Hundepsychologe : Mensch, was willst du von mir?

Wenn Hunde nicht tun, was Herrchen möchte, muss ein Profi ran. Tierverhaltenstherapeuten bringen aber vor allem den Besitzern Benehmen bei, zeigt unser Beruf der Woche.
Hundepsychologe Martin Rütter

Bei jedem Klingeln an der Haustür war Mischlingsrüde Benno außer Rand und Band. Er bellte ohrenbetäubend laut, sprang an der Tür hoch, konnte sich kaum beruhigen. Den Besuch verängstigte das wilde Verhalten des Mischlings zumeist. Und die Besitzerin war verzweifelt. Sie probierte alle erdenklichen Erziehungsmethoden – ohne Erfolg. Schließlich suchte sie einen Hundepsychologen auf. Und der erreichte in wenigen Wochen, was Marianne K. in zwei Jahren nicht schaffte. Heute läuft Benno schwanzwedelnd zur Tür, wenn es läutet. Er freut sich noch immer über Besuch, aber er rastet nicht mehr völlig aus, sondern legt sich alsgleich wieder entspannt ins Körbchen. "Ich habe schon daran gedacht, Benno abzugeben. Das war, dem Hundepsychologen sei Dank, nicht nötig", sagt sein Frauchen heute.

Nicola Heinemann arbeitet als Hundepsychologin, auch Hundeverhaltenstherapeutin genannt. Sie berät Hundebesitzer, erklärt ihnen das natürliche Verhaltens ihres Lieblings und deckt zugleich auch menschliche Fehler im Umgang mit dem Tier auf. "Hunde haben ein normales, natürliches Verhalten, das nicht immer zu den Ansprüchen der Halter passt. Eigentlich ist die Berufsbezeichnung auch nicht zutreffend. Die Hunde, mit dem denen ich arbeite, müssen nicht wegen psychischer Leiden behandelt werden. Vielmehr geht es darum, die Besitzer aufzuklären", sagt Heinemann.

Was denkt das Tier? Warum verhält es sich so, wie es sich verhält? Was möchte der Hund mit den Verhaltensweisen sagen? Welche Bedürfnisse hat mein Hund?

Mit Fragen wie diesen können Hundebesitzer mehr Verständnis für das Tier aufbringen.

Daneben kommen unterschiedliche Strategien und Übungen aus dem Tiertraining zum Einsatz – natürlich wird mit positiven Verstärkungen gearbeitet. Für das gewünschte Verhalten bekommt der Hund eine Belohnung. "Unerwünschtes Auftreten wird nicht mit Strafe belegt, sondern alternatives, gewünschtes Verhalten wird honoriert", sagt Heinemann. Anweisungen bekommen auch die Besitzer. Sie lernen, ihr eigenes Auftreten zu verändern, um damit auch ein anderes Verhalten beim Haustier hervorzurufen.

TV-Sendungen verschaffen Hundepsychologen gute Auftragslage

"Viele Menschen schaffen sich einen Hund an und wissen überhaupt nicht, wie man mit dem Tier umgehen muss", sagt die Tierpsychologin. Bei Problemen resignieren manche irgendwann – in der Vergangenheit landeten viele vermeintliche Problemhunde dann einfach im Tierheim. Seit einiger Zeit habe sich das aber geändert, sagt die Therapeutin. Nicht zuletzt auch, weil sich Fernsehsendungen wie die von Hundeflüsterer Martin Rütter über die Arbeit von Tiertherapeuten so beliebt sind. Seither verzeichnen die Hundepsychologen eine deutlich größere Nachfrage. "Viele denken allerdings, das Problem sei wie im Fernsehen in 45 Minuten zu lösen. Die oft wochenlange Arbeit mit Hund und Herrchen sehen sie nicht."

Von jedem neuen Kunden lässt sich die Tiertrainerin das Problem schildern, sie beobachtet sowohl Hund als auch Besitzer in ihrem natürlichen Umfeld. Oft kann sie anhand der Körpersprache des Tieres und des Menschen schon erkennen, wo das Problem liegt.

Verhaltensbiologen haben gute Jobchancen

Als Nächstes gibt sie Herrchen oder Frauchen Verhaltensratschläge und versucht beim Hund ein Alternativverhalten aufzubauen. Manchmal dauert so ein Training mehrere Wochen. Der Erfolg hängt auch davon ab, wie konsequent die Besitzer mit ihren Hunden üben. "Das fällt den Menschen oft viel schwerer als dem Tier", sagt Heinemann.

