GesundheitscheckAir India will dicke Stewardessen nicht mehr fliegen lassen

Die indische Airline verlangt von Mitarbeitern ab 40 Jahren den Body-Mass-Index. Wer sich nicht wiegen lassen will, bleibt am Boden; wer zu dick ist, muss Sport machen. von 

Teure Preise, große Pläne, finanzielle Schwierigkeiten und immer wieder negative Schlagzeilen – dafür ist Air India bekannt. Nun gibt es eine neue Nachricht. Indiens älteste Fluggesellschaft verlange von ihrem Bordpersonal ab 40 Jahren einen speziellen Gesundheitscheck, berichtet die Times of India: Die überwiegend weiblichen Mitarbeiter sollen ihren Body-Mass-Index messen lassen.

Der Index zeigt an, ob jemand übergewichtig ist. Stewardessen, die die Maßnahme verweigern, sollen nicht mehr fliegen dürfen. Auch wenn der Index auf Übergewicht hindeutet, muss die Mitarbeiterin zunächst am Boden bleiben. Der indischen Tageszeitung zufolge wird dicken Mitarbeitern sechs Monate Zeit gegeben, um wieder in Form zu kommen.

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Einige Stewardessen haben sich geweigert, ihren Body-Mass-Index berechnen zu lassen. Stattdessen fordern sie eine vom Arbeitgeber bezahlte Mitgliedschaft im Fitnessstudio. Nach Angaben von Air India hat es diese Sonderleistung in den neunziger Jahren schon einmal gegeben. Aus Kostengründen habe man sie abgeschafft.

Hintergrund ist der erbitterte Wettbewerb unter den asiatischen Airlines. Der Flugverkehr hat in den vergangenen 20 Jahren stark zugenommen, auch weil sich immer mehr Mitglieder der aufstrebenden Mittelschicht das Fliegen leisten können. Sie wollen nicht mehr tagelang im Zug unterwegs sein, um vom Norden Indiens in den Süden zu kommen.

Starker Wettbewerb mit privaten Airlines

Besonders kleinere private indische Fluggesellschaften wie Kingfisher, Jet Airways oder Spice Jet bieten besseren Service zu kleineren Preisen an als die Großen. Hinzu kommt Konkurrenz aus dem arabischen Raum. Qatar Airways hat sich beispielsweise in kurzer Zeit zu einem großen Player entwickelt.

Tina Groll
Tina Groll

Tina Groll ist Redakteurin im Ressort Karriere bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Die privaten Fluggesellschaften beschäftigten in der Regel junges Personal im Alter von 20 bis 30 Jahren. Bei der Mitarbeiterauswahl spielen Aussehen und Jugend eine große Rolle. Einige Airlines werben sogar mit der Attraktivität ihrer Stewardessen. Kehrseite dieser Personalpolitik: Wer zu alt wird, muss gehen. Die Fluktuation unter den Stewardessen ist hoch, auch wenn die Airlines wegen ihrer relativ hohen Löhne als attraktive Arbeitgeber gelten.

Bei der 1953 verstaatlichten Air India hingegen gibt es größere Beschäftigungssicherheit und entsprechend ältere Mitarbeiter. Mehr als zwei Drittel der gut 4.000 Stewardessen sind älter als 40 Jahre. Das Höchstalter für Bordpersonal liegt bei 58 Jahren und orientiert sich am Ruhestandsalter für Piloten. Ältere Mitarbeiter sind aber teurer als jüngere und schwerer zu entlassen.

Air India ist finanziell angeschlagen. Die 1932 gegründete Fluggesellschaft ist mit sechs Milliarden Euro verschuldet und nicht gut ausgelastet. Nun steht ein umfangreicher Sparplan an. Dazu passen die Gewichtskontrollen: Sie könnten ein Versuch sein, die Zahl der schwer kündbaren älteren Angestellten durch Druck zu reduzieren.

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Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Verzichten Sie auf diffamierende Äußerungen. Die Redaktion/mak

  2. ...nicht ganz. Sind die Stewardessen schuld das Air India keinen Gewinn macht und was hat das mit dem BMI zu tun? (der übrigens, anders als im Artikel geschrieben, nur bedingt zum ermitteln von Übergewicht oder Gesundheit allgemein dienen kann)
    OB eine Stewardess 20 oder 45 ist, einen BMI von 20 oder 33 hat ist doch für mich als Kunden wurscht - ich will von A nach B und das möglichst direkt und zu in Relation stehenden Preisen.
    Seh ich hier was falsch oder überseh ich hier was?

