GerichtsurteilSchneeballschlachten gehören bei Lehrern zum Beruf

Ein Lehrer, der bei einer Schneeballschlacht mit Schülern in Freiburg verletzt wurde, sollte keine Unfallfürsorge bekommen. Zu Unrecht, urteilte ein Gericht.

Eine Schneeballschlacht mit Schülern ist für Klassenlehrer nach einem Urteil des Verwaltungsgerichtes Freiburg Teil der Arbeit. Wird der Lehrer dabei verletzt, so sei dies ein Dienstunfall. Dies gelte auch, wenn die Schulordnung das Werfen von Schneebällen untersage, entschied das Gericht (Az.: 5 K 1220/11).

Es gab damit der Klage eines Lehrers statt, der sich beim Verlassen des Unterrichtsraums von seinen Schülern in eine Schneeballschlacht auf dem Schulgelände hatte verwickeln lassen und dabei am Auge verletzt wurde. Er musste operiert werden und wurde einen Monat lang krankgeschrieben. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig, da eine Berufung vor dem Verwaltungsgerichtshof (VGH) Baden-Württemberg möglich ist.

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Nach Angaben des Verwaltungsgerichts ereignete sich der Unfall "in Ausübung des Dienstes". Dem Lehrer müsse Unfallfürsorge gewährt werden. Dies hatte das Regierungspräsidium Freiburg abgelehnt.

Schneeballverbot "lebensfremd"

"Es ist nachvollziehbar, dass der Lehrer die Schneeballschlacht nicht als Privatsache verstanden hat", sagte ein Gerichtssprecher. Wegen seines guten Verhältnisses zu den Schülern habe er die Schneeattacke nicht als böswillig, sondern als Ausdruck der Lebensfreude verstanden. Deshalb habe er sich beteiligt.

"Anders konnte der Pädagoge nicht reagieren, sonst hätte er sich lächerlich gemacht", hieß es zur Urteilsbegründung. Das Gericht bezeichnete es zudem als "lebensfremd", wenn das Regierungspräsidium Pädagogen das Werfen von Schneebällen grundsätzlich verbiete.

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Leserkommentare
  1. Auch wenn das geltende Schneeballverbot natürlich etwas "lebensfremd" ist, so ist es doch nun einmal seit Ewigkeiten verboten. So komplett ist die Verletzungsgefahr dabei nunmal auch nicht von der Hand zu weisen, wie dieser Fall zeigt.

    Kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen, wie man sich als Lehrer zu einer Schneeballschlacht mit Schülern hinreißen lassen kann.

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    • Socke9
    • 07. Januar 2013 17:46 Uhr

    Das Verbot ist doch nicht damit zu begründen, dass man sich verletzten kann. Das hat man vor allem beim Skaten auf Pausenhöfen oder beim grätschen beim Bolzen.

    Und dass LerherInnen sich an Schneeballschlachten beteiligen ist Ergebnis des Kumpelhaften zwischen Lehrkraft und SchülerIn. Ein Lehrer der sich für was besseres hält und streng zu seinen SchülerInnen ist, der macht sich nicht mit sowas "lächerlich".
    Ein Lehrer dem die SchülerInnen vertrauen schon. Und das ist gut so.

    "Kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen, wie man sich als Lehrer zu einer Schneeballschlacht mit Schülern hinreißen lassen kann."

    Den besten Willen nehme ich Ihnen nicht ab.

    Die Schneeballschlacht war, so finde ich, eine prima Aktion.
    Schade nur, dass es derlei offenbar nur noch sehr selten gibt.

    • Laoyafo
    • 07. Januar 2013 17:18 Uhr

    bei denen kriegt man erst ein Bein auf den Boden, wenn man auch mal was mitmacht, was unkonventionell ist. Nicht, um sich anzubiedern! Das geht tiefer. Schüler merken, wenn ein Lehrer auch Risiken auf sich nimmt und sie nicht von einer Loge aus betrachtet. Das kann einen pädagogischen Zugang freimachen, den man sonst nicht hätte.

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  2. "Anders konnte der Pädagoge nicht reagieren, sonst hätte er sich lächerlich gemacht"

    ich wage zu behaupten, dass einen Schneeball ins Auge zu bekommen und deshalb ins Krankenhaus zu müssen auch ziemlich lächerlich rüber kam. ^^

    Doch davon mal abgesehen finde ich beruhigend, dass es noch Lehrer gibt, die sich für solche Späße nicht zu schade sind.

