BekleidungsvorschriftenDrogeriekette hält Mitarbeiter zur Beinrasur an

Rasierte Beine, schlichte Schuhe: Die Drogeriekette Budnikowsky wollte ihren Mitarbeitern strenge Vorschriften machen – und muss sich nun heftiger Kritik stellen. von 

Wie adrett müssen Verkäufer in einer Drogerie aussehen? Die norddeutsche Drogeriekette Budnikowsky hat einem Bericht des Hamburger Abendblatt zufolge ganz genaue Vorstellungen vom äußeren Erscheinungsbild seiner 2.500 Mitarbeiter. Wie die Zeitung berichtet, hat die Geschäftsführung eine sechs Seiten lange Bekleidungsempfehlung an die Mitarbeiter verteilt. Das Papier sei auch Grundlage für Personalgespräche.

Die Drogeriekette schreibt den Mitarbeiterinnen darin unter anderem vor, dass sie sich die Beine rasieren müssen, wenn sie Röcke tragen. Männliche Mitarbeiter dürfen zwar einen Bart tragen, aber nur, wenn es sich um einen "gut ausrasierten Voll- oder Oberlippenbart" handelt. Auch bunter Nagellack ist laut der Richtlinie verboten, ebenso wie auffälliges Make-Up, breiter Modeschmuck oder High Heels. Hosen, die nicht schwarz, weiß oder blau sind, hält das Unternehmen ebenfalls für kritisch.

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Es ist nicht das erste Mal, dass Budnikowsky in der Kritik steht. Gewerkschaften halten dem Unternehmen vor, seine Mitarbeiter schlecht zu bezahlen. Die nun publik gewordene Leitlinie ist nicht nur ein starker Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Mitarbeiter. Sie ist auch mit dem Arbeitsrecht nur schwer vereinbar. Budnikowsky argumentierte bis zuletzt, die Richtlinie sei keine Anweisung, sondern vielmehr eine Orientierungshilfe für die Mitarbeiter.

Eingriff in die Persönlichkeitsrechte

Dem entgegen stehen Aussagen von Mitarbeitern. Sie berichten, dass es bereits negative Konsequenzen gehabt habe, wenn Mitarbeiter sich nicht an die Anweisungen hielten. Tatsächlich bewegt sich das Unternehmen in einem Graubereich des Arbeitsrechtes. Natürlich darf ein Arbeitgeber von seinen Mitarbeitern mit Kundenkontakt ein gepflegtes Äußeres erwarten. Ein Unternehmen, das vor allem Körperpflege, Kosmetik und Hygieneartikel verkauft, kann von seinen Arbeitnehmern verlangen, dass sie ein gepflegtes Äußeres nach außen tragen. Es darf jedoch keine konkreten Vorgaben zur Frisur, Schmuck oder Farbe der Kleidung machen. Will das Unternehmen solche Vorschriften erlassen, muss auf jeden Fall der Betriebsrat zustimmen. Das ist übrigens deshalb im Fall von Budnikowsky nicht geschehen, weil die Kette keinen Betriebsrat hat sondern nur eine Mitarbeitervertretung.

Mittlerweile hat das Unternehmen öffentlich Stellung  auf seiner Website und auf Facebook zu den Berichten über die Leitlinie bezogen und verweist auch darauf, dass die Vorschrift aus dem Jahr 2008 stammt und nicht mehr in Kraft ist.*

Weitgehende Bekleidungsvorschriften für Mitarbeiter haben zuletzt immer wieder für Wirbel gesorgt. Die Schweizer Bank UBS war in die Schlagzeilen geraten, als sie Ende 2010 einen Dresscode herausgab, der den Mitarbeiterinnen hautfarbene Slips und den Männern eine Krawatte mit Windsor-Knoten vorschrieb. Erst kürzlich war bekannt geworden, dass die indische Fluggesellschaft Air India von allen Stewardessen, die älter als 40 Jahre sind, Angaben über den Body-Mass-Index verlangt. Wer zu dick ist, soll nicht mehr fliegen dürfen.

