Eine bei der Stadt Solingen beschäftigte Rechnungsprüferin fordert mit einer Mobbing-Klage rekordverdächtige 900.000 Euro Schmerzensgeld. Ihr Anwalt berief sich bei der Höhe der Summe auf die jüngere Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts. Danach seien die bislang zugesprochenen Schmerzensgelder zu gering und müssten erhöht werden, um abschreckende Wirkung zu entfalten.

Der Fall, der gerade vor dem Landesarbeitsgericht Düsseldorf verhandelt wird, könnte allerdings scheitern. Der Vorsitzende Richter Wolfgang Jansen vom Landesarbeitsgericht Düsseldorf zeigte sich am Dienstag skeptisch, ob die von der Klägerin aufgeführten Fälle tatsächlich den Tatbestand systematischen Mobbings erfüllten und ob die hohe Summe gerechtfertigt sei. 900.000 Euro seien schon eine "extreme Größenordnung", sagte der Richter. Zudem müsse auch das Verhalten der Klägerin berücksichtigt werden. Ihr Anwalt verwies auf "die Vielzahl kleiner Nadelstiche", die ein deutliches Gesamtbild ergäben.

"Man hat meine Ehre und meine Würde mit Füßen getreten", sagte die 53-Jährige. Jahrelang sei sie schikaniert und ihr sogar zu Unrecht fristlos gekündigt worden. Als sie nach gewonnenem Prozess in ihr Büro zurückkehren wollte, habe man sie mit einem Sonderprüfauftrag, für den sie nicht ausgebildet sei, in ein neun Kilometer entferntes städtisches Klinikum versetzt. Auch eine Schulung habe die Stadt nicht zahlen wollen.