Outsourcing : Sekretärin zu vermieten

Viele Freiberufler können sich keine Assistenten leisten. Firmen bieten ihnen Sekretärinnen aus Billiglohnländern zur virtuellen Miete übers Netz. Das Geschäft boomt.

Marco Maas ist ein gut organisierter Mann. In einer Liste hat er fein säuberlich aufgeführt, was er für seine Arbeit als freiberuflicher Datenjournalist braucht: Laptop, Terminkalender, Spezialsoftware. Bero hat er der Kategorie "Hardware" zugeordnet. Bero ist 38 Jahre alt und lebt in Kroatien. Das ist alles, was Marco Maas über ihn weiß. Getroffen hat er ihn noch nie.

Bero ist Marco Maas' virtueller Assistent. Er schreibt Rechnungen für Maas, ordnet seine Belege und überträgt Termine in dessen Onlinekalender. Er erledigt all die Aufgaben, die Maas lästig sind und zu denen ihm die Zeit fehlt – und das, ohne im Vorzimmer zu sitzen.

Virtuelle Assistenten sind eine Mischung aus Sekretärin und Buchhalter. Mit zwei Unterschieden: Sie leben in der Regel in Billiglohnländern und kennen ihre Chefs nur per E-Mail oder Telefon. Schon lange lagern Großkonzerne Callcenter nach Irland aus oder lassen Büroarbeiten von Indern erledigen. Neu ist, dass immer mehr Selbstständige unliebsame Tätigkeiten an preiswerte Helferlein aus dem Ausland delegieren. In Deutschland gibt es gut eine Handvoll Firmen, die virtuelle Assistenten mit Deutschkenntnissen rekrutieren und sie an viel beschäftigte Freiberufler vermitteln. Vor allem Unternehmensgründer nutzen diesen Service.

Vor zwei Jahren hat Luis Miranda das Start-up mein-virtuellerassistent.com gegründet. Mittlerweile beschäftigt er 16 Assistenten aus Osteuropa, Südafrika, den Niederlanden und den USA – auf freiberuflicher Basis. Sie beantworten E-Mails, lesen Texte Korrektur oder bereiten Präsentationen vor. Zwischen 12,50 Euro und 16,50 Euro kostet eine Assistentenstunde bei ihm. Der genaue Preis hängt davon ab, wie viele Stunden die Kunden buchen.

Arbeit ohne Auftragsgarantie

Vor allem Frauen machen den Job. Der Stundenlohn unterscheidet sich je nach Gehaltsniveau im Heimatland. Mitarbeiterinnen in den USA bekommen 8 Euro, Katja Bartkowska aus Polen dagegen nur 6,50 Euro. Die 22-Jährige ist selbst Freiberuflerin und hat sich als Übersetzerin selbstständig gemacht. Weil ihre Aufträge noch nicht ausreichen, um allein von dieser Tätigkeit leben zu können, arbeitet sie etwa zehn Stunden in der Woche als virtuelle Assistentin. Wie Bartkowski haben die meisten Assistentinnen in ihrem Heimatland noch einen anderen Job. Für sie ist es ein Zubrot, aber eines, mit dem sich nicht dauerhaft planen lässt. Eine Auftragsgarantie gibt es nicht.

Den Vorwurf, dass er Jobs ins Ausland auslagert, kann Miranda nicht verstehen: "Meine Kunden würden keine deutsche Sekretärin beschäftigen, weil sie die nicht finanzieren und auslasten könnten."

Die Kunden, das sind vor allem Freiberufler und kleine Unternehmen. Aber auch vermögende Privatleute, die ihre persönlichen Termine von einem Assistenten organisieren lassen. Dann helfen die Assistenten schon mal bei der Wohnungssuche oder versteigern den Hausrat ihrer Auftraggeber auf eBay. Ein Kunde ließ seinen Assistenten ein Geburtstagsgeschenk für seine Mutter aussuchen – mit dem Hinweis, sie besuche gern Konzerte. Der Assistent besorgte Karten für ein Musical.

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Kommentare

30 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Nicht ganz !

Um in Deutschland Steuererklärungen oder Umsatzsteuervoranmeldungen gegen Rechnung machen zu dürfen, muss man Steuerberater sein.
Wenn man die Erklärung im Auftrag des Mandanten erstellt und er sie unterschreibt, kann das jeder machen. Steuerberatend darf man allerdings nicht auftreten !
Ob es allerdings klug ist, seine Umsatzsteuererklärung von eienem Inder oder Amerikaner machen lassen, lasse ich mal dahingestellt sein !