ErnährungMillionen Beschäftigte ernähren sich schlecht

Brötchen am Computer, Pommes in der Kantine: Eine Studie stellt fest, dass den meisten Menschen im Job Zeit für gesunde Ernährung fehlt. Daheim sieht es kaum besser aus.

Stress im Job und schlechte Essgewohnheiten halten Millionen Bundesbürger von gesunder Ernährung ab. Für jeden Zweiten ist Essen nur Nebensache. Jeder dritte Berufstätige beklagt, gesunde Ernährung sei bei der Arbeit unmöglich. Das geht aus einer am Freitag in Berlin vorgestellten Forsa-Studie im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) hervor.

Die meisten Menschen wüssten, wie sie sich gesund ernähren könnten, sagte Forsa-Chef Manfred Güllner. Vor allem Männer, Jüngere und Geringverdiener ernähren sich der Erhebung zufolge hektischer, eher mit Fertiggerichten und Imbissen, mit mehr Fleisch und Wurst und insgesamt ungesünder.

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Insgesamt essen 58 Prozent der Männer und 39 Prozent der Frauen täglich Fleisch oder Wurst. Vor allem bei Geringverdienern mit einem Monatseinkommen von maximal 1.500 Euro gehöre täglich ein Stück Fleisch dazu. Jeder zweite Berufstätige sagt, selbst in Arbeitspausen nicht genug Zeit zum entspannten Essen zu haben. Statt öfter kleine, gesunde Mahlzeiten zu sich zu nehmen, essen 30 Prozent der Frauen und sogar 47 Prozent der Männer abends reichlich zu Hause.

TK-Chef Jens Baas rief die Unternehmen auf, den Menschen mehr Zeit zum Essen zu geben. Regelmäßige Cholesterintests brächten vergleichsweise wenig, um das Krankheitsrisiko ungesunder Ernährung zu verkleinern. Nötig seien Arbeitsprozesse, die regelmäßige Zeitfenster zum Essen in Ruhe erlaubten. Die Ernährungsmedizinerin Ute Gola kritisierte, in vielen Firmen würden Beschäftigte auch zu wenig trinken. Viele hätten Angst, nicht genug Zeit für die dann nötigen Toilettengänge zu haben.

Burger, Pommes, Currywurst

Nur in der Hälfte aller Haushalte gibt es laut Studie noch täglich ein selbstzubereitetes Mahl. Vier von zehn Menschen greifen mindestens ein- bis zweimal pro Woche zu Tütensuppe oder Tiefkühlpizza. Jeder fünfte der unter 35-Jährigen räumt ein, ein- bis zweimal pro Woche Burger, Pommes oder Currywurst zu essen. Jeder dritte der unter 25-Jährigen greift mindestens dreimal die Woche zum Imbiss.

Allerdings ernähren sich Millionen Bundesbürger der Studie zufolge auch gut. 55 Prozent der Frauen und 44 Prozent der Männer achten nach eigenen Angaben generell aufs Essen. 74 Prozent der Frauen und 52 Prozent der Männer sagen, sie ernährten sich vorwiegend gesund. 80 Prozent essen mindestens dreimal die Woche Gemüse.

Als gesunde Ernährung empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung viel Obst und Gemüse, eher wenig Fleisch und Wurst und nur selten Süßigkeiten und gezuckerte Getränke. 

Für die Studie wurden 1.000 Bürger zu ihrem Ernährungsverhalten befragt. In Deutschland gelten 60 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen als übergewichtig.

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Leserkommentare
  1. "Als gesunde Ernährung empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung viel Obst und Gemüse, eher wenig Fleisch und Wurst"

    praktisch immer Gerichte mit tierischen Produkten angepriesen werden und meist auch noch mit totem Tier. So als sei nur eine solche Mahlzeit vollwertig und Gemüse und anderes eigentlich nur Beilage zum Fleisch, zur Wurst, zum Käse etc.

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    • Tri
    • 26. Februar 2013 19:40 Uhr

    Das "Talibanartige" wiederholen von Totschlagargumenten bringt einfach nichts. Es wird immer Wesen geben, die Fleisch und Fisch essen, neben Menschen, Katzen, Hunde, Füchse, Löwen. Also einfach mal die Luft anhalten.

