Werbekampagne des Bäckerhandwerks oder die Kamapgne Media Entrepreneurs von Axel Springer sowie die Manager des Blackberry-Herstellers RIM, die sich mit einer Rockballade bei ihren Mitarbeitern bedankten.

Dafür umso mehr misslungene Spots wie zuletzt das Firmenvideo der Raiffeisenbank Radstadt oder die rappenden Azubis von BMW und der Sparda Bank.

Unternehmen schaden ihrem Image mit solchen Videos, selbst wenn diese professionell erstellt sind. Nicht verwunderlich, werben doch echte Mitarbeiter an ihren echten Arbeitsplätzen für ihren echten Arbeitgeber. So wichtig diese Authentizität auch ist, so wenig attraktiv ist meist die Realität. Witzig zu sein, ohne sich lächerlich zu machen, ist nicht gerade einfach – erst Recht nicht, wenn sich die Mitarbeiter als Laienschauspieler versuchen.

Wer sein Unternehmen mit einem originellen Video bekannt machen möchte, muss sich daher abseits des Mainstreams bewegen. Dabei tritt oft das Problem auf, dass Führungskräfte eine Zielgruppe ansprechen möchten, von der sie in der Regel meilenweit entfernt sind. Nur selten landen solche Chefs dabei einen Treffer.

Für die Mitarbeiter kann so ein Projekt durchaus unangenehm werden – vor allem, wenn sie keine Entscheidungsmöglichkeit bezüglich der Teilnahme haben. Denn auch wenn sie nicht gezwungen werden können, so besteht doch meist ein unsichtbarer Druck, an der Umsetzung mitzuwirken – beispielsweise wenn eine ganze Abteilung mitwirkt. Und wenn das Firmenvideo dann zur Lachnummer im Netz wird, wie es bei den rappenden Azubis von BMW und Sparda Bank geschah, sind die Leidtragenden vor allem die Mitarbeiter. Denn auch wenn der Shitstorm vorübergeht und die Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, aus dem Netz bekommen Sie peinliche Videos nur sehr schwer.

Deshalb ist es wichtig, dass Sie die Persönlichkeitsrechte Ihrer Arbeitnehmer wahren. Sie als Führungskraft haben gegenüber ihren Mitarbeitern eine Fürsorgepflicht – die über die Pflicht zu Schutzmaßnahmen (§ 618 BGB) hinausgehen sollte. Weisen Sie daher auf Gefahren wie beispielsweise Shitstorms hin und versichern Sie Ihren Mitarbeitern Ihre Unterstützung. Wer seine Mitarbeiter einfach vor die Kamera stellt und singen lässt, handelt unverantwortlich.

Professionelle Agenturen, die sich auf das Erstellen von Imagefilmen spezialisiert haben, sind zwar keine Garantie für das Gelingen eines Clips. Sie können in der Regel aber das Schlimmste verhindern. Vorausgesetzt, das Unternehmen lässt sich beraten, was – sicher ganz im Sinne der rappenden Azubis – zu empfehlen wäre.

Ihre Sabine Hockling