Schichtarbeit : Gegen den Biorhythmus und die Gesundheit
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Betreuung durch den Arzt und ausgewogene Ernährung sind wichtig

Obwohl die negativen Folgen für die Gesundheit lange bekannt sind, hat die Ausweitung von Schichtarbeit zugenommen – besonders in der Industrie und im Dienstleistungssektor gehören Spätschichten, Nacht- und Wochenendarbeit mittlerweile zum normalen Joballtag.

Wegen der stark negativen Folgen für die Gesundheit setzen die allermeisten Unternehmen auf Wechselschichtsysteme, in denen die Mitarbeiter nicht dauerhaft nur einer Schicht ausgesetzt sind. Doch auch das Rotieren ist nicht unbedingt gesundheitsschonend. Verschiedene Studien von Arbeitsmedizinern kommen zu dem Ergebnis, dass schnell rotierende Schichtsysteme zu stärkeren Schlafstörungen bei den Betroffenen führen als in permanenten Nachtschichten. Am gesundheitsverträglichsten erscheinen Wechselsysteme, die langsam rotieren – also entweder im Zweiwochen- oder Wochenrhythmus.

Zu den biologischen Faktoren, die belastend für den Körper sind, kommen soziale Einschränkungen: Schon der Wechsel zwischen Früh- und Spätschichten beeinträchtigen das soziale Leben erheblich. Familienleben, Freunde treffen, regelmäßigen Hobbys nachgehen, die Mitarbeit in sozialen, gewerkschaftlichen oder politischen Organisationen – alles das ist in regelmäßiger Schichtarbeit kaum möglich. In Befragungen der Initiative Neue Qualität der Arbeit geben Schichtarbeiter an, dass sie besonders die Auswirkungen ihrer Arbeitszeiten auf das Privatleben als Einschränkungen erleben.

Arbeitszeitmodelle, die geblockte Wochenendfreizeiten vorsehen, können hier hilfreich sein. Arbeitgeber sollten darauf achten, die Dienstpläne so früh wie möglich zu gestalten und kurzfristige Änderungen zu vermeiden. Auch ist es wichtig, dass ungünstige Schichtfolgen (wie eine Frühschicht, die auf eine Spätschicht folgt) und Überstunden vermieden werden. Zugeständnisse an die Mitarbeiter, die Arbeitszeiten flexibel und individuell zu gestalten, helfen hier. Sofern vorhanden fällt die Dienstplangestaltung auch unter das Mitbestimmungsrecht des Betriebsrates.

Mit Lichtmanagement an Nachtarbeit gewöhnen

Die negativen Gesundheitsfolgen kann auch die Gestaltung des Arbeitsplatzes mildern. In Laborversuchen gelang es Arbeitsmedizinern, ein geeignetes Lichtmanagement zu entwickeln, das die Anpassung an Nachtarbeit unterstützt. Dabei werden in der ersten Nachtschicht in den ersten vier Stunden Lichter zwischen 1.500 bis 3.000 Lux eingesetzt. In den darauffolgenden vier Tagen setzt die helle Beleuchtung erst eine Stunde später ein. Auf diese Weise werden in einer Nacht Verschiebungen von bis zu drei Stunden erzielt, der Körper kann sich dann an den neuen Hell-Dunkel-Rhythmus besser anpassen. Schlafstörungen treten dann seltener auf. Wenn die Mitarbeiter in dem Schichtmodell durchrotieren, muss allerdings eine Rückadaption geschehen. Das Lichtmanagement eignet sich nur für Schichtsysteme, in denen die Mitarbeiter mindestens zwei Wochen lang tätig sind. Die langfristigen Folgen sind indes noch nicht erforscht.

Das Arbeitszeitgesetz sieht strenge Regeln für die Schichtarbeit vor. Wer in Schichten arbeitet, sollte sich alle drei Jahre einer Untersuchung unterziehen. Nachtarbeiter über 50 Jahren haben Anspruch auf einen jährlichen Routinecheck durch den Arzt.

Fürsorgliche Arbeitgeber lassen ihre Schichtarbeiter ohnehin regelmäßig vom Betriebsarzt durchchecken. Sie sorgen für Gesundheitsberatung und ein aus ernährungswissenschaftlicher Sicht gesundes und ausgewogenes Angebot in den Kantinen.

Trotzdem sind alle Studien eindeutig: In permanenter Schichtarbeit halten nur die wenigsten Arbeitnehmer bis zum gesetzlichen Rentenalter durch. Je länger ältere Mitarbeiter in Schichten gearbeitet haben, desto größer ist ihr Risiko, berufsunfähig zu werden. Letztlich hilft nur ein Job mit Arbeitszeiten, die dem gesundheitlichen Wohl am nächsten kommen.

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