  2. Auch wenn man keine Zeit für ein gemütliches Mittagsessen hat, kann man statt Currywurst Obst und Gemüse essen. Es gibt kein Volk, dem sein Essen so egal ist, wie den Deutschen. Während man in anderen Ländern über die Qualität der Lebensmittel redet, redet man hier vom Preis. So einen Dreck, den man hier in Billigsupermärkten angeboten bekommt, versucht man in anderen Ländern vergeblich. Dafür ist es dann schön billig.

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    Ich komme aufgrund meines Berufes sehr viel in der Weltgeschichte rum. Sogar in Italien schauen mittlerweile viele nur noch auf den Preis oder die Zeitersparnis. Und was man da zum Frühstück, Mittag & Abend isst, verdient mittlerweile auch nicht mehr ausschliesslich das Prädikat "wertvoll". Oder in Österreich, der Schweiz oder - den USA. Da schenkt man sich global gesehen gar nichts mehr. In Deutschland ernähren sich die Menschen ja auch nicht nur von Currywurst & Leberkäs. Das sind alles grobe Verallgemeinerungen, sowohl die positiven, wie z.B. im Mediteranen ist die Ernährung generell besser - als auch im negativen: in Deutschland ernährt man sich grottig schlecht. Auch in Asien ist es heutzutage ernährungstechnisch anders als vor 30 Jahren.

    • Infamia
    • 22. Februar 2013 15:32 Uhr
    3. Zeit?

    Die durchschnittliche Fernsehedauer in Deutschland pro Person beträgt etwa 220 Minuten pro Tag. Zeit ist also kein Grund, warum der Deutsche dem Essen gegenüber wenig Wertschätzung entgegenbringt. Die Zeit ist vorhanden. Es fehlt eher an Lust, an Wertschätzung gegenüber Nahrungsmitteln, an Bewusstsein seinem eigenen Körper gegenüber. Essen in Deutschland ist für viele in erster Linie Sattmacher und hat weniger mit Genuss, Sinnlichkeit und Geschmack zu tun.

    Bei den derzeit fast schon inflationär erscheindenden Sendungen, wo es ums Essen geht, stelle ich immer wieder eines fest. So, wie die meisten Menschen anscheindend einkaufen, kaufe ich nicht ein.

    Und ich habe genauso viel Zeit wie die meisten Menschen. Aber Essen ist eben für mich mehr als nur Sattmacher, nämlich hat etwas mit Genuss, Wohlfühlen, Sinnlichkeit, Geschmack, Entdeckung und Lebensfreude zu tun.

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  3. Ich komme aufgrund meines Berufes sehr viel in der Weltgeschichte rum. Sogar in Italien schauen mittlerweile viele nur noch auf den Preis oder die Zeitersparnis. Und was man da zum Frühstück, Mittag & Abend isst, verdient mittlerweile auch nicht mehr ausschliesslich das Prädikat "wertvoll". Oder in Österreich, der Schweiz oder - den USA. Da schenkt man sich global gesehen gar nichts mehr. In Deutschland ernähren sich die Menschen ja auch nicht nur von Currywurst & Leberkäs. Das sind alles grobe Verallgemeinerungen, sowohl die positiven, wie z.B. im Mediteranen ist die Ernährung generell besser - als auch im negativen: in Deutschland ernährt man sich grottig schlecht. Auch in Asien ist es heutzutage ernährungstechnisch anders als vor 30 Jahren.

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    Antwort auf "Das neue Thema"
  4. Beschäftigte, also Leute die nen Job haben.

    Wie gertenschlank müssten dann die Langzeitarbeitslosen sein???
    Rentner ohnehin im Quell des Gesundbrunnens baden und laben???

    Wenn man nen Job hat, oder auch nicht, teilt man sich seine Zeit ( somit auch Zeit fürs Essen ) eigenverantwortlich ein. Basta.

    Kein Beschäftigter wird gezwungen auch durch Eigeninitiative sich ungesund zu ernähren.

    Nur so am Rande, nebenbei

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    • Trypsin
    • 22. Februar 2013 15:48 Uhr

    'Statt öfter kleine, gesunde Mahlzeiten zu sich zu nehmen, essen 30 Prozent der Frauen und sogar 47 Prozent der Männer abends reichlich zu Hause.'

