BetriebsklimaMuss der Chef Privatbesuch im Job tolerieren?

Die Mitarbeiter empfangen schon mal Familie oder Freunde im Büro – meist ohne Vorankündigung. Kann der Arbeitgeber das untersagen? Antwort gibt der Jurist Ulf Weigelt. von 

Einige meiner Mitarbeiter bekommen immer wieder Besuch von der Familie oder von Freunden am Arbeitsplatz. Ich bin gegen diese Privatbesuche – kann ich die verbieten?, fragt Sandra Becker.

Sehr geehrte Frau Becker,

natürlich können Sie Privatbesuche am Arbeitsplatz untersagen. Zum einen haben Sie als Arbeitgeber das Hausrecht, zum anderen sind Sie für die Sicherheit und Ordnung am Arbeitsplatz verantwortlich. Das heißt, verbieten Sie unternehmensfremden Personen den Zugang zum Firmengelände/Betriebsstätte, dürfen auch nur Ihre Mitarbeiter und Personen, denen Sie den Zugang gewähren, das Gelände betreten. Wer sich darüber hinwegsetzt, kann mit einer Anzeige wegen Hausfriedensbruch rechnen.

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Stellen Privatbesuche am Arbeitsplatz für Sie kein enormes Risiko dar und möchten Sie solche Besuche nur ab und zu genehmigen, können Sie gewisse Regeln für solche Besuche aufstellen.

"Da staunt der Chef"

Was ist erlaubt, was nicht? Der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt gibt Antworten auf Nutzerfragen. Jede Woche, immer mittwochs in der Arbeitsrechtskolumne "Da staunt der Chef".

Schreiben Sie uns (und geben Sie dabei bitte Ihren Namen und Ihren Wohnort an). Wir freuen uns und wählen unter allen Problemen, die uns gestellt werden, jede Woche eine Frage aus und beantworten sie hier.

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Die Antworten von Fachanwalt Ulf Weigelt stehen Ihnen auch übersichlich gesammelt als E-Books zur Verfügung. Nach dem Download können Sie jederzeit und überall auf Ihrem elektronischen Lesegerät zu arbeitsrechtlichen Fragen nachschlagen.

Hier finden Sie eine Übersicht unserer E-Books www.zeit.de/ebooks.

Sie können beispielsweise in einer Betriebsvereinbarung festlegen, dass Ihre Mitarbeiter:

  • grundsätzlich vorab fragen müssen, ob ein konkreter Besuch erlaubt ist;
  • stets ihren direkten Vorgesetzten über Privatbesuche informieren müssen;
  • vorab auch ihre Kollegen über den anstehenden Besuch informieren sollen;
  • generell dafür sorgen müssen, dass ihr Besuch keinen Gefahren ausgesetzt wird;
  • bei Bedarf ihren Besuch über wichtige Sicherheitshinweise informieren müssen;
  • informieren Sie Ihre Mitarbeiter auch darüber, dass Privatbesuche nicht zur Regel werden sollten und Sie sie nur ab und an genehmigen;

Auch Hinweise bezüglich allgemeiner Benimmregeln können sinnvoll sein. Dazu gehört beispielsweise, dass Kinder grundsätzlich nicht am Arbeitsplatz herumtollen dürfen, der Besuch nicht stören darf und deshalb eine gewisse Lautstärke nicht überschritten werden darf.

Ulf Weigelt
Ulf Weigelt

Ulf Weigelt ist Anwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Auf ZEIT ONLINE beantwortet er jeden Mittwoch in der Serie "Da staunt der Chef" Leserfragen zum Arbeitsrecht. Die Serie ist auch als E-Book erschienen. Weigelt hat mit Sabine Hockling auch den Ratgeber Arbeitsrecht geschrieben.

Sie können auch festlegen, dass alle Arbeitsplätze tabu sind und der Besuch sich dort weder umschauen noch niederlassen darf. Bereiche, die die Sicherheit des Besuches gefährden können, sollten grundsätzlich nicht auf eigene Faust gezeigt werden. Gibt es keine offiziellen Betriebsführungen, sollten solche Bereiche generell tabu sein.

Auch der Hinweis bezüglich eines passenden Zeitpunkts für den Besuch (z.B. in der Mittagspause) kann sinnvoll sein. Geben Sie Ihren Mitarbeitern solche Regeln an die Hand, sollten Privatbesuche weder ein Sicherheitsrisiko darstellen noch den Betriebsablauf stören.

Ihr Ulf Weigelt

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Leserkommentare
    • jojocw
    • 13. Februar 2013 20:29 Uhr

    und die private Welt nicht vollkommen trennt, kann das doch auch bedeuten, dass der Mitarbeiter gerne seinen Arbeitsplatz zeigt, weil er sich dort wohlfühlt,
    es anderen zeigen will, die anderen den Arbeitsplatz auch gut finden.
    Das erhöht doch auch ev. die Motivation usw.
    (Ich nehme jetzt mal an, dass die Besuche nicht so häufig sind.)
    Arbeitgeber, die das Private der Arbeitnehmer völlig ausschließen, sind leider sehr wenig an der Person interessiert.

    2 Leserempfehlungen
  1. Ich möchte Familienmitglieder nicht an meinem Arbeitsplatz oder während der Mittagspause treffen wollen. Es gibt wesentlich schönere Treffpunkte im Leben. Während der Arbeitszeit muss ich mich auf meine Arbeit konzentrieren. Da würden Familienmitglieder nur stören.

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  • Serie Fragen zum Arbeitsrecht
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Ulf Weigelt | Anzeige | Arbeitgeber | Familie
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