UmstrukturierungenWenn der neue Chef durchgreifen soll

Die Abteilung soll umgekrempelt werden. Wie geht eine neue Führungskraft diese Herausforderung richtig an? Sabine Hockling erklärt, was zu beachten ist. von 

Ich wurde geholt, um eine Abteilung "umzukrempeln". Gibt es Dinge auf die ich achten oder die ich vermeiden sollte?, fragt Hartmut Ilgner, Abteilungsleiter bei einem Versicherungsunternehmen.

Sehr geehrter Herr Ilgner,

das ist keine einfache Aufgabe für Sie, denn Sie sind nicht nur "der Neue", Sie sind auch der, der definitiv Veränderungen bringt. Letzteres verunsichert das Team und verärgert vor allem die veränderungsfeindlichen Mitarbeiter.

Anzeige

Schauen Sie sich zunächst an, was gut läuft und welche Stärken die Mitarbeiter haben. Denn um ein bestehendes System verändern zu können, müssen Sie von diesem zunächst akzeptiert werden. Diese Akzeptanz wird Ihnen verweigert werden, wenn Sie mit Ihren Vorschlägen vorpreschen, ohne ein genaues Bild von der Unternehmenskultur, den Arbeitsabläufen und den Leistungen der Mitarbeiter in der Abteilung zu haben. Die Folge: Ihre Vorschläge werden weder angenommen noch umgesetzt, im schlimmsten Fall werden sie gar blockiert. Wer jetzt nicht sensibel vorgeht, hat gleich verloren.

Chefsache: Fragen von Führungskräften

Wie gelingt gute Personalführung und was zeichnet einen fairen Chef aus? Jede Woche, immer freitags, beantwortet die Management-Expertin Sabine Hockling in der Serie "Chefsache" Fragen von Führungskräften.

Schreiben Sie uns (und geben Sie dabei bitte Ihren Namen und Ihren Wohnort an). Wir freuen uns und wählen unter allen Problemen, die uns gestellt werden, jede Woche eine Frage aus und beantworten sie hier.

Gerade junge Führungskräfte kommen häufig "von oben" und geben Mitarbeitern das Gefühl, provinziell, altmodisch oder unwissend zu sein. Die Mitarbeiter fühlen sich dann nicht wertgeschätzt, die Stimmung im Team verschlechtert sich.

Um Neues implementieren zu können, müssen Sie das Alte schätzen. Informieren Sie sich daher über die Historie der Abteilung. Zum einen verstehen Sie so das Team und die Abläufe, und können so auch Ihre neuen Wege einfacher integrieren. Zum anderen zeigen Sie dadurch Respekt.

Nicht überheblich von alten Erfolgen schwärmen

Vermeiden sollten Sie, von vergangenen Erfolgen in anderen Abteilungen oder Unternehmen zu schwärmen. Das wirkt nicht nur unsicher, sondern auch überheblich. Um ein Team von Veränderungen zu überzeugen, sollten Führungskräfte authentisch sein. Vor allem müssen die Veränderungsvorschläge für sich allein stehen können.

Sabine Hockling
Sabine Hockling

Sabine Hockling war lange selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Mit Ulf Weigelt schrieb sie den Ratgeber Arbeitsrecht. Seit 2011 ist sie Autorin der Serie Chefsache. Seit 2014 im neuen Format: Immer freitags spricht sie mit der Managerin Linda Becker über Führungsfragen. Hockling bloggt mit Tina Groll unter diechefin.net, das Blog für Führungsfrauen, über Frauen und Karriere.

Eine weitere Gefahr ist der Zeitfaktor. Achten Sie darauf, dass Ihre Ideen in einem realistischen Zeitrahmen umsetzbar sind. Beziehen Sie bei der Planung unbedingt Ihre Mitarbeiter ein, denn die müssen am Ende die Ausdauer haben, Ihren Plan in die Tat umzusetzen. Ein schriftlicher Plan ist zwingend erforderlich. Die Grundlage dafür schaffen Sie sich vor allem durch die Gespräche mit Ihren Mitarbeitern, die Sie gleich zu Beginn führen sollten. Beinhalten sollte Ihr Plan mindestens Ihre Vision, ein umfassendes Bild über den Status Quo, die Veränderungsschritte im Detail sowie die Aufgaben der jeweiligen Mitarbeiter.

