Sexismus : Wie man sich würdevoll gegen Herrenwitze wehrt
Seite 2/2:

Mit Gegenwehr der Täter rechnen

Wer sich wehrt, fordert allerdings den Täter auch heraus. Nicht jeder ist einsichtig und entschuldigt sich sofort. Die Forschung hat inzwischen typische Reaktionen identifiziert. Oft wird die Tat zunächst herabgespielt oder ganz geleugnet. Dann wird das Opfer beschuldigt (victim blaming). Meist heißt es, es habe selbst mitgemacht oder zu spät gesagt, dass es sich belästigt fühlte. Schließlich unterstellt der Mann der Frau unlautere Absichten und lenkt so von der Tat ab (derailing): Die Frau wolle etwa den Ruf des Mannes schädigen. So stilisiert sich der Täter selbst zum Opfer. Er habe nur einen Witz oder Komplimente gemacht – jetzt werde sein Ruf beschädigt. Verkehrte Welt. Sich zu wehren, kann viel Kraft erfordern.

Frauen sollten solche Abwehrstrategien also kennen, sich so früh wie möglich Unterstützung organisieren und Beweise sichern.

Wer verbale Übergriffe im Unternehmen erlebt, sollte sich an den Vorgesetzten und den Betriebsrat wenden, die sich um die Umsetzung des AGG im Betrieb kümmern müssen. Der Arbeitgeber darf ein solches Verhalten nicht dulden und muss reagieren. Gibt es keine Arbeitnehmervertretung, können sich Arbeitnehmerinnen auch an Gewerkschaften wenden. Auch vertraute Kolleginnen und Kollegen können helfen, ebenso bietet die Antidiskriminierungsstelle des Bundes Beratung für Betroffene an.

Niemand muss verbale Attacken dulden

Geschehen Attacken durch den Vorgesetzten selbst, ist der Gang zum Betriebsrat fast unvermeidlich. Gibt es keinen im Unternehmen, sollten sich die Opfer mit anderen Kolleginnen und Kollegen zusammenschließen und den Vorgesetzten mit seinem Fehlverhalten konfrontieren und Konsequenzen androhen.

Die Konsequenzen für die Täter können von der Ermahnung und Abmahnung bis zur fristlosen Kündigung reichen. Bevor es so weit kommt, ist aber ein persönliches Gespräch wichtig, in dem der Mann die Chance hat, sein Verhalten zu erklären und auch zu ändern.

All dies gilt natürlich auch für Männer, die sich von Frauen bedrängt fühlen. Schließlich gibt es auch Chefinnen und Kolleginnen, die ihren männlichen Mitarbeitern verbal oder auch körperlich zu nahe kommen. Für die betroffenen Männer ist dies ebenfalls eine schwierige Situation. Meist wird ihnen nicht geglaubt oder ihnen wird sogar die Männlichkeit abgesprochen ("Ein echter Mann kann sich schließlich wehren!").

Wenn Opfer und Täter auch nach dem Vorfall zusammenarbeiten müssen, ist mentale Stärke gefragt. Anstand beweist, wer sich für verbale Entgleisungen entschuldigt und sein Verhalten ändert. Ist das nicht der Fall, kann die Erkenntnis helfen, dass der Täter mit seinem Verhalten nur etwas über sich selbst aussagt: Er hat weder Anstand noch Respekt. Das Opfer gibt dem Täter so keine Macht mehr über sich, wenn ihm das bewusst ist.

Verlagsangebot

Der ZEIT Stellenmarkt

Jetzt Jobsuche starten und Stellenangebote mit Perspektive entdecken.

Job finden

Kommentare

368 Kommentare Seite 1 von 32
Der Kommentarbereich dieses Artikels ist geschlossen. Wir bitten um Ihr Verständnis.
Der Kommentarbereich dieses Artikels ist geschlossen. Wir bitten um Ihr Verständnis.