Führungskräfte : Chefs müssen Mitarbeiter im Ausland schützen

Dienstreisen ins Ausland müssen gut geplant werden. Für Einsätze in Krisenregionen braucht es sogar einen Notfallplan. Sabine Hockling erklärt, was Chefs beachten müssen.

Ich schicke mehrere meiner Mitarbeiter dieses Jahr für ein Projekt ins Ausland. Worauf muss ich beim Einsatz achten? Und welcher Schutz vor Ort ist notwendig?, fragt Manfred Jestermann, Führungskraft in einem globalen Unternehmen.

Sehr geehrter Herr Jestermann,

die Hälfte aller Unternehmen, die bereits Mitarbeiter ins Ausland schicken, gehen davon aus, dass der Bedarf in den nächsten drei Jahren weiter steigen wird. Das bestätigt auch eine aktuelle Studie. Entsenden deutsche Unternehmen Mitarbeiter ins Ausland, sind sie aufgrund ihrer arbeitsvertraglichen Fürsorgepflicht und des Arbeitsschutzgesetzes verpflichtet, sich um die Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeiter zu kümmern. Halten sie sich nicht daran, kann diese Pflichtverletzung sie teuer zu stehen kommen (in Form von Schadensersatzpflichten gegenüber Mitarbeitern und Angehörigen). 

Beginnen Sie frühzeitig mit Ihrer Planung und listen Sie auf, wer in der Personalabteilung zuständig ist, sich in Rechts-, Versicherungs- und Sicherheitsfragen auskennt sowie Fragen rund um das Reisemanagement beantworten kann. In der Regel greifen mittelständische Unternehmen gerade bei Sicherheitsaspekten auf externe Anbieter zurück. Diese Firmen sind meist auf bestimmte Weltregionen spezialisiert und kennen die jeweiligen Versicherungsgesetze im Ausland, auch können sie im Notfall helfen, Mitarbeiter schnell aus dem Ausland zurückzuholen.

Sabine Hockling

Sabine Hockling war lange selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Mit Ulf Weigelt schrieb sie den Ratgeber Arbeitsrecht. Seit 2011 ist sie Autorin der Serie "Chefsache". Immer freitags spricht sie mit Managementexperten über Führungsfragen. Hockling bloggt mit Tina Groll unter diechefin.net, das Blog für Führungsfrauen, über Frauen und Karriere.

Ebenfalls müssen Sie bei Ihrer Planung unerwartete Katastrophen, Terroranschläge, Entführungen, Unfälle oder Erkrankungen berücksichtigen. Wenn in solchen Ausnahmesituationen der Kontakt zu den Mitarbeitern abbricht, ist ein Notfallplan wichtig.

Unternehmen, die Mitarbeiter in Krisenregionen entsenden, müssen solche Notfallpläne vor dem Einsatz erstellt haben. Außerdem sollten Sie grundsätzliche Richtlinien für Auslandsreisen aufsetzen.

Wichtig ist allerdings auch, dass Sie Ihre Mitarbeiter sowohl bei der Vorbereitung als auch vor Ort aktiv unterstützen – um im Notfall ruhig und besonnen reagieren zu können.

Ihre Sabine Hockling

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Weitere Aspekte

Aus meiner Sicht hätte Frau Hockling zwei weitere Aspekte ansprechen müssen. Nicht nur der Aufenthalt vor Ort muss geplant und organisiert werden, sondern auch

- die Vorbereitung der GANZEN Familie; nicht zuletzt scheitern längere Auslandseinsätze an privaten Konflikten

- die Eingliederung des Mitarbeiters nach Rückkehr aus dem Ausland. Die Abteilung muss entsprechend darauf vorbereitet werden und dem Mitarbeiter sollte die notwendige Aufmerksamkeit und u.U. Anerkennung für sein Engagement entgegengebracht werden.

Dienstreisen im echten Leben

Das ist zwar alles richtig, aber (außer die Krankenversicherung) für wahrscheinlich >95% der Dienstreisen von deutschen Firmenmitarbeiten nicht sehr relevant.

Wenn Sie auf Dienstreise hier nach Paris kommen, machen Sie sich keine Sorgen, es braucht nicht lange geplant werden und einen externen Anbieter für Sicherheitsaspekte. Genießen Sie die Reise einfach! :-)

Das gilt für Europa, Nordamerika, Japan… aber auch für die Businessbereiche der meisten großen Städte im Rest der Welt. Wenn Sie z.B. in den Irak oder nach Medellin reisen, sieht es anders aus.

Gefährliches Reisen

Von den letzten 37 Jahren habe ich 25 als Ingenieur im Ausland gearbeitet, jeweils zwischen 3 Monaten und mehreren Jahren; nie in Industrieländern, sondern Afrika, Mittlerer Osten, Zentral-, Süd- und Südostasien, Lateinamerika, vielfach mit Familie, z.B. fast 5 Jahre Afghanistan. In der ganzen Zeit habe ich nie verstanden, was da für ein Aufhebens gemacht wird von wegen Planung des Auslandseinsatzes, Gefahren, Notprogramm und was weiß ich noch. Paß, Visum, Impfen, Auslands-KV, Ticket und Abflug! Entweder man paßt sich schnell an (Sprachen sollte man können), oder man läßt es in Zukunft sein. Die Informationen, die ich vor der Abreise in ein mir unbekanntes Land bekommen hatte, waren allesamt äußerst subjektiv und entsprachen nie dem Bild, das ich mir dann selbst gemacht habe. Es gibt ein paar Grundregeln, die überall gelten, Frankfurt, Soweto, Manila, Lagos, Oslo oder Bogotá: Zu gewissen Zeiten geht man eben nicht in gewisse Viertel, man mischt sich nicht in die Angelegenheiten dieser Länder und Völker ein, und im übrigen geht man neue Aufgaben und Menschen mit Neugier, gesundem Menschenverstand und Offenheit an. In all den Jahren habe ich nicht einem einzigen Zöllner oder Polizisten auch nur einen Dollar zugesteckt, wurde nie verhaftet, geschweige denn entführt, und war in Gebieten, wo mich hinterher die Botschaft voller Entsetzen gefragt hat, wie ich dorthin gehen konnte, ohne sie zu informieren. Insgesamt ein Leben, das ich gegen kein anderes tauschen würde.