Ich bin für einen Pflegedienst in der Pflege tätig. Ist ein Kollege krank und ich habe frei, verlangt unser Chef, dass ich mein Diensthandy anlasse. Muss ich das wirklich tun?, fragt Andreas Hermann aus Leipzig.

Sehr geehrter Herr Hermann,

eine Untersuchung des Instituts für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IAG) zeigt, dass viele Arbeitnehmer trotz fehlender Absprachen für Ihre Kollegen und Vorgesetzten nach Dienstschluss erreichbar sind. Der Grund, der Chef erwartet das oder Arbeitnehmer gehen davon aus, dass das von ihnen erwartet wird. Ausdrückliche Anweisungen jedoch sind in der Praxis selten der Fall.

Von den 430 befragten Personen gaben über zwei Drittel an, während der Arbeitszeit auf Dienstreise oder im Außendienst oft oder immer erreichbar zu sein. Ganze 40 Prozent waren sogar in ihrer Freizeit oft oder immer erreichbar. Nur zehn Prozent gaben an, nie erreichbar zu sein.

Sie sehen, Sie stehen mit dem Problem nicht allein dar. Ihr Chef hat jedoch keinen gesetzlichen Anspruch darauf, dass Sie und Ihre Kollegen die Diensthandys auch freien Tagen eingeschaltet haben müssen.

Anders sieht es aus, wenn in Ihrem Arbeitsvertrag oder Betrieb Rufbereitschaften vereinbart sind. Dann müssen Sie und Ihre Kollegen in dieser Zeit natürlich die Handys an haben, erreichbar sein und bei Bedarf reagieren. Dann stehen Ihnen für die Rufbereitschaft allerdings auch Vergütungsansprüche zu. Ohne eine vertragliche Grundlage oder anderweitige Rechtsgrundlagen besteht keinerlei Verpflichtung. Das Handy bleibt also an freien Tagen aus.

Ihr Ulf Weigelt