FührungskräfteWie ein moderner Manager ticken muss

Das Anforderungsprofil an Manager hat sich seit der Finanzkrise deutlich gewandelt. Eine neue Studie zeigt: Chefs müssen einfühlsam und flexibel sein. Geht das? von Kristin Schmidt

Zuhören statt Kommandos geben, mit Unsicherheiten umgehen statt langfristige Entscheidungen treffen. An den Manager von heute werden andere Anforderungen gestellt, als noch vor zehn Jahren.

Damals gab es in der Wirtschaft bestimmte Paradigmen, auf die sich jeder Manager, Politiker und auch Bürger verlassen konnte. Deutschland war Exportweltmeister, die Europäische Union bekam allenfalls Zuwachs, Austritte standen nicht zur Debatte. Heute haben sich die Vorzeichen geändert: Traditionelle Absatzmärkte stagnieren, der Zugang zum Kapital wird oftmals schwieriger, ob Deutschland Deflation oder Inflation droht, darüber streiten sich die Ökonomen.

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Die Umfrage der Personalberatung Korn/Ferry unter europäischen Führungskräften hat folgende Herausforderungen als die zentralen unserer Zeit definiert. Die Stabilität des Euros und der Währungsunion hat absolute Priorität – eine Erkenntnis, die die CEO-Umfrage der WirtschaftsWoche zum Jahresende ebenfalls bestätigt hat. Konsumentenstimmung, verschärfte Steuervorschriften, mangelnder Zugang zu Kapital und ein unflexibler Arbeitsmarkt belegen die Ränge zwei bis fünf.

Als Paradebeispiel für einen CEO, der sich diesen Herausforderungen ausgesetzt sieht, nennt Christian Jerusalem, Senior Partner bei Korn/Ferry, den Thyssen Krupp-Chef Heinrich Hiesinger. "Er ist mit vielen Unwägbarkeiten konfrontiert und muss aber kurzfristig Entscheidungen unter hoher Unsicherheit oder Widersprüchen treffen, bei denen er nicht lange zaudern darf." Hiesinger muss die defizitären Werke in Brasilien und den USA schnell loswerden, den Stahlriesen in einen breit aufgestellten Technologiekonzern verwandeln. "Ob er das Anforderungsprofil eines modernen CEO auch nachhaltig erfüllt, wird sich zeigen", sagt Jerusalem.

Manager müssen Kommunikationsprofis sein

Laut Studie sind folgende Fähigkeiten nötig, um in einer volatilen Wirtschaftswelt zurechtzukommen: Am wichtigsten ist es, mit mehrdeutigen Situationen umzugehen. Eine Eigenschaft, die vor der Finanzkrise im Ranking gar nicht auftauchte.

Auch der Umgang mit Mitarbeitern ist enorm wichtig geworden. Während es vor der Krise darauf ankam, Aufgaben an die Angestellten zu verteilen und Anweisungen zu geben, ist es heute wichtiger den Mitarbeitern zuzuhören und sie zu motivieren. "Ein zeitgemäßer Manager muss vor allem ein Kommunikator sein, der seine Angestellten vermitteln kann, dass Veränderungen auch Chancen bedeuten", sagt Jerusalem. Die Angst um den Arbeitsplatz oder vor sinkenden Gehältern darf die Belegschaft nicht in Aufregung oder Resignation stürzen.

Manager müssen auch in ihrer Denkweise flexibler sein und mehr Mut aufbringen, da ihre Entscheidungen ungewöhnlicher und schneller getroffen werden müssen. Einer der für die Studie befragten Manager sagte: "Alle Entscheidungen werden kurzfristig getroffen". Jahresziele müssten in seinem Unternehmen, Halbjahres- oder Drei-Monatszielen weichen.

Um die Finanzierung der Firmen zu sichern, können Manager sich nicht mehr ausschließlich auf ihre Hausbank verlassen. Private Equity-Lösungen sind laut Senior Partner Jerusalem dabei eine Möglichkeit an Kapital zu kommen. "Manager in kleineren Unternehmen haben es in der volatilen Geschäftswelt leichter, auf neue Herausforderungen zu reagieren. Sie müssen sich in einem kleinen Führungskreis abstimmen und nicht durch unzählige Gremien absegnen lassen", sagt Jerusalem.

Generell gilt die Entscheidungsfreude in deutschen Unternehmen als ausbaufähig. In einer kürzlich erschienen Studie der Unternehmensberatung Hay Group attestierten 52 Prozent der deutschen Angestellten ihren Vorgesetzten, dass sie zu lange zögerten bis eine Entscheidung getroffen werde. Die neuen Anforderungen sind also noch nicht in den Chefetagen angekommen, werden bei der Auswahl neuer Nachwuchsmanager aber sicherlich in den Auswahlprozess miteinbezogen.

Erschienen in der WirtschaftsWoche

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Leserkommentare
  1. "Die Angst um den Arbeitsplatz oder vor sinkenden Gehältern darf die Belegschaft nicht in Aufregung oder Resignation stürzen."

    Richtig! Denn nur weil sie heutzutage flexibel angestellt sind und über Ausreden jederzeit entlassen werden können, heisst das nicht das sie weniger motiviert arbeiten sollen. Ein guter Chef muss halt auch freundlich entlassen können, den Druck auf der Arbeit haben die Angestellten durch ihr Beschäftigungsverhältniss ja sowieso schon!

