ImagefilmeWenn der Chef ein Firmenvideo drehen will

Firmenvideos sollen Werbung für den Arbeitgeber machen. Doch viele Clips enden als Lachnummer im Netz. Sabine Hockling erklärt, worauf Chefs achten sollten. von 

Wir wollen uns stärker als attraktiver Arbeitgeber präsentieren und planen daher diverse Employer-Branding-Maßnahmen wie z.B. ein Video, das wir über unsere Firmen-Homepage und Youtube verbreiten wollen. Dafür möchte ich meine Mitarbeiter begeistern und auch nutzen. Gibt es Stolpersteine, auf die ich achten muss?, fragt Daniel Hausmann, Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens.

Sehr geehrter Herr Hausmann,

es ist richtig, dass die Darstellung als attraktiver Arbeitgeber mittlerweile unverzichtbar ist. Allerdings sollte jede Employer-Branding-Maßnahmen gut durchdacht sein.

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So birgt gerade der Videoclip Gefahren. Auch gibt es nur wenige gelungene Beispiele wie die Werbekampagne des Bäckerhandwerks oder die Kamapgne Media Entrepreneurs von Axel Springer sowie die Manager des Blackberry-Herstellers RIM, die sich mit einer Rockballade bei ihren Mitarbeitern bedankten.

Dafür umso mehr misslungene Spots wie zuletzt das Firmenvideo der Raiffeisenbank Radstadt oder die rappenden Azubis von BMW und der Sparda Bank.

Unternehmen schaden ihrem Image mit solchen Videos, selbst wenn diese professionell erstellt sind. Nicht verwunderlich, werben doch echte Mitarbeiter an ihren echten Arbeitsplätzen für ihren echten Arbeitgeber. So wichtig diese Authentizität auch ist, so wenig attraktiv ist meist die Realität. Witzig zu sein, ohne sich lächerlich zu machen, ist nicht gerade einfach – erst Recht nicht, wenn sich die Mitarbeiter als Laienschauspieler versuchen.

Chefsache: Fragen von Führungskräften

Wie gelingt gute Personalführung und was zeichnet einen fairen Chef aus? Jede Woche, immer freitags, beantwortet die Management-Expertin Sabine Hockling in der Serie "Chefsache" Fragen von Führungskräften.

Schreiben Sie uns (und geben Sie dabei bitte Ihren Namen und Ihren Wohnort an). Wir freuen uns und wählen unter allen Problemen, die uns gestellt werden, jede Woche eine Frage aus und beantworten sie hier.

Wer sein Unternehmen mit einem originellen Video bekannt machen möchte, muss sich daher abseits des Mainstreams bewegen. Dabei tritt oft das Problem auf, dass Führungskräfte eine Zielgruppe ansprechen möchten, von der sie in der Regel meilenweit entfernt sind. Nur selten landen solche Chefs dabei einen Treffer.

Für die Mitarbeiter kann so ein Projekt durchaus unangenehm werden – vor allem, wenn sie keine Entscheidungsmöglichkeit bezüglich der Teilnahme haben. Denn auch wenn sie nicht gezwungen werden können, so besteht doch meist ein unsichtbarer Druck, an der Umsetzung mitzuwirken – beispielsweise wenn eine ganze Abteilung mitwirkt. Und wenn das Firmenvideo dann zur Lachnummer im Netz wird, wie es bei den rappenden Azubis von BMW und Sparda Bank geschah, sind die Leidtragenden vor allem die Mitarbeiter. Denn auch wenn der Shitstorm vorübergeht und die Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, aus dem Netz bekommen Sie peinliche Videos nur sehr schwer.

Sabine Hockling
Sabine Hockling

Sabine Hockling war lange selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Mit Ulf Weigelt schrieb sie den Ratgeber Arbeitsrecht. Seit 2011 ist sie Autorin der Serie Chefsache. Seit 2014 im neuen Format: Immer freitags spricht sie mit der Managerin Linda Becker über Führungsfragen. Hockling bloggt mit Tina Groll unter diechefin.net, der Blog für Führungsfrauen, über Frauen und Karriere.