In der Regel eilt einer neuen Führungskraft ihr Ruf voraus. Und auch bei Ihnen werden die Mitarbeiter sicherlich bereits vor Ihrem Antritt eine genaue Vorstellung von Ihnen haben. Vermitteln Sie daher von Anfang an Kompetenz, denn die ist die Basis für Respekt und Autorität.

Ihre Sabine Hockling

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • oranier
    • 22. Februar 2013 12:44 Uhr

    Ist das hier eine Zeitung für Jedermann? Dann bringen Sie bitte Artikel über den gemäßen Umgang mit Vorgesetzten, gegen Arbeitshetze, Mobbing usw.. Tipps für Führungskräfte gehören in Zeitschriften für Kapital und Unternehmen.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • JAN_64
    • 23. Februar 2013 11:14 Uhr

    ... hier lesen vielleicht auch mal Chef's bzw. Führungskräfte, die noch nie eine Fachzeitschrift zum Themen Führung, Management etc. in der Hand hatten, und bekommen hier nen' kleinen Anstoß ...

    • oranier
    • 22. Februar 2013 12:46 Uhr

    Das Wort im Titel sagt schon alles darüber, was den Mitarbeitern ggf. blüht.

  1. ... jemand "zum Durchgreifen" engagiert wird und hier in aller Öffentlichkeit fragt, wie er das machen soll.

  2. Der Kuschelkurs in unserem Konzern ist gescheitert, seit wieder die harte Hand regiert und ein wenig frotzeln erlaubt ist gibt es hier wieder Wachstum.

    Es war einen Versuch wert, bringt aber am Ende nachweislich niemanden etwas wenn er dafür nur einen Hungerlohn erwirtschaftet.

    Der Ton hier ist sehr rau geworden und trotzdem sind alle durch den höheren Profit insgesamt glücklicher.

    Klar kann man dies nicht verallgemeinern.

    Eine Leserempfehlung
  3. wer hier nachlesen muß, besitzt sowieso nicht die nötige Kompetenz für so eine Aufgabe.

    Eine Leserempfehlung
    • JAN_64
    • 23. Februar 2013 11:10 Uhr

    Was heißt denn KOMPETENZ VERMITTELN? Viele Führungskräfte meinen (!!!) durchaus Kompetenz zu vermitteln, aber haben sie die notwendigen Kompetenzen mit denen eine Führungskraft ausgestattet sein sollte auch? Und wissen Sie eigentlich was Führungskompetenzen sind? In der Wirtschaft mag es vielleicht einwenig anders gelagert sein - was wohl in der Natur der Sache liegt, sich an Ergebnissen orientieren zu müssen. In der Natur der Sache von so einigen (öffentlichen) Verwaltungen liegt es eher weniger ... hier sind Führungskräfte in der Regel die qualifizierteren Fachleute/ Sachbearbeiter ... das stattet sie jedoch nicht per se mit Führungskompetenzen aus.
    Und Verwaltungsmodernisierung, die fast regelmäßig auf der Tagesordnung steht bzw. Dauerprogramm ist, wird solange scheitern, solange dort zu Hauf Führungskräfte ohne Visionen, ohne ziel-, ergebnis- bzw. wirkungsorientiertes Denken und strategisches und strukturiertes Handeln, schalten und (ver)walten und jede Menge Pseudokompetenz vermitteln.
    ... man verzeihe mir den Exkurs in den Verwaltungsapparat...bin gerade persönlich von "Umkrempelei" betroffen :-(

    • JAN_64
    • 23. Februar 2013 11:14 Uhr

    ... hier lesen vielleicht auch mal Chef's bzw. Führungskräfte, die noch nie eine Fachzeitschrift zum Themen Führung, Management etc. in der Hand hatten, und bekommen hier nen' kleinen Anstoß ...

    Antwort auf "Für wen ist die Zeit?"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Serie Chefsache
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Alte | Ausdauer | Führungskraft | Unternehmen | Chef | Gespräch
Service