    Einige Studien und Thesen sagen genau das Gegenteil: Wir essen viel zu viel und mehrere Mahlzeiten am Tag sind nicht natürlich. Früher haben die Menschen auch nicht 5x am Tag gegessen und hatten im Gegensatz zu heute eine normale Figur. Man sollte erst essen, wenn man wirklich Hunger hat. Jemand der 800-1000 kcal mit einer großen Portion zu sich nimmt, ist natürlich auch länger satt als jemand, der nur 500 kcal zu sich nimmt. Und es geht ja nicht darum prinzipiell Nahrung aufzunehmen sondern dann, wenn der Körper es braucht.

    Jeder sollte seinen eigenen Rhythmus rausfinden. Ich esse immer zwei Mahlzeiten (mittags und abends) am Tag und habe seit Jahren ein gleichbleibendes Gewicht.

    Das Hauptproblem ist immer noch, was die Leute essen: Viele Kohlenhydrate machen fett und nur Balaststoffe (Salat) zu essen, reinigt zwar den Darm, aber liefert zu wenig Energie.
    Und Gemüse ist eigentlich besser als Obst, weil Gemüse auch viele Vitamine hat, aber wenig Zucker. Ein Glas Orangensaft enthält ca. 3-5 Würfel Zucker und das ist kalorienreich. Sauerkraut hat auch viele Vitamine, aber wenig Zucker!!!

    http://www.focus.de/gesun...

    http://www.sat1.de/ratgeb...

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  5. Neulich in einer deutschen Kantine:

    Er: Was ist denn Formschinken?
    Ich: Eine Mischung aus Scheiße, Gelatine, Farbstoffe, Geschmacksstoffe und Fleisch.
    Er: Aber ein bißchen Fleisch ist noch drinnen?
    Ich: so 30-40%
    Er: Dann ist ja gut!

    PS: Ich bin auch ein bißchen rumgekommen und denke das es in Österreich, Italien, Dänemark und einigen anderen Ländern einen höheren Anspruch an die Qualität von Lebensmitteln gibt. Natürlich im allgemeinen. Ausnahmen bestätigen die Regeln. Das der allgemeine Trend weltweit zu "Soylent Green" geht steht außer Frage.

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    • intolia
    • 22. Februar 2013 16:12 Uhr

    Leider muss ich Sie enttäuschen, ich habe letztes Jahr oft in Italien gegessen und muss sagen, das beste italienische Essen gibts mittlerweile beim Edelitaliener in Deutschland. In Italien werden viele Lebensmittel gefälscht, angefangen vom Büffelmozzarella .. und und und.

    Italien hat der Fleischskandal auch getroffen - man hat festgestellt, dass 30 Millionen Tonnen (in Worten dreissigmillionen) Fleisch unbekannter, fragwürdiger Herkunft alleine im Jahr 2012 importiert wurden.

    Man muss sich schon generell fragen, warum die Menschen immer mehr abstumpfen. Soylent Green passt schon ganz gut, ich mag als Metapher auch immer "Sie leben" vom Carpenter.

    Bin zwar absolut kein Käufer von Formschinken, aber man sollte schon bei der Wahrheit bleiben.
    Formfleischvorderschinken besteht aus kleinen, zusammengefügten Fleischstücken aus Schinken.
    Ein solcher Schinken muss dieselbe Zusammensetzung wie gewachsenes Fleisch aufweisen.
    Formschinken enthält _keine_ Gelatine:
    Das Fleisch wird mechanisch vorbehandelt und das austretende Eiweiss dient als Bindemittel beim Garen in einer Form.
    Formfleischschinken enthält mindestens 90 % Schinkenstücke und maximal 5 % zugesetztes Wasser...

    • intolia
    • 22. Februar 2013 16:12 Uhr

    Leider muss ich Sie enttäuschen, ich habe letztes Jahr oft in Italien gegessen und muss sagen, das beste italienische Essen gibts mittlerweile beim Edelitaliener in Deutschland. In Italien werden viele Lebensmittel gefälscht, angefangen vom Büffelmozzarella .. und und und.

    Italien hat der Fleischskandal auch getroffen - man hat festgestellt, dass 30 Millionen Tonnen (in Worten dreissigmillionen) Fleisch unbekannter, fragwürdiger Herkunft alleine im Jahr 2012 importiert wurden.

    Man muss sich schon generell fragen, warum die Menschen immer mehr abstumpfen. Soylent Green passt schon ganz gut, ich mag als Metapher auch immer "Sie leben" vom Carpenter.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, tgr
  • Schlagworte Essen | Euro | Fleisch | Getränk | Haushalt | Krankenkasse
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