Sucht : Wie sollen Arbeitgeber mit suchtkranken Mitarbeitern umgehen?

Der Mitarbeiter ist alkoholabhängig, die Chefin will ihn damit konfrontieren. Wie Führungskräfte mit suchtkranken Arbeitnehmern umgehen sollten, erklärt Sabine Hockling.

In meiner Filiale ist ein Mitarbeiter Alkoholiker. Wie soll ich mich als seine direkte Vorgesetzte verhalten?, fragt Bettina Fischer, Filialleiterin bei einem Bekleidungsunternehmen.

Sehr geehrte Frau Fischer,

gut fünf Prozent der Beschäftigten sind alkoholkrank, gibt die Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM) an. Alkohol führt bereits in geringen Mengen zu erheblichen Beeinträchtigungen der Leistungsfähigkeit. Je höher der Promillewert, desto stärker steigt das Unfallrisiko. Nach Angaben der BG ETEM treten bei einem Promillewert von 0,7 Gleichgewichtsstörungen auf, lässt die Nachtsicht nach und verlängert sich die Reaktionszeit erheblich. Bei einem Wert von 0,8 Promille steigt das Unfallrisiko bereits um ein Vierfaches an: Die Kontrolle der Augenbewegungen geht verloren, das Gehirn verarbeitet Informationen nur noch mangelhaft, es kommt zum sogenannten Tunnelblick. Alkoholkranke Mitarbeiter sind ein Risiko für sich, das Unternehmen und die Kollegen.

Sie sollten Ihrem Arbeitnehmer also dringend helfen – und zwar schnell und konsequent.

Leider haben Arbeitgeber nur wenig Spielraum. Bei Suchterkrankungen ist ein Klinikaufenthalt notwendig. Ist der erkrankte Mitarbeiter dazu nicht bereit, bleibt nur die Kündigung. Als Filialleiterin gehört es zu Ihren Aufgaben, Probleme, die negative Auswirkungen auf den Arbeitsalltag haben, zu lösen.

Bei Weigerung bleibt nur die Kündigung

Zudem sind Sie verpflichtet, jetzt ein sogenanntes gerichtsfestes Konfliktmanagement durchzuführen. Daher sollten Sie sich unbedingt rechtlich beraten lassen.

Sabine Hockling

Sabine Hockling war lange selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Mit Ulf Weigelt schrieb sie den Ratgeber Arbeitsrecht. Seit 2011 ist sie Autorin der Serie "Chefsache". Immer freitags spricht sie mit Managementexperten über Führungsfragen. Hockling bloggt mit Tina Groll unter diechefin.net, das Blog für Führungsfrauen, über Frauen und Karriere.

Weil Sie als Vorgesetzte auch eine menschliche Verpflichtung gegenüber Ihrem Mitarbeiter haben, sollten Sie zunächst das Gespräch mit ihm suchen. Gehen Sie dabei sensibel vor und vermeiden Sie Angriffe, Beleidigungen, Verurteilungen oder gar Moralpredigten. Reden Sie aber auch nicht um den heißen Brei, sondern sprechen Sie ihn konkret auf seine Sucht an. Benennen Sie ihm sachliche Verhaltensbeispiele (z.B. Zittern, unsicherer Gang, Alkoholfahne), die Sie in der Vergangenheit beobachtet haben. So kann er sich nicht herausreden.

Bereiten Sie vor dem Gespräch auch eine Liste mit Adressen von Beratungsstellen und Therapeuten vor. Übergeben Sie ihm diese mit der Versicherung, ihn bei dem Entzug zu unterstützen. Machen Sie ihm aber auch deutlich, dass er reagieren muss. Denn mit seinem Verhalten gefährdet er sich, seine Kollegen und auch die Kunden. Auch muss ihm klar sein, dass ihm die Kündigung droht, sofern er sich weigert, trotz der nachgewiesenen Alkoholerkrankung eine Entziehungskur zu machen. Daher sollte das Gespräch mit der Absprache konkreter Maßnahmen und Zeitvorgaben enden.

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12 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Hilfe bei Suchterkrankungen

Warum sollte ich dem Mitarbeiter bei der Bekämpfung seiner Sucht helfen und den Anstoss geben, besser er kommt zu mir und bittet mich darum das empfände ich als sinnvoller.

Aus dem ganz einfachen Grund, weil man als Chef gewisse Pflichten gegenüber seinen Mitarbeitern hat.

Aus dem ganz einfachen Grund weil viele Suchtkranke gar nicht wissen oder wissen wollen, dass sie Suchtkrank sind und somit gar nicht oder erst viel zu spät um Hilfe bitten.

Wenn Sie sich ein wenig mehr mit dem Thema "Sucherkrankung" beschäftigt hätten oder beschäftigen, dann werden Sie merken wie bescheuert dieser Teil Ihres Kommentars war.

Als Aussenstehender

Aus Erfahrung mit Menschen, die zu viel Alkohol konsumieren, kann ich nur sagen, dass es nichts bringt. Die meisten streiten nämlich ihr Problem ab und viele sind sich wirklich nicht darüber bewusst.
In meiner ehemaligen Firma war ich häufig über die regelmäßigen Anlässe eine Sektflasche während der Arbeitszeit zu trinken, erstaunt. Aufgrund von Gesprächen wusste ich von mehreren Kollegen, dass sie fast jeden Abend Alkohol trinken und bei privaten Treffen unvorstellbare Mengen Alkohol konsumieren. Aber ich hatte nie den Eindruck, dass sich irgendwer Gedanken über seinen Alkoholkonsum gemacht hat. Es gibt keine Einzelfälle, sondern sehr viele Menschen haben ein Problem mit dieser legalen Droge.

Und umgekehrt ?

Interessante Anregungen im Artikel.

Aber was machen, wenn es umgekehrt der Fall ist ?
Wenn der Vorgesetzte, der Chef, die Fuehrungskraft Alkoholiker ist, oder Tablettenabhaengig ?
Soll es geben ...

Der alkoholisierte Mitarbeiter, mit allen Folgen, und der cleane Chef, das ist ein Stereotyp (des Kapitalismus ?).