FührungskräfteChefs müssen Mitarbeiter im Ausland schützen

Dienstreisen ins Ausland müssen gut geplant werden. Für Einsätze in Krisenregionen braucht es sogar einen Notfallplan. Sabine Hockling erklärt, was Chefs beachten müssen. von 

Ich schicke mehrere meiner Mitarbeiter dieses Jahr für ein Projekt ins Ausland. Worauf muss ich beim Einsatz achten? Und welcher Schutz vor Ort ist notwendig?, fragt Manfred Jestermann, Führungskraft in einem globalen Unternehmen.

Sehr geehrter Herr Jestermann,

die Hälfte aller Unternehmen, die bereits Mitarbeiter ins Ausland schicken, gehen davon aus, dass der Bedarf in den nächsten drei Jahren weiter steigen wird. Das bestätigt auch eine aktuelle Studie. Entsenden deutsche Unternehmen Mitarbeiter ins Ausland, sind sie aufgrund ihrer arbeitsvertraglichen Fürsorgepflicht und des Arbeitsschutzgesetzes verpflichtet, sich um die Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeiter zu kümmern. Halten sie sich nicht daran, kann diese Pflichtverletzung sie teuer zu stehen kommen (in Form von Schadensersatzpflichten gegenüber Mitarbeitern und Angehörigen). 

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Chefsache: Fragen von Führungskräften

Wie gelingt gute Personalführung und was zeichnet einen fairen Chef aus? Jede Woche, immer freitags, beantwortet die Management-Expertin Sabine Hockling in der Serie "Chefsache" Fragen von Führungskräften.

Schreiben Sie uns (und geben Sie dabei bitte Ihren Namen und Ihren Wohnort an). Wir freuen uns und wählen unter allen Problemen, die uns gestellt werden, jede Woche eine Frage aus und beantworten sie hier.

Beginnen Sie frühzeitig mit Ihrer Planung und listen Sie auf, wer in der Personalabteilung zuständig ist, sich in Rechts-, Versicherungs- und Sicherheitsfragen auskennt sowie Fragen rund um das Reisemanagement beantworten kann. In der Regel greifen mittelständische Unternehmen gerade bei Sicherheitsaspekten auf externe Anbieter zurück. Diese Firmen sind meist auf bestimmte Weltregionen spezialisiert und kennen die jeweiligen Versicherungsgesetze im Ausland, auch können sie im Notfall helfen, Mitarbeiter schnell aus dem Ausland zurückzuholen.

Vor dem Auslandseinsatz

Entsendungen von Mitarbeitern sind komplex, hilfreich sind daher Checklisten, die aufführen, an was wann gedacht werden muss.

  • Reiserichtlinien (z.B. Visa) auflisten.
  • Gesundheitsvorsorge klären (z.B. welcher Impfschutz und welche Untersuchungen sind notwendig?)
  • Versicherungsschutz klären (z.B., sind private Zusatzversicherungen sowie eine Anwartschaftsversicherung nötig?)
  • Sicherheitstrainings anbieten, die Verhaltensweisen im Notfall trainieren.
  • Interkulturelle Schulungen, die über Land und Leute informieren.
  • Rückreiseplanung im Notfall (z.B., wer kümmert sich wann um was?)
Vor Ort
  • Über Gesundheitsschutz informieren (z.B., wo ist die nächste ausreichende Versorgung? Und wie läuft die Kostenerstattung ab?)
  • Allgemeine Verhaltensmaßstäbe definieren (Ethik- und Compliance-Richtlinien).
  • Notfallplan aufsetzen (z.B., wer ist in welchem Notfall Ansprechpartner? Gibt es eine spezielle Notrufnummer?)
  • Rettungsmaßnahmen festlegen (z.B., wie läuft eine konkrete Rettungsaktion bei Krankheit/Unfall oder Katastrophen ab?)
  • Rückholpflicht definieren: Spricht das Auswärtige Amt eine Reisewarnung aus, sind Mitarbeiter unverzüglich zurückzuholen bzw. müssen ausreisen.
Sabine Hockling
Sabine Hockling

Sabine Hockling war lange selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Mit Ulf Weigelt schrieb sie den Ratgeber Arbeitsrecht. Führungskräften gibt sie in der Serie Chefsache Tipps zur Mitarbeiterführung. Sie bloggt mit Tina Groll unter diechefin.net, der Blog für Führungsfrauen, über Frauen und Karriere.

