Nebenjob : Kann ich neben der Vollzeitstelle noch jobben gehen?

Die Mitarbeiterin möchte sich mit einem Nebenjob steuerfrei etwas dazu verdienen. Was Arbeitnehmer mit einem Minijob neben dem Hauptberuf beachten sollten.
Nebenjob als Servicekraft © REUTERS/Bobby Yip

Ich habe einen Vollzeitjob als Assistentin (mit einer 36-Stunden-Woche). Um mein Gehalt aufzubessern, möchte ich zusätzlich einen Minijob am Wochenende in der Gastronomie annehmen (auf 400-Euro-Basis). Was muss ich dabei beachten? Und ist der 400-Euro-Job steuerfrei?, fragt Elisabeth Moll.

Sehr geehrte Frau Moll,

seit dem 1. Januar 2013 dürfen Minijobber statt maximal 400 Euro jetzt 450 Euro monatlich verdienen (Ausnahme: Für Studenten und BAFöG-Empfänger bleibt die 400 Euro-Grenze bestehen). Und eine weitere Neuerung gibt es: Der Minijob ist nun rentenversicherungspflichtig. Der Minijobber zahlt 3,9 Prozent seiner Einkünfte aus dem Job an die Rentenversicherung, der Arbeitgeber weitere 15 Prozent. Bei einem monatlichen Einkommen von 450 Euro wären das für Sie 17,55 Euro und für den Minijob-Arbeitgeber 67,50 Euro.

Von der Rentenversicherung befreit sind nur geringfügig Beschäftigte, die bereits vor dem 1. Januar 2013 einen 400-Euro-Job hatten und diesen auch so behalten. Stockt der Arbeitgeber das Einkommen  auf, sind auch diese alten Jobs rentenversicherungspflichtig.

Bitte beachten Sie, dass bei Minijobs, die ab 2013 aufgenommen werden, der Verdienst für die Versicherungspflicht egal ist, die Mindestbeitragsbemessungsgrundlage für die Rentenversicherung aber 175 Euro beträgt. Das bedeutet, wenn der Arbeitnehmer unter dieser Mindestgrundlage liegt – also beispielsweise nur 150 Euro in seinem Minijob verdient, muss der Arbeitgeber trotzdem auf 175 Euro Rentenversicherungsbeiträge bezahlen.

Sie haben aber die Möglichkeit, diese Verpflichtung abzuwählen, indem Sie Ihrem Minijob-Arbeitgeber dies schriftlich mitteilen.

Viele Vorteile, aber auch viel zu beachten

Und es gibt seit dem 1. Januar 2013 noch einen weiteren Vorteil: Die Begrenzung von maximal 15 Stunden pro Woche entfällt.

Für die Einkommenssteuer wiederum hat sich nichts geändert, der Minijob ist nach wie vor steuerfrei. Das heißt, dass sie auch bei einem Vollzeitjob die 400 Euro aus Ihrem Minijob voll behalten können.

Ulf Weigelt

Ulf Weigelt ist Anwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Auf ZEIT ONLINE beantwortet er jeden Mittwoch in der Serie "Da staunt der Chef" Leserfragen zum Arbeitsrecht. Die Serie ist auch als E-Book erschienen. Weigelt hat mit Sabine Hockling auch den Ratgeber Arbeitsrecht geschrieben.

Arbeitsrechtlich müssen Sie beachten, dass Sie auch im Minijob dieselben Rechte und Pflichten wie ihre vollzeitbeschäftigten Kollegen haben. Sie dürfen nicht anders behandelt werden als Ihre vollzeitbeschäftigten Kollegen – auch hier gilt der Gleichbehandlungsgrundsatz. 

Einen Minijob zusätzlich zu einem Vollzeitjob annehmen, dürfen Sie in der Regel. Aber beachten Sie, was in Ihrem Arbeitsvertrag dazu steht. Viele Verträge enthalten eine Klausel, die ihren Mitarbeitern Nebentätigkeiten generell verbieten. Solche Klauseln sind in den meisten Fällen unzulässig und deshalb rechtlich angreifbar. Denn ein völliges Nebentätigkeitsverbot lässt sich nur in seltenen Fällen durchsetzen. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn Mitarbeiter in besonders sensiblen Arbeitsbereichen wie der Forschung tätig sind.

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