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    • fudge
    • 07. Januar 2013 17:34 Uhr

    ... dass das Gericht da nach gesundem Menschenverstand entschieden hat. Es gibt seit einiger Zeit so unendlich viele überkorrekte Regelungen im Schulalltag, dass dies mal als eine sinnvolle Ausnahme von diesem Wahn erscheint.

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    • Socke9
    • 07. Januar 2013 17:46 Uhr

    Das Verbot ist doch nicht damit zu begründen, dass man sich verletzten kann. Das hat man vor allem beim Skaten auf Pausenhöfen oder beim grätschen beim Bolzen.

    Und dass LerherInnen sich an Schneeballschlachten beteiligen ist Ergebnis des Kumpelhaften zwischen Lehrkraft und SchülerIn. Ein Lehrer der sich für was besseres hält und streng zu seinen SchülerInnen ist, der macht sich nicht mit sowas "lächerlich".
    Ein Lehrer dem die SchülerInnen vertrauen schon. Und das ist gut so.

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  3. Ich habe nie etwas vom Schneeballverbot gehalten. Daran kann auch der Artikel nicht rütteln. Wie viele Schüler verletzen sich beim Sport? Beim Fußballspielen? Bei einer Rangelei? Wenn man den Schülern vehement alles verbietet, was Spaß macht, hat man lediglich eine Armee menschlicher Roboter, die mit der Zeit Defizite entwickeln.

    Die Schneeballschlachten waren damals in der Unterstufe DAS Highlight schlechthin.
    Ich habe damals mindestens so viele Schneebälle abbekommen wie verteilt. Klar, wenn der Schnee gefroren war oder sich darin ein Stein befand, konnte das wehtun. Dennoch hat es Spaß gemacht. Leben bedeutet auch Risiken auf sich zu nehmen.
    Und mal ehrlich: Ein solches Verbot hat vermutlich mehr Leute dazu gebracht, mal ´nen Schneeball zu schmeißen als umgekehrt.

    Den Lehrer würde ich auf keinen Fall verteufeln. Wenn er es schafft, seinen Schülern gegenüber ein Kumpel, ein wohlwollender Mensch, zu sein, und es trotzdem schafft, im richtigen Moment mit Autorität und Durchsetzungsvermögen zu glänzen und vernünftigen Unterricht zu machen, ist er genau das, was das deutsche Schulsystem dringend braucht.

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  4. "Kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen, wie man sich als Lehrer zu einer Schneeballschlacht mit Schülern hinreißen lassen kann."

    Den besten Willen nehme ich Ihnen nicht ab.

    Die Schneeballschlacht war, so finde ich, eine prima Aktion.
    Schade nur, dass es derlei offenbar nur noch sehr selten gibt.

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  5. hach ja, Winter in der Schulzeit waren etwas Schönes. Ich bin immer voller Erwartung aufgewacht, denn es könnte ja sein, dass die Schule ausfiele.

    Und dann die Schneeballschlachten...Hat schon viel Spaß gemacht. Wohl auch, das gebe ich gerne zu, weil es den Reiz des Verbotenen hatte.

    Allerdings meist nur in der Theorie. Sicher, es gab auch einige Lehrer und Lehrerinnen, die die Buchstaben der Schulordnung durchsetzen wollten. Und ich denke mal, über die Zeit werden diese die meisten Schneebälle abbekommen haben. Natürlich hat keiner gesehen, wer geworfen hatte, nein, wir haben gerade in die andere Richtung geschaut.

    Allerdings hatte ich das Glück, dass die meisten Lehrer das etwas gelassener sahen. So kann ich mich zwar nicht daran erinnern, das mal einer richtig mitgemacht hatte, aber die Damen und Herren von der Pausenaufsicht haben oft eine Art Schiedsrichter gemacht, also darauf geachtet, dass das Ganze ein Spaß blieb und niemand sich unsportlich und gefährlich verhielt, oder verhindert, dass Schüler, die nicht wollten mit "reingezogen" wurden.

    Ich denke es gibt so etwas wie ein Lebensrisiko. Das kann man minimieren, aber dadurch minimiert man auch alles, was Lebensfreude erzeugt. Das erfordert ein gewisses Augenmaß.
    Außerdem sind die Unfälle duchr Schneebälle wohl um Größenordnungen weniger häufig als beispielsweise Schulsportverletzungen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, tis
  • Schlagworte Gericht | Lehrer | Schüler | Arbeit | Baden-Württemberg | Freiburg
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