*Artikel wurde aktualisiert

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Leserkommentare
  1. Ach, jetzt ist also Budni dran...., dachte ich, als ich den Artikel gelesen habe. Denn was da bemängelt wird, entzieht sich meiner Kenntnis. In meiner Firma gibt es auch eine Kleiderordnung und in der steht z.B., dass Männer Baumwollhosen zu tragen haben. Wer schon mal in das Etikett einer Jeans geschaut hat, wird feststellen, er darf auch Jeans tragen. Sie sollten nur keine Löcher haben und nicht allzu sehr verwaschen sein.

    In einer Drogeriekette erwarte ich, dass deren Mitarbeiter ein Mindestmaß an gepflegtem Äußeren vorweisen können. Und um nichts anderes scheint es sich bei der Maßgabe von Budnikowski zu halten, die übrigens von 2008 stammt und nicht mehr in Kraft ist.

    Wenn ich Drogerieartikel verkaufe, sollte ich auch entsprechend in der Lage sein, diese glaubwürdig anzubieten. Und dazu zählt nun mal ein gepflegtes Äußeres. Wem das nicht passt, der kann ja auch als Lagerist arbeiten.

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    wenn bei Frauen Körperbehaarung nun gesellshcaftlich so geächtet wird, dass der Job dran hängt, geht es schon in Richtung TUgend- bzw. SChönheitsdiktatur.
    Diese totalitäre Eingriff in jeden Lebensbereich wird politisch ja vor allem den Grünen vorgeworfen.
    Der Einwurf, dass diese Art den gesellschaftlichen Erwartungen entspricht und insofern vorauszusetzen ist , zeigt die dominierende Kraft der gelleschfatlichen Norm

    welches Unternehmen Baumwollhosen vorschreibt und aus welchem Grund.

    Bei uns gibt es ja auch Kleidervorschriften, aber die dienen der Sicherheit, wenn man auf die Baustelle geht. Wenn es so etwas ist, dann können sie das ja schlecht mit den Vorschriften dieser Drogeriekette vergleichen.

    Aber wie dem auch sei, hier geht es darum das ein imaginäres Schönheitsideal etabliert werden soll. Man hat einfach nach einem gewissen Muster auszusehen, nur das zählt. Ob man den Kunden beraten kann oder nicht scheint doch hinter dem adretten Aussehen kaum noch eine Rolle zu spielen.

    Dieser ganze Klimbim macht die Leute nicht schlauer oder besser. Der dient nur dazu den Kunden ein unechtes Bild zu vermitteln.

    • Ingogr
    • 26. März 2013 6:51 Uhr

    Man sollte diese Regeln nicht überbewerten. Problem ist doch, gäbe es sie nicht, wären sofort Mitarbeiter zur Stelle, die über die Stränge schlagen und auf ihr Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeitsrechte bestehen würden. Meist bilden diese Vorgaben doch einen Rahmen und die Aufforderung man möge doch nicht mit pinken Irokesenschnitt zur Arbeit kommen.

  2. Alles was da zur Kritik steht, geht eigendlich unter dem Punkt "gepflegtes äußeres" durch. Vielleicht kann man mal die gesellschaftlichen Normen diskutieren.

    Zur Beinrasur wird übrigends keiner gezwungen. Nur zum Verzicht auf Röcke, wenn die Beine nicht rasiert sind.

    Das Mann sich ordentlich rasiert im Gesicht ist auch nichts besonderes, auch das man sich in gedeckten Farben kleiden soll, und die Buntheit im Makeup und an den Fingernägeln zurückschraubt ist nichts besonderes.

    Wenn hier eine Mitarbeiterin gefeuert geworden wäre weil Sie an einem Montag noch mit den bunten Fingernägeln vom Samstag zur Arbeit erschienen wäre, dann wäre das etwas anderes.

    PS: Wir reden hier immerhin von einem Laden der Pflegeprodukte verkauft, das zumindest ein Interesse für diese von den Mitarbeitern simuliert wird, ist doch eigentlich zu erwarten.

    8 Leserempfehlungen
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    Naja, ein unbehaarter Körper ist der Trend der Zeit, allerdings sind unterernährte Frauen auch "Schönheitsideal", darum darf man noch lange keine dicken Frauen entlassen.
    Ein Laden der Perücken anfertigt erwartet von den Angestellten auch nicht das sie sich eine Glatze rasieren, ist schließlich ein Laden für Perücken.

