ErreichbarkeitJeder Zweite arbeitet gern in der Freizeit

Die Erreichbarkeit für den Job im Feierabend und Urlaub nimmt weiter zu. Nun stellt eine neue Studie fest: Zwei Drittel der Betroffenen stört das gar nicht.

Jeder zweite berufstätige Deutsche ist einer Studie zufolge auch in der Freizeit für Kollegen, Kunden und Vorgesetzte erreichbar. Zwei Drittel der Betroffenen fühlen sich davon nicht gestört. Das geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten repräsentativen Befragung des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des Versicherers Cosmos Direkt hervor. Die für die Flexibilitätsstudie Befragten gaben an, für sie sei es normal, auch nach Feierabend, am Wochenende und im Urlaub Anrufe entgegenzunehmen oder E-Mails zu beantworten.

Fast jeder zweite Erwerbstätige (45 Prozent) kann seine Arbeitszeit der Studie zufolge innerhalb eines gewissen Zeitfensters flexibel gestalten. Etwa jeder Sechste hat dabei sogar komplette Freiheit. Am besten funktioniert die freie Zeiteinteilung natürlich bei Selbstständigen (54 Prozent). Dagegen haben fast drei Viertel (72 Prozent) der Arbeiter fest vorgegebene Arbeitszeiten mit Präsenzzeiten.

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Die Balance zwischen ihrem Berufs- und Privatleben funktioniert der Studie zufolge für 40 Prozent der Erwerbstätigen gut. Gut jeder Dritte sagt, bei ihm sei die sogenannte Work-Life-Balance leicht in Richtung Arbeit verschoben, bei neun Prozent dominiert die Arbeit deutlich. Dabei gibt es auch Unterschiede zwischen den Geschlechtern: 47 Prozent der berufstätigen Frauen sehen ihre Work-Life-Balance als ausgeglichen an, bei den Männern sind es nur 35 Prozent.

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Leserkommentare
    • Glik
    • 11. Januar 2013 5:52 Uhr

    Arbeit ist die eine Seite - Privat die andere. Vielleicht sollte man diese Seite mehr hinterfragen.

    Die gesellschaftlichen Umstände scheinen sich in den letzten Jahren derart negativ entwickelt zu haben, dass schon 50% aller Ehen geschieden werden und dass ein hoher Prozentsatz der Leute es vorzieht, als Single zu leben.

    Dass der Bereich Arbeit beim Einzelnen damit einen immer höheren Stellenwert einnimmt ist zwangsläufig. 'Störungen' durch Arbeit können da durchaus erwünscht sein - als Ersatzfunktion oder als Situationsflucht.

    Die Phänomene beeinflussen und verstärken sich gegenseitig - die alte Henne-Ei-Geschichte. Ohne den gesellschaftlichen Wandel seit den 68ern hätte sich auch die Arbeitswelt anders entwickelt.

  1. ...was natürlich auch nicht representativ ist, aber wenn das jedem Zweiten recht sein soll, dann müsste ich doch zumindest ein paar Leute kennen, oder?
    Vielleicht liegts ja daran das es viele Singlehaushalte gibt und kinderlose Paare.
    Bei mir ist jedenfalls Schluss nach Feierabend und ich würde auch nie im Leben einen Kollegen mit beruflichen in der Freizeit belästigen.
    Aber jeder wie es ihm/ihr gefällt.
    Trotzdem wundert es mich warum ich niemanden kenne der anders als ich darüber denkt....

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    • Glik
    • 11. Januar 2013 8:24 Uhr

    es kommt auf die Art des Berufes an.

    Wenn am Samstagabend hier eine Katze angefahren würde, könnte ich meine Tierärztin auf jeden Fall damit angehen - auch ohne Notdienst.
    Und wenn ein Wasserrohr bricht, wäre es schon nett, einen Spezialisten rasch zur Hand zu haben. Klar kostet das dann extra.

    Eine Begründung oder Notlage sollte schon vorliegen.
    Wo es allerdings völliger Blödsinn ist, das ist in diesen ganzen Büroberufen und allem, was unter 'Management' läuft.
    Da glaubt der Wichtigtuer, dass irgendein Textlein auch Sonntag früh zu ändern ist. Gegenüber solchen sollte man das Handy jedenfalls abdrehen. Das Problem liegt in aller Regel in miserabler Organisation und soll dann gelöst werden, wenn's beginnt, aus dem Ruder zu laufen.

    • Glik
    • 11. Januar 2013 8:24 Uhr

    es kommt auf die Art des Berufes an.

    Wenn am Samstagabend hier eine Katze angefahren würde, könnte ich meine Tierärztin auf jeden Fall damit angehen - auch ohne Notdienst.
    Und wenn ein Wasserrohr bricht, wäre es schon nett, einen Spezialisten rasch zur Hand zu haben. Klar kostet das dann extra.

    Eine Begründung oder Notlage sollte schon vorliegen.
    Wo es allerdings völliger Blödsinn ist, das ist in diesen ganzen Büroberufen und allem, was unter 'Management' läuft.
    Da glaubt der Wichtigtuer, dass irgendein Textlein auch Sonntag früh zu ändern ist. Gegenüber solchen sollte man das Handy jedenfalls abdrehen. Das Problem liegt in aller Regel in miserabler Organisation und soll dann gelöst werden, wenn's beginnt, aus dem Ruder zu laufen.

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    • MTK65
    • 11. Januar 2013 8:52 Uhr

    2/3 also 67% sind gerne in ihrer Freizeit erreichbar, weil es sie nicht stört - ABER nur 47% der Frauen und 35% der Männer sehen ihre "Work-Life-Balance" als ausgeglichen...
    Da kann offenbar etwas nicht stimmen.
    Wer wie CharlieBrown8 abends noch an seinem Tablet Mails beantwortet profitiert, wie ich auch, von flexiblen Arbeitszeiten. Ich würde diese Tätigkeit aber eher der Arbeit als der Freizeitgestaltung zuordnen. Die Schwierigkeit ist die Abgrenzung und das Festlegen noch zumutbarer Störungen in diversen intimen Alltagssituationen.
    Regelmäßig tauchen in der Zeit diese Form der arbeitsmotivierenden Artikel auf. Warum?
    Normalerweise würde ich diese Artikel in meiner Firmenpost erwarten - da gibt es auch immer Mitarbeiter, welche 4 Stunden zur Arbeit fahren, dann hochmotiviert 9 Stunden ohne Pause durcharbeiten und gerne im Zug schlafen, weil es ihnen überhaupt nichts ausmacht. Die Kinder sind alle immer supererfolgreich und absolut selbstständig, so dass die Arbeit der Eltern gar nicht auffällt. Qualitätszeiten von 20min reichen um alle sozialen Beziehungen voll erfüllt zu pflegen.
    Wenn solche Thesen verbreitet werden, dann geht es um Steigerung der bei uns ohnehin sehr hohen Arbeitsproduktivität. Also dem Ausüben eines sozialen Zwanges noch mehr zu arbeiten.
    Was mich wundert ist das mittlerweile unreflektierte Unterstützen derartiger Werbekampagnen.

    2 Leserempfehlungen
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    ...das haben Sie sehr treffend auf den Punkt gebracht. Derartige Studien und Werbeartikel, die ungehemmt glorifizieren, wie schön, heil, flexibel und globalisiert unsere moderne Arbeitswelt ist, finde ich auch nur schwer zu ertragen.

    Solche realitätsfremde "Propaganda" gehört in die Mitarbeiterzeitung, welche ich genau aus diesem Grund seit Jahren ungelesen wegwerfe.

  2. ...das haben Sie sehr treffend auf den Punkt gebracht. Derartige Studien und Werbeartikel, die ungehemmt glorifizieren, wie schön, heil, flexibel und globalisiert unsere moderne Arbeitswelt ist, finde ich auch nur schwer zu ertragen.

    Solche realitätsfremde "Propaganda" gehört in die Mitarbeiterzeitung, welche ich genau aus diesem Grund seit Jahren ungelesen wegwerfe.

  3. Auf jeden Fall nicht die Kassiererin im Supermarkt usw.

    Wenn man zu den Glücklichen gehört, die wirklich kreativ arbeiten können und dann vielleicht auch noch eine sinnvolle Tätigkeit
    Aber hier fängt's schon an.
    Macht das, was ich tue wirklich einen Sinn ?
    Nach meiner Erfahrung fangen hier schon viele Leute an sich selbst etwas vorzuflunkern.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Interessant...."
    • grrzt
    • 14. Juni 2013 23:01 Uhr

    dass man es nicht auch an einem Montag erledigen könnte. Bei sozialen Notdiensten ist das anders, aber m.E. sind es meistens die Büro-/"management"Tätigkeiten, (am beliebtesten in meinem Betrieb Controlling-Berichte oder andere noch abseitigere Statistiken, weil so ein BWL-Jüngelchen eine "Idee" hat) die gewichtig daherkommen; hier ein Excel-Tabellchen, mit ach so wichtigen Zahlen, dort eine eine Präsentation (raten sie mal mit welchen Programm) alles gaaanz wichtig, Die Welt geht schier unter, die Wirtschaft bricht zusammen, die Märkte kollabieren, wenn sie nicht sofort fertig ist.
    Ich fange an, das Wort "Flexibilität/Flexibilisierung" zu hassen. Man sollte es zum Unwort des Jahrzehnts küren. Das hat es verdient. Ach, und das Begriffsungetüm "Work-Life-Balance" direkt auch. Aber der Artikel versucht dem Leser zu suggerieren, wie toll das ist, und dass ein armer antiqierter Tropf, schlimmer nich ein fauler Tropf der ist, der nicht stets und ständig dem Arbeigeber zu Getote steht. Ich schulde dem Arbeitgeber meine Arbeitsleistung. Nicht meine Freizeit. Und Überstunden soll er bezahlen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, tgr
  • Schlagworte Arbeitszeit | Freizeit | Studie | Urlaub | Work-Life-Balance
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