RechtsfrageMüssen sich Führungskräfte analysieren lassen?

Der Chef möchte eine Persönlichkeitsanalyse bei den Führungskräften durchführen lassen. Ist das erlaubt? Antwort gibt der Jurist Ulf Weigelt. von 

Ich möchte gerne bei meinen Führungskräften eine Persönlichkeitsanalyse durchführen. Auf was muss ich achten?, fragt Boris Eisele.

Sehr geehrter Herr Eisele,

Persönlichkeitsanalysen einzusetzen, um die Entwicklung von Mitarbeitern beurteilen zu können, kann rechtlich gesehen riskant sein. Denn Unternehmen müssen hier auf den Datenschutz sowie das Persönlichkeitsrecht der einzelnen Mitarbeiter achten.

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"Da staunt der Chef"

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Daher sollten Sie die betroffenen Mitarbeiter umfassend informieren und zwar darüber, was Sie konkret prüfen möchten, warum Sie diese Prüfung wünschen und wer die erhobenen Daten später einsehen und auswerten wird.

Ulf Weigelt
Ulf Weigelt

Ulf Weigelt ist Anwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Auf ZEIT ONLINE beantwortet er jeden Mittwoch in der Serie "Da staunt der Chef" Leserfragen zum Arbeitsrecht. Die Serie ist auch als E-Book erschienen. Weigelt hat mit Sabine Hockling auch den Ratgeber Arbeitsrecht geschrieben.

Ferner sollten Sie nach der Maßnahme die Daten löschen. Dies sollten Sie in die Hände Ihrer Personalabteilung geben. Versichern Sie Ihren Mitarbeitern auch, dass nur die Personalabteilung die Daten auswertet und daher auch in ihrer Gesamtheit einsehen kann. Die Auswertung an sich sollten nur der Mitarbeiter selbst, sein direkter Vorgesetzter sowie die Geschäftsführung zur Kenntnis bekommen.

Um das überhaupt sicherstellen zu können, müssen Sie auch vor der Persönlichkeitsanalyse den Rahmen hierfür schaffen. Und damit es zu einem späteren Zeitpunkt nicht zu einer Auseinandersetzung kommt, sollten Sie sich unbedingt vor der Maßnahme schriftlich das Einverständnis des jeweiligen Mitarbeiters einholen. Lassen Sie dazu die betroffenen Mitarbeiter eine Einverständniserklärung unterzeichnen.

Ihr Ulf Weigelt

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Leserkommentare
  1. MÜSSEN sich Führungskräfte analysieren lassen?

    Dazu hätte ich dann doch gerne auch eine Antwort.. Grüße, v.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Und damit es zu einem späteren Zeitpunkt nicht zu einer Auseinandersetzung kommt, sollten Sie sich unbedingt vor der Maßnahme schriftlich das Einverständnis des jeweiligen Mitarbeiters einholen. Lassen Sie dazu die betroffenen Mitarbeiter eine Einverständniserklärung unterzeichnen."

    Hätte man natürlich auch im ersten Absatz schreiben können, aber dann wäre der ganze "Artikel" ja irgendwie sinnlos gewesen.

    Klartext von Anfang an wäre wohl gewesen: Chef kann probieren, keiner muss mitmachen.

    Oder ganz kurz:
    NEIN!

    Aber so einfache Antwort auf eine einfache Frage werden Sie wohl kaum von einem Vertreter des Berufsstandes bekommen, der gerade das Leistungsschutzrecht durchgesetzt hat...

    • vyras
    • 06. März 2013 23:55 Uhr

    " Lassen Sie dazu die betroffenen Mitarbeiter eine Einverständniserklärung unterzeichnen."

    Soll heißen: Damit er im Nachhinein keine Anstalten machen kann und Sie auf der einigermaßen sicheren Seite sind. Denn wenn u.U. der Job winkt, ist der Bewerber ja vielleicht mit Sachen einverstanden, die er eigentlich ablehnt.

    Ich finde die anscheinend zunehmende Tendenz, Menschen mit Hilfe psychologischer Diagnostik oder fragwürdiger anderer "Persönlichkeitstests" auf ihre ökonomische Verwertbarkeit zu prüfen, entwürdigend. Das ist ein Eindringen in die Intimsphäre. Und ob bei dieser Mode tatsächlich eine verwertbare Prognose herauskommt, ist auch höchst umstritten.