    Ein Chef darf den Dresscode vorschreiben, das ist in der Arbeitswelt Gang und Gebe.
    Allerdings würde ich als Chef ganz dünnes Eis betreten wenn ich nun meine Angestellten körperlich forme wie ich möchte, Angestellter A morgen mit Dauerwelle, Angestellter B bitte 20 Kilo weniger, und Angestellter C Haare färben...

    Mein Ding ist übermäßige Behaarung auch nicht, aber es ist jedem sein Recht, natürlich zu sein, also so wie die Natur halt ist.

    • NEUMON
    • 25. März 2013 18:26 Uhr

    Über andere "Orientierungshilfen" regt sich niemand auf.
    Die "Empfehlungen" der Karriereberater bzgl. eines geeigneten Business-Looks lauten stets: Kostüm/Hosenanzug in grau/blau/scharz, weiße Bluse/T-Shirt, Rock in gemäßigter Länge, immer Strumpfhosen (auch im Sommer), Pumps mit gemäßigter Absatzhöhe, dezentes Makeup, dezentes Parfum, unauffälliger Schmuck usw.
    In vielen Büroberufen ist dies gängiger Dresscode, dem sich viele Frauen freiwillig unterordnen. (Auch wenn dieser Look oftmals weder kleidsam noch typentsprechend und keinesfalls individuell ist und auf das Weiterkommen im Unternehmen sicher keinen Einfluss hat.) Und es ist eine Verdienstquelle für selbst ernannte Coaches.
    Ich habe noch nie gehört, dass es deswegen in besagten Büros wie Banken, Versicherungen, Anwaltskanzleien ... Aufstände gegeben hätte.
    Ich kann nachvollziehen, dass ein Handelsunternehmen wünscht, dass seine MitarbeiterInnen ihren Kunden auf Augenhöhe begegnen.
    Ob es notwendig war, diese Empfehlungen schriftlich abzufassen, mag man dahingestellt sein lassen.
    Es ist jedoch ein Beleg dafür, dass in der Welt derer, die einen Arbeitsplatz haben, der Trend zum Angepasstsein geht - innerlich wie äußerlich.

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    Die Kritik die Sie äußern gilt wohl mindestens genauso für Männer, wobei ich behaupten würde, dass man als Mann noch deutlich weniger Spielraum für Individualität in seiner Arbeitsklidung hat. Können Frauen noch zwischen Rock und Hose, verschiedenen Blusen mit oder ohne Schleife etc.pp. variieren, ist es bei Männern wohl immer die Hose mit Krawatte (oder ggf. Schleife - übrigens nicht zu verwechseln mit einer modischen Variante für Frauen). Gilt natürlich auch für Blusen VS Hemden und den Variationen von Schuhen etc. Auch beim Schmuck, selbst wenn er dezent ist, hat Frau deutlich mehr Variationsmöglichkeit, während beim Mann wohl hauptsächlich Uhr, Manschettenknöpfe und ggf. eine Krawatennadel/klammer möglich sind.

    Insofern sollte sich mMn. Ihre Kritik auf diese Situation allgemein beziehen und nicht nur auf die von Frauen.

  3. Die Kritik die Sie äußern gilt wohl mindestens genauso für Männer, wobei ich behaupten würde, dass man als Mann noch deutlich weniger Spielraum für Individualität in seiner Arbeitsklidung hat. Können Frauen noch zwischen Rock und Hose, verschiedenen Blusen mit oder ohne Schleife etc.pp. variieren, ist es bei Männern wohl immer die Hose mit Krawatte (oder ggf. Schleife - übrigens nicht zu verwechseln mit einer modischen Variante für Frauen). Gilt natürlich auch für Blusen VS Hemden und den Variationen von Schuhen etc. Auch beim Schmuck, selbst wenn er dezent ist, hat Frau deutlich mehr Variationsmöglichkeit, während beim Mann wohl hauptsächlich Uhr, Manschettenknöpfe und ggf. eine Krawatennadel/klammer möglich sind.

    Insofern sollte sich mMn. Ihre Kritik auf diese Situation allgemein beziehen und nicht nur auf die von Frauen.

    4 Leserempfehlungen
  4. Kleiderordnungen jeder Art sind für mich ziemlich marginal. Was ich von einem Mitarbeiter (beispielsweise in einer Drogerie) erwarte sind andere Qualitäten.

    Zuersteinmal sollte derjenige Freude an seinem Job haben. Gehe ich als Kunde in ein solches Fachgeschäft, gibts es nichts abstoßenderes als unfreundliche und gestresste Mitarbeiter. Ich will als Kunde nicht als "Last" angesehen werden. Dazu zählt übrigens auch Schnelligkeit. Ein Verkäufer welcher beim scannen an der einzig offenen Kasse halb einschläft ist furchtbar - egal wie er angezogen ist.

    Genauso: Fachwissen. Es ist FURCHTBAR nervig, wenn man als Kunde an einen ahnungsloßen Mitarbeiter gerät. Noch schlimmer, wenn derjenige dann um den heissen Brei herumredet und mich damit noch mehr verarscht.

    Also - freundliche und fachkundige Verkäufer dürfen sich von mir aus kleiden wie sie wollen. Eine gewissen Grundhygiene, sodass Nasen nicht beleidigt werden sollte natürlich klar sein. Bei mir drückt soetwas ausserdem eine gewisse Sympathie aus, wenn ich sehe dass Menschen ihren Stil in kleinem Umfang auch ausleben können. Seien es die bunten Fingernägel, Tattoos oder grelle Kleidung. Solange das die Arbeit nicht behindert, ist das doch absolut nebensächlich. Was habe ich denn als Kunde von absolut gleichgeschalteten Mitarbeitern ? Erinnert ein wenig an McDonalds, wo die ChickenNuggets auf der ganzen Welt gleich schmecken. Ist irgendwie interessant, aber auf Menschen bezogen finde ich das nicht zielführend.

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  5. ...dann aber mit der Gastronomie eine ganze Branche des Eingriffes in die Personlichkeitsrechte schuldig fuehlen. Da sind solcherlei Regeln naemlich Gang und Gebe. Aber naja, wenn das naechste Mal einer Ihnen das Drei-Sterne Menu serviert, dann wird's ja ok sein, wenn er in Lack'l Jeans, mit fuenffach brillo-gepiercerter Unterlippe und schwelbrandiger Schimmel unter den dusch-defizit Fingernaegeln in einer gruenen Puff-hose daherkommt.
    Jetzt Mal im Ernst. Auch wenn klar sein sollte, dass ein Unternehmen natuerlich die Privatrechte der Mitarbeiter wichtig nehmen muss, darf aber auch ein gewisses sauberes und einheitliches Auftreten verlangt werden. Und wer sich die Beine nicht rasieren will kann ja Hose tragen. Waere von Frauen verlangt einen Rock tragen zu muessen, dann waere das in der Tat ein Problem.

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  6. wenn bei Frauen Körperbehaarung nun gesellshcaftlich so geächtet wird, dass der Job dran hängt, geht es schon in Richtung TUgend- bzw. SChönheitsdiktatur.
    Diese totalitäre Eingriff in jeden Lebensbereich wird politisch ja vor allem den Grünen vorgeworfen.
    Der Einwurf, dass diese Art den gesellschaftlichen Erwartungen entspricht und insofern vorauszusetzen ist , zeigt die dominierende Kraft der gelleschfatlichen Norm

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  7. Noch nie von dem Unternehmen gehört. Bis jetzt. Und dieser "erste Kontakt" wird mir dauerhaft in Erinnerung bleiben. Manchmal frage ich mich, ob Unternehmen denn wirklich nicht bewusst ist, wie sowas in der Öffentlichkeit wirkt?

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    ...meines Wissens nach hauptsächlich in Hamburg angesiedelt ist, kann ihm die Wirkung von "so etwas" (was denn eigentlich?) auf weite Entfernung wohl wurscht sein.

    Zum Thema:
    In der Budni-Filiale, die ich regelmäßig besuche, arbeiten mindestens zwei Angestellte, die ziemlich offensichtlich bis an die Handgelenke tätowiert sind und große Ohrlöcher und bisweilen auch bunte Haare tragen. Scheint also alles gar nicht soo schlimm zu sein - von Erscheinungsbildterror jedenfalls keine Spur...

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Arbeitgeber | Arbeitsrecht | Betriebsrat | Body-Mass-Index | Facebook | Kosmetik
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