Deshalb ist es wichtig, dass Sie die Persönlichkeitsrechte Ihrer Arbeitnehmer wahren. Sie als Führungskraft haben gegenüber ihren Mitarbeitern eine Fürsorgepflicht – die über die Pflicht zu Schutzmaßnahmen (§ 618 BGB) hinausgehen sollte. Weisen Sie daher auf Gefahren wie beispielsweise Shitstorms hin und versichern Sie Ihren Mitarbeitern Ihre Unterstützung. Wer seine Mitarbeiter einfach vor die Kamera stellt und singen lässt, handelt unverantwortlich.

Professionelle Agenturen, die sich auf das Erstellen von Imagefilmen spezialisiert haben, sind zwar keine Garantie für das Gelingen eines Clips. Sie können in der Regel aber das Schlimmste verhindern. Vorausgesetzt, das Unternehmen lässt sich beraten, was – sicher ganz im Sinne der rappenden Azubis – zu empfehlen wäre.

Ihre Sabine Hockling

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Leserkommentare
    • lufkin
    • 11. Januar 2013 14:53 Uhr

    Ich glaube, wenn man nicht bereit ist mindestens einen fünf bis sechsstelligen Betrag in die Hand zu nehmen, für professionelles Equipment, einen professionellen Regisseur, gute Nachbearbeitung und zumindest professionelle Anleitung für die "Schauspieler". etc... sollte man es gleich lassen. Man macht sich sonst nur lächerlich.

  1. Blackberry mit der Raiffeisenbank Rastadt zu vergleichen, halte ich für überzogen. Budget, Publikum und Intention sind komplett verschieden. Natürlich wirkt der Bankenspot stellenweise unbeholfen und "trashig". Mir ist das aber nicht unsympathisch, zumal die Bereitschaft zur Selbstironie deutlich wird. Ob das Video peinlich ist, hängt von den Maßstäben ab, die man anlegt. Ich finde den Springer-Spot mit dem schreienden Typen nerviger.

    Übrigens: Das Blackberry-Video wurde aktuell 3.355-mal positiv und 1.875-mal negativ bewertet. Ein eindeutiger Erfolg sieht anders aus.

    • Sikasuu
    • 11. Januar 2013 15:21 Uhr

    a. Der Köder (welcher auch immer) muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler!
    .
    b. Man orientiere sich an den Drehminutenpreisen einer mittelprächtigen Fersehproduktion / -werbung, verdoppele die, suche sich dann einen brauchbaren Realisator = Arbeitsproben,
    erarbeite mit dem ein Storyboard, Drehbuch, Besetzungsliste....
    .
    c. setze für die "tragenden" Bilder auf Schauspieler
    und
    d. lasse den Streifen notfalls im Schrank, wenn er trotz intensiver Vorbereitung zum Lacher geworden ist.
    .
    Weiss
    Sikasuu
    .
    Ps. einen 3-Min. < 60.K€ sollte man gar nicht erst anfangen.
    Es sei denn er ist für eine Handwerksbetrieb für eine Hausmesse:-)

  2. " ... dass Führungskräfte eine
    Zielgruppe ansprechen möchten, von der
    sie in der Regel meilenweit entfernt sind."

    Wenn diese Führungskräfte dann bei Werbemaßnahmen keine Beratung suchen und sich niemand traut, auf die Notwendigkeit hinzuweisen, kann es ein Problem geben.

    Spontan fällt mir der in "Trigema"-Sachen kostümierte, sprechende Affe ein, der vielleicht gut in die 80er passte, aber heute bei vielen nur noch Verwunderung auslöst. Der Humor und die Haltung Tieren gegenüber haben sich verändert.

  3. Ich kriege mich über dieses Video von der Bank gar nicht mehr ein, das Ding ist der Brüller! Und dann diese Biene!

  4. dass man selbst als langjähriger Werbefachwirt gar nicht mehr weiß wohin vor lauter Fremdschämen. Da helfen auch die meisten Werbe- oder PR-Agenturen nicht, ganz im Gegenteil. Das Raiffeisenbeispiel zeigt das auch ganz deutlich.
    Es gibt nur ein einzigen Merksatz, das zu vermeiden:
    NICHT versuchen, witzig/lustig/volksnah/besonders clever zu sein. Das geht meistens in die Hose.
    Kompetent, souverän, etwas understatement, mit 1 bis max 2 kurzen Highlights.

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  5. keine singenden Menschen!!!!! Bitte bitte bitte nicht.

    Eine Leserempfehlung

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  • Serie Chefsache
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte BMW | Agentur | Arbeitgeber | Arbeitnehmer | Axel Springer | Führungskraft
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