Die Arbeit findet überwiegend draußen, meistens bei Spaziergängen statt. Hundepsychologen müssen den Umgang mit Mensch und Hund mögen, außerdem sind Geduld und Einfühlungsvermögen gefragt. Eine gute Beobachtungsgabe ist genauso wichtig wie gut zuhören zu können.

Heinemann hat in der Schweiz Hundepsychologie studiert. Das Studium ist EU-weit anerkannt. In Deutschland gibt es die Möglichkeit, ein Studium der Biologie mit Schwerpunkt Verhaltensbiologie zu absolvieren. Zwingend notwendig aber ist ein Studium für die Arbeit nicht.

Innerhalb des Studiums wird die Verhaltensbiologie des Hundes gelehrt, dazu gehört auch das Wildhund- und Wolfverhalten. Darüber hinaus lernen die Studenten viel über das Aggressionsverhalten und die Bedürfnisse der Tiere. Auch Lerntheorie gehört dazu: Wie lernt ein Hund? Welche Maßnahmen und Methoden des Lehrens mit dem Tier gibt es?

Die Arbeit mit den Besitzern ist manchmal schwierig

In der Regel sind Hundespychologen selbstständig. Die Auftragslage variiert, ebenso das Honorar. Akquise und Buchhaltung gehören dazu.

Nicht selten ist die Arbeit mit den Menschen weitaus schwieriger als mit dem Hund. "Die Menschen denken zu viel und stehen sich selbst im Weg. Manche Halter verstehen nicht, dass ihre Erwartungen an den Hund überhaupt nicht seiner Natur entsprechen." Ansonsten mache nur das Wetter die Arbeit manchmal schwierig. Hinzu kommen unregelmäßige Arbeitszeiten. Viele Abendeinsätze und Arbeit am Wochenende gehören zum Alltag der Tierpsychologen.

Das alles kann aber den Spaß an der Arbeit mit den Hunden nicht trüben. "Es ist schön zu sehen, wenn man Erfolg hat und sowohl Hund als auch Mensch am Ende zufrieden sind."

  • Gehalt: variiert
  • Arbeitszeit: variiert
  • Ausbildung: keine Ausbildung vorgeschrieben; Studium der Biologie mit Schwerpunkt Verhaltensbiologie möglich
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Kommentare

17 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

@15thMD: Leider nicht!

Hallo 15thMD,
machen Sie sich im Internet schlau, welchen Ruf das von Ihnen erwählte Tierheim hat. Letztlich ist es als Nicht-Experte wohl eher schwierig zu beurteilen, wie sich ein Tier außerhalb des Tierheims in der neuen Umgebung verhält. Ich denke, da sollten Sie auf die jeweilige Einschätzung der Tierpfleger hören. Sie werden beurteilen und eine seriöse Einschätzung abgeben können, ob ein Tier mit "schwerem Schicksal" für Sie geeignet ist, oder besser nicht. Das ist aber meine subjektive Einschätzung.
Vielleicht kann der eine oder andere Leser mit Erfahrung dahingehend mit Tipps und Ratschlägen helfen?

Mit besten Grüßen
Markus Schleufe

Keine geschützte Berufsbezeichnung

Es gibt keine gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung und genau das ist das Problem.

Jeder kann sich Hundepsychologe nennen. Garantie? Gewährleistung? Sicherheit? Null!

Es gibt eine Heerschar an Hundetrainern und -Psychologen mit unterschiedlichsten Qualifikationen und Methoden, die nicht selten mehr mit einer "Hundeerziehungsreligion" zu tun haben, als mit Forschung oder wenigstens wissenschaftlicher Nachprüfbarkeit.

Ich und mein Hund haben diesbzgl. schon unrühmliche Erfahrungen gemacht. Dank wissenschaftlicher Literatur konnte ich zum Glück am Ende selbst die Probleme ausbügeln, die mein Hund vor der Bekanntschaft mit fernstudierten Tierpsychologen nicht hatte.

Ich könnte mich bis heute über das verschwendete Geld schwarz ärgern!

Eine geschützte Berufsbezeichnung mit einer entsprechenden, fundierten, wissenschaftlichen Pflichtausbildung muß her, um den Kunden endlich Qualität und Sicherheit zu gewährleisten.