Arbeitnehmerdatenschutz : Wenn der Chef Kameras installieren möchte

Die Chefin möchte eine Kamera gegen Ladendiebstahl installieren. Doch wie verhindert sie, dass sich die Mitarbeiter überwacht fühlen? Antwort gibt Sabine Hockling.

Die Koalition regelt den Arbeitnehmerdatenschutz neu. Ich betreibe eine Modeboutique und möchte gegen Ladendiebe Videokameras im Geschäft installieren. Was muss ich jetzt beachten und wie kann ich bei meinen Mitarbeitern um Verständnis für diese Maßnahme werben?, fragt Gisela Neugebauer.

Sehr geehrte Frau Neugebauer,

das Bundeskabinett hat aktuell einen Gesetzentwurf zur Reform des Arbeitnehmerdatenschutzes beschlossen: Die verdeckte Videoüberwachung von Arbeitnehmern wird verboten, gleichzeitig wird die offene Videoüberwachung am Arbeitsplatz erleichtert. Sofern Mitarbeiter wissen, wo Kameras installiert sind, wird ein ständiges Filmen möglich sein – "zur Wahrnehmung des Hausrechts, zum Schutz des Eigentums, zur Sicherung von Anlagen, zur Abwehr von Gefahren, zur Qualitätskontrolle". Ausgeschlossen ist die Videoüberwachung in Umkleide, Sanitär- sowie Schlafräumen.

Kritiker bemängeln, dass das Gesetz Arbeitnehmer nicht schützt. So ist beispielsweise ein Klagerecht für Betriebs- und Personalräte nicht enthalten. Dieses Gesetz muss allerdings noch verabschiedet werden. Anfang Februar will die Koalition ihren Entwurf durch den Bundestag bringen.

Das Arbeitsrecht regelt die Kontrollen am Arbeitsplatz und setzt Rahmenbedingungen, die nicht überschritten werden dürfen. In Betrieben mit Betriebsrat wird in der Regel darauf geachtet, dass die Privatsphäre der Arbeitnehmer geschützt wird. Probleme gibt es oft in Firmen ohne Betriebsrat, die einfach Kameras installieren, ohne ihre Mitarbeiter zu informieren.

Dass Sie als Einzelhändlerin aufgrund möglicher Diebstähle schwer auf eine Videoüberwachung verzichten können, werden Ihre Mitarbeiter sicherlich verstehen. Die Frage ist nur, wie können Sie dabei die Privatsphäre Ihrer Arbeitnehmer schützen? Und ein zunehmender Kontrolldruck durch eine (Dauer-)Überwachung kann sich negativ auf die Arbeitsmoral, das Betriebsklima und die Arbeitsleistung Ihrer Mitarbeiter auswirken. Mögliche Folge: mangelnde Arbeitszufriedenheit, hoher Krankenstand, Fluktuation. Hier ist also Ihr Fingerspitzengefühl gefragt.

Sabine Hockling

Sabine Hockling war lange selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Mit Ulf Weigelt schrieb sie den Ratgeber Arbeitsrecht. Seit 2011 ist sie Autorin der Serie "Chefsache". Immer freitags spricht sie mit Managementexperten über Führungsfragen. Hockling bloggt mit Tina Groll unter diechefin.net, das Blog für Führungsfrauen, über Frauen und Karriere.

Treffen Sie daher keine einsamen Entscheidungen, sondern holen Sie Ihre Mitarbeiter mit ins Boot und entscheiden gemeinsam mit ihnen, wie viele Kameras sinnvoll sind und wo sie am besten installiert werden sollten. Ignorieren Sie die Haltung Ihrer Mitarbeiter bezüglich der Videoüberwachung, führt das am Ende zu Konflikten – und die sind Betriebsklimakiller Nummer eins.

Hardliner empfinden solch eine teamorientierte Führung oft als schwachen Führungsstil. Eine autoritäre Führung allerdings kann zur Folge haben, dass Mitarbeiter weder auf Probleme und Fehler hinweisen, noch ihre Meinung äußern. Eine Belegschaft, die vor allem Kundenkontakt hat, muss sich mit dem Unternehmen identifizieren können – und das entsteht in der Regel durch Mitsprache und Einbeziehung.

Ihre Sabine Hockling

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