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    • welll
    • 20. März 2013 22:54 Uhr

    Der Beruf der Flugbegleiterin ist ja der Klischeejob schlechthin.

    Frau soll attraktiv sein und hat die Aufgabe zu (be)dienen.

    Diese Bild wird ja auch von allen möglichen Fluggesellschaften weltweit genutzt und bedient.

    Da dem so ist, kann einer Fluggesellschaft nicht an "unattraktivem" Personal im Kundenkontakt gelegen sein, weil auch die Attraktivität des Personal ein Teil des Service und der Kundenbundung ist. Dieses ist allerdings auch nicht nur bei Fluggesellschaften so.

  3. wäre - wie so oft - Alter und BMI, Gewicht oder was auch immer derjenigen zu erfahren, die es angeordnet haben...

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  4. - und zwar bei jedem Flug. Ausserdem geht es bei der Arbeit einer Stewardess oft eng zu, da tun sich Schlanke leichter.

    6 Leserempfehlungen
  5. "Besonders kleinere private indische Fluggesellschaften wie Kingfisher, Jet Airways oder Spice Jet bieten besseren Service zu kleineren Preisen an als die Großen."

    Vielleicht wäre es eine gute Idee, den Service zu verbessern, statt die Mitarbeiter/innen aufgrund von Alter und Aussehen zu diskriminieren?

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  6. Über den großen Teich haben wir das Wort "Stewardess" schon längst aufgegeben. Seit den 70er Jahren heißen Mann und Frau in der offiziellen, geschlechtsneutralen Sprache "flight attendant". Das Bordpersonal oder die Besatzung heißt "flight crew" oder "cabin crew".

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    ...aber im Englischen gibt es eben bei Berufsbezeichnungen bis auf wenige Ausnahmen keine Geschlechtsunterscheidung. Ich wünschte, es wäre hier auch so, allein schon um das ständige "Genossinnen und Genossen", Bahnschaffner und Bahnschaffnerinnen" oder "Regierungsmitglieder und Regierungsmitgliederinnen" zu vermeiden.

    Aber die Regeln einer Sprache ändert man eben nicht einfach mal schnell so, zumindest nicht in einer Demokratie. Leider.

    Sehr interessant. Sie werden aber nicht ernsthaft erwarten, dass wir das kritiklos nachmachen, nur weil sich die USA für das tollste Land der Welt halten. Außerhalb des Sprachgebrauchs der Fluggesellschaften selbst hat sich das Wort "Flugbegleiter" (Entsprechung zu flight attendant) nicht durchgesetzt; und das ist gut so. Im Deutschen brächte es im Übrigen nicht einmal den (vermeintlichen) Vorteil der Geschlechtsneutralität. Unsere hysterischen Gender-Mainstreamer sähen sich vielmehr genötigt von "Flugbegleiterinnen" zu sprechen. Dann kann man es gleich bei den StewardEssen belassen :-).

  7. ...dass Air India sich bemüht, der negativen PR wegen Frauenfeindlichkeit in Indien entgegenzuwirken.

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  8. ...aber im Englischen gibt es eben bei Berufsbezeichnungen bis auf wenige Ausnahmen keine Geschlechtsunterscheidung. Ich wünschte, es wäre hier auch so, allein schon um das ständige "Genossinnen und Genossen", Bahnschaffner und Bahnschaffnerinnen" oder "Regierungsmitglieder und Regierungsmitgliederinnen" zu vermeiden.

    Aber die Regeln einer Sprache ändert man eben nicht einfach mal schnell so, zumindest nicht in einer Demokratie. Leider.

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    Antwort auf "Warum 'Stewardess'?"
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    • welll
    • 20. März 2013 22:10 Uhr

    Flugbegleit statt Flugbegleiter/innen ?
    Genoss statt Genossen und Genossinnen ?

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Air India | Airline | Alter | Arbeitgeber | Body-Mass-Index | Fitnessstudio
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