Ebenfalls müssen Sie bei Ihrer Planung unerwartete Katastrophen, Terroranschläge, Entführungen, Unfälle oder Erkrankungen berücksichtigen. Wenn in solchen Ausnahmesituationen der Kontakt zu den Mitarbeitern abbricht, ist ein Notfallplan wichtig.

Unternehmen, die Mitarbeiter in Krisenregionen entsenden, müssen solche Notfallpläne vor dem Einsatz erstellt haben. Außerdem sollten Sie grundsätzliche Richtlinien für Auslandsreisen aufsetzen.

Wichtig ist allerdings auch, dass Sie Ihre Mitarbeiter sowohl bei der Vorbereitung als auch vor Ort aktiv unterstützen – um im Notfall ruhig und besonnen reagieren zu können.

Ihre Sabine Hockling

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Leserkommentare
    • lonny
    • 01. Februar 2013 17:26 Uhr

    Aus meiner Sicht hätte Frau Hockling zwei weitere Aspekte ansprechen müssen. Nicht nur der Aufenthalt vor Ort muss geplant und organisiert werden, sondern auch

    - die Vorbereitung der GANZEN Familie; nicht zuletzt scheitern längere Auslandseinsätze an privaten Konflikten

    - die Eingliederung des Mitarbeiters nach Rückkehr aus dem Ausland. Die Abteilung muss entsprechend darauf vorbereitet werden und dem Mitarbeiter sollte die notwendige Aufmerksamkeit und u.U. Anerkennung für sein Engagement entgegengebracht werden.

  1. Das ist zwar alles richtig, aber (außer die Krankenversicherung) für wahrscheinlich >95% der Dienstreisen von deutschen Firmenmitarbeiten nicht sehr relevant.

    Wenn Sie auf Dienstreise hier nach Paris kommen, machen Sie sich keine Sorgen, es braucht nicht lange geplant werden und einen externen Anbieter für Sicherheitsaspekte. Genießen Sie die Reise einfach! :-)

    Das gilt für Europa, Nordamerika, Japan… aber auch für die Businessbereiche der meisten großen Städte im Rest der Welt. Wenn Sie z.B. in den Irak oder nach Medellin reisen, sieht es anders aus.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Soll natürlich heißen "keinen externen Anbieter"

  2. Soll natürlich heißen "keinen externen Anbieter"

  3. aber das, was ex Fuehrungskraft Hockling den Chefs raet: das wissen die Chefs alles alleine.

    • AWKBL
    • 03. Februar 2013 15:02 Uhr

    Von den letzten 37 Jahren habe ich 25 als Ingenieur im Ausland gearbeitet, jeweils zwischen 3 Monaten und mehreren Jahren; nie in Industrieländern, sondern Afrika, Mittlerer Osten, Zentral-, Süd- und Südostasien, Lateinamerika, vielfach mit Familie, z.B. fast 5 Jahre Afghanistan. In der ganzen Zeit habe ich nie verstanden, was da für ein Aufhebens gemacht wird von wegen Planung des Auslandseinsatzes, Gefahren, Notprogramm und was weiß ich noch. Paß, Visum, Impfen, Auslands-KV, Ticket und Abflug! Entweder man paßt sich schnell an (Sprachen sollte man können), oder man läßt es in Zukunft sein. Die Informationen, die ich vor der Abreise in ein mir unbekanntes Land bekommen hatte, waren allesamt äußerst subjektiv und entsprachen nie dem Bild, das ich mir dann selbst gemacht habe. Es gibt ein paar Grundregeln, die überall gelten, Frankfurt, Soweto, Manila, Lagos, Oslo oder Bogotá: Zu gewissen Zeiten geht man eben nicht in gewisse Viertel, man mischt sich nicht in die Angelegenheiten dieser Länder und Völker ein, und im übrigen geht man neue Aufgaben und Menschen mit Neugier, gesundem Menschenverstand und Offenheit an. In all den Jahren habe ich nicht einem einzigen Zöllner oder Polizisten auch nur einen Dollar zugesteckt, wurde nie verhaftet, geschweige denn entführt, und war in Gebieten, wo mich hinterher die Botschaft voller Entsetzen gefragt hat, wie ich dorthin gehen konnte, ohne sie zu informieren. Insgesamt ein Leben, das ich gegen kein anderes tauschen würde.

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  • Serie Chefsache
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Recht | Entführung | Führungskraft | Gesundheit | Katastrophe | Studie
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