    3 Leserempfehlungen
  2. "Und damit es zu einem späteren Zeitpunkt nicht zu einer Auseinandersetzung kommt, sollten Sie sich unbedingt vor der Maßnahme schriftlich das Einverständnis des jeweiligen Mitarbeiters einholen. Lassen Sie dazu die betroffenen Mitarbeiter eine Einverständniserklärung unterzeichnen."

    Hätte man natürlich auch im ersten Absatz schreiben können, aber dann wäre der ganze "Artikel" ja irgendwie sinnlos gewesen.

    Klartext von Anfang an wäre wohl gewesen: Chef kann probieren, keiner muss mitmachen.

    Oder ganz kurz:
    NEIN!

    Aber so einfache Antwort auf eine einfache Frage werden Sie wohl kaum von einem Vertreter des Berufsstandes bekommen, der gerade das Leistungsschutzrecht durchgesetzt hat...

    Eine Leserempfehlung
  3. Ich arbeite als Neurowissenschaftler, und habe viele dieser Verfahren kennengelernt. Zwar wird immer wieder behauptet, die Instrumente haben hohe Konstruktvalidität, doch ist das schwer nachweisbar. Letztlich gilt hier, in jeweiligem Sinn "Intelligenz ist, was der Intelligenztest misst".
    Es ist einfach nicht klar inwieweit das vorgeblich Gemessene in der Tat dann auch erfasst wurde. Dann von solchen fragwürdigen Messdaten ausgehend Karriereentscheidungen zu treffen halte ich nicht nur für ethisch hoch bedenklich, sondern auch für selbstschädigend.
    Es ist ja auch schon seit langem sattsam bekannt, dass die Situation viel mehr das Verhalten beeinflusst als Persönlichkeitsfaktoren, dennoch neigen die Menschen dazu eben diesen fundamentalen Attributionsfehler zu begehen, und zu meinen, Verhalten lässt sich am besten durch statische Persönlichkeitsfaktoren vorhersagen.
    Ob jemand geeignet ist, zeigt sich ja vielleicht eher in einer Probezeit, und nicht mithilfe eines ungenauen Messinstruments.
    Die Leute, die sich in meinem Labor bewerben, sind fast alle ähnlich ausgebildet und ähnlich leistungsfähig. Die besten Empfehlungen für oder gegen einen Bewerber kamen immer aus dem Bauchgefühl, dass sich in einem längeren persönlichen Treffen und Gespräch einstellte. Komischerweise habe ich noch nie gehört, dass jemand in meinem Bereich, in dem wir uns hauptberuflich mit Gehirn und Verhalten auseinandersetzen, sogenannte Persönlichkeitstest heranzog, um jemanden auszuwählen.

    4 Leserempfehlungen
  4. "Lassen Sie dazu die betroffenen Mitarbeiter eine Einverständniserklärung unterzeichnen."

    Abgesehen davon, dass diese Psychotests allesamt hart an esoterischer Scharlatanerie vorbeischrammen, ist obiger Satz des Pudels Kern: Wer unterzeichnet, ist kooperativ, teamfähig und der Firma gegenüber positiv eingestellt. Wer sich weigert, an dem Blödsinn teilzunehmen, ist ein unkooperativer, eigenbrötlerischer Minderleister, der sich den Zielen der Firma nicht unterordnet und von dem sich das Unternehmen daher bei nächster Gelegenheit trennen sollte. Der Test selber ist da zweitrangig.

    So läuft das.

    2 Leserempfehlungen
    • digela
    • 07. März 2013 12:04 Uhr

    Wenn er nämlich glaubt, bei seinen Führungskräften (!) - also nicht bei einer Schar von jungen Jobabwärtern - so eine Analyse durchführen zu müssen, dann hat er sie auf welcher Grundlage überhaupt in Führungspositionen befördert?

    Eine Leserempfehlung
    • vyras
    • 07. März 2013 13:00 Uhr

    ... auch dadurch gefördert, dass niemand mehr persönliche Verantwortung für die Entscheidung übernehmen will, jemanden eingestellt zu haben. Da flüchtet man lieber in die vermeintliche Aussagekraft von Psychotest und Assessment Center, und kann darauf verweisen, wenn sich die neue Führungskraft dann nach einigen Monaten doch als ungeeignet erweist.

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  • Serie Fragen zum Arbeitsrecht
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Ulf Weigelt | Datenschutz | Führungskraft | Unternehmen
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