    Ich hoffe das nehmen sich die Manager zu herzen! Verständnisvoll entlassen werden, DAS ist was sich der Arbeitnehmer von seinem Chef WIRKLICH wünscht!

    6 Leserempfehlungen
  2. Liebe Redaktion,

    obige Zwischenüberschrift erscheint merkwürdig...

    Viele Grüße,
    LB

  3. Es gibt kaum einen Aspekt, der im zwischenmenschlichen Bereich so wichtig ist, wie Fairness. Ein entsprechendes Gefühl (für Fairness) lässt sich schon bei Primaten nachweisen. Im arbeitsleben bedeutet Fairness auch eine gerechte Entlohnung, vor allem in der Relation zwischen den einzelnen Mitarbeitern. Nun ist das Gehalt von Führungskräften im Vergleich zu Lohnempfängern in den letzten Jahrzehnten überproportional gestiegen. Es wäre also ein guter Ansatzpunkt für Manager die eigene Entlohnung zu hinterfragen, um dort ein Gleichgewicht einkehren zu lassen, welches von den Mitarbeitern als fair empfunden wird.

    7 Leserempfehlungen
  4. "Auch der Umgang mit Mitarbeitern ist enorm wichtig geworden". Tut mir Leid, aber ist dies nicht schon "immer" der Erfolgsgarant, oder auch nicht, schlechthin gewesen? Hier hat sich doch nichts verändert, was den Umgang mit den Menschen betrifft. sicher sind die Arbeitsverhältnisse heute andere, weil viel unsicherer, nur wurden die Mitarbeiter auch vor 30 Jahren nicht in Watte gepackt. Wer nicht parrierte flog, so einfach war das schon damals!!! Es gibt da den Spruch, der heute vielleicht nicht mehr so gilt, weil die Herren ( Manager ) ständig wechseln, wie der Herr, so's Gescherr!!! Was die Nachhaltigkeit der Entscheidungen betrifft, da lassen sich doch die Herrschaften von der Finanzmafia vor sich hertreiben. Kohle, Kohle, Kohle für mich und meine Aktionäre. Wo hat da Nachhaltigkeit noch Platz? Und was Thyssen-Krupp betrifft, in Herrn Hiesinger's Haut möcht ich "nicht" stecken!!!

    3 Leserempfehlungen
  5. In erster Linie müssen sie Verantwortung dafür tragen , für das was sie tun , sie müssen haften, ihnen muss bewusst gemacht werden. Das Die Unternehmen nicht dafür da sind ihre private Schatulle zu füllen, um sich dann nach dem alles ruiniert ist, sie unbehelligt an der nächsten Tür anklopfen können.....

    5 Leserempfehlungen
    • Gerry10
    • 15. Februar 2013 9:14 Uhr

    ...Manager müssen Leistung liefern und sonst garnichts.
    Und solange nur bis zum nächsten Quartal gedacht wird, werden die Alpha-Tiere notgedrungen immer am längeren Ast sitzen. So funktioniert die Marktwirtschaft in derzeitiger Form und noch soviel CEO-Umfrage Propaganda wird daran nichts ändern.

  6. Führungskräfte müssen führen und dazu gehört es, Entscheidungen zu treffen, auch wenn diese nicht vollständig rational begründet und abgesichert werden können. Im Kern hat jede Führungskraft das Problem, in welchem Umfang er die Unsicherheit - oder Zweifel - an seinen Entscheidungen mit den Mitarbeitern besprechen, sie also offen legen kann. Denn damit verbreitet die Führungskraft Unsicherheit und lädt zu immer neuen Diskussionen ein, die im Ergebnis die Entscheidung konterkarieren können. Die ideale Führungskraft nimmt daher Informationen und Meinungen aller Mitarbeiter in einem offen geführten Meinungsbildungsprozeß auf, um dann zügig zu entscheiden und diese Entscheidung als "richtige" weiterzugeben und auch durchzusetzen. Nach der Entscheidung darf die Kommunikation die Entscheidung nicht mehr in Frage stellen, sondern es geht nur noch darum, sie optimal umzusetzen. Das geschah früher autoritär, heute ist die Form eher kollegial mit einem gewissen Motivationsanspruch. In der Sache gibt es aber keinen Unterschied: die einmal gefällte Entscheidung wird umgesetzt und nicht neu diskutiert. Wenn die Führungskraft dies nicht schafft, ist sie ungeeignet.

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  7. "Manager" ist ein sehr dehnbarer Begriff, und wenn Sie hier CEOs von Großkonzernen meinen, sollten Sie sie am besten gleich in der Überschrift so nennen. Dass Mannager mit Personalverantwortung /in Führungsposition Kommunikationsprofis sein müssen, halte ich für eine Binsenweisheit. Aktuell ist allenfalls, dass in der derzeitigen Lage bestimmte Grundvoraussetzungen stärker gefragt sind als andere, erfüllen können sollte man sie aber bei Bedarf alle, und daran finde ich nichts sonderlich modern.

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  • Schlagworte Europäische Union | Deflation | Finanzkrise | Führungskraft | Personalberatung | Studie
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