Hypnotiseur : Mission Tiefenentspannung

Ob Wurzelbehandlung oder Anti-Stress-Training: Hypnose wird immer stärker nachgefragt. Entscheidend ist, dass der Hypnotiseur seriös arbeitet, zeigt der Beruf der Woche.
Ein Hypnosearzt arbeitet mit zwei Klienten, die sich das Rauchen durch Hypnose abgewöhnen möchten. © William Thomas Cain/Getty Images

Wurzelbehandlung, Rauchentwöhnung, Managertraining oder Unterhaltungsshow: Hypnose übt auf viele Menschen einen Reiz aus. Der tiefenentspannte Zustand wird immer häufiger auch in der Medizin angewandt. Klinische Hypnose hilft Patienten mit Angst beim Zahnarzt, verschafft Schwangeren Entspannung bei der Geburt und sogar psychische Erkrankungen und Schlaganfallpatienten lassen sich mit Hypnose behandeln. Aber nur Mediziner und Psychologen dürfen die klinische Hypnose durchführen.

Ganz anders dagegen die Showhypnose, die stark in der Kritik und unter dem Verdacht der Unseriösität steht. Hier werden hypnotische Phänomene auf der Bühne vorgeführt, um das Publikum zu unterhalten. Showhypnotiseure lassen Menschen bellen, Kauderwelsch reden oder Zitronen genussvoll essen.

Und dann gibt es da noch das Hypnosecoaching, das in Zeiten von Burn-out immer stärker nachgefragt wird. Der Hypnose-Trainer Thomas Krause wendet diese Form bei seinen Klienten an, aber er bringt anderen Trainern auch bei, wie man mit Hypnose arbeiten kann.

Zu Krause kommen Menschen, die sich beruflich oder privat in einem bestimmten Bereich oder einer Fähigkeit verbessern möchten. Führungskräfte etwa, die verlernt haben, sich zu entspannen, Sportler, die mentale Stärke trainieren möchten, aber auch Personen, die an Gewicht verlieren oder mit dem Rauchen aufhören wollen.

"Hypnose bietet gute Möglichkeiten, das Vorhaben eines Menschen zu fördern und gleichzeitig das Wohlbefinden zu steigern", sagt Krause. Und wie funktioniert das?

"Vereinfacht ausgedrückt, ist Hypnose ein Zustand von Tiefenentspannung. Die bewusste Wahrnehmung ist etwas eingeschränkt, dadurch fühlt man sich ruhig und gelassen." Hypnotiseure arbeiten mit Suggestionen. Im entspannten Zustand können Menschen diese besser aufnehmen. Ins Reich der Fantasien gehört hingegen die Vorstellung, dass man im Trancezustand nichts mehr mitbekommt. "Das ist Quatsch. Man registriert auch weiterhin alles um sich herum und hört die Stimme des Hypnotiseurs. Je nach Entspannungstiefe ist sie vielleicht etwas weiter weg. Einige Menschen sind dann so entspannt, dass sie einschlafen", sagt Krause. Hypnose funktioniert auch nur, wenn der Klient es wirklich möchte und sich darauf einlässt. Auch ist es unmöglich, einen Menschen mit Hypnose zu Dingen zu bewegen, die er eigentlich nicht tun möchte. So unglaublich manches in Hypnoseshows auch wirken mag: Die Probanden werden so ausgewählt, dass sie auch ohne Tiefenentspannung dazu bereit wären, sich vor dem Publikum zum Affen zu machen.

Mit Hypnosecoaching an Stärken arbeiten

Mit Showhypnose hat die Tätigkeit von Krause so gut wie nichts zu tun.

Er arbeitet deutschlandweit als Coach. Kommt ein Kunde mit einem Auftrag auf ihn zu, dann sucht er einen Ort in der Nähe des Kunden – in der Regel sind das Seminarhotels. "Für Hypnose ist ein neutraler Ort wichtig, mit dem der Klient nichts verbindet", sagt Krause. Je nach Kundenwunsch wendet der Trainer verschiedene Techniken an. Um mit Stress im Job besser fertig zu werden, sind andere Suggestionen nötig als sie ein starker Raucher braucht, der sich die Sucht abgewöhnen möchte. Eine Sitzung dauert zwischen einer und mehreren Stunden. In der Regel umfasst ein Coaching mehrere Tage bzw. Sitzungen. Die ersten Erfolge sind schnell sichtbar, sagt der Coach. Auch nach Abschluss des Coachings betreut er seine Klienten weiter, um zu sehen, ob das angestrebte Ziel auch erreicht wurde. Die Hypnose nimmt er während der Sitzungen als CD auf. So kann der Klient sie später mitnehmen und weiter damit arbeiten.

Neben den Einzelsitzungen bietet Krause auch Gruppen-Workshops an, in denen er Anleitung zur Selbsthypnose gibt.

Für die Arbeit als Hypnotiseur sollte man offen sein und gut mit Menschen umgehen können. "Hypnose ist für beide Seiten ein intimer Prozess", sagt Krause. Flexibilität, Intuition und eine selbstsichere Ausstrahlung sind ebenfalls wichtig für die Arbeit. Außerdem brauchen die Coachs eine hervorragende Beobachtungsgabe, denn sie müssen jederzeit erkennen können, was mit dem Gegenüber gerade passiert. Ist der Klient in der Tiefenentspannung oder kann er sich nicht darauf einlassen? Fühlt er sich wohl oder hat er Zweifel?

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Kommentare

10 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Hypnose sollte nur durch Mediziner durchgeführt werden

So einfach, wie es in dem Artikel dargestellt wird, ist das ganze nicht.

Zum einen muß der Hypnotiseur wissen, dass nicht nur direkte "Befehle" eine Wirkung zeigen, sondern oftmals in viel stärkerem Maße indirekte Hinweise, das heißt, dass der Therapeut in jedem Augenblick der Sitzung genauestens auf jeden seiner eigenen Sätze und jedes Zeichen oder Berührung (Trigger!) achten muß.

Außerdem sollte er seinen Probanden nach der Sitzung sehr schnell loswerden (sprich: hinausbefördern), da der Proband auch nach Beendigung der Sitzung sehr suggestibel auf den Therapeuten reagiert - da kann eine unbewußte blöde Bemerkung des Therapeuten schon Unheil anrichten.

Außerdem ist es ganz gut und schön, wenn Sie schreiben, dass die Klienten erinnern, was passiert ist während der Sitzung, dieses passiert, wenn der Therapeut das zu Beginn ganz explizit ausspricht -
wenn er hingegen während der Hypnose die posthypnotische Suggestion gibt, einen Teil oder alles zu vergessen - dann ist es nicht erinnerbar.

Deshalb gehört Hypnose als Therapie oder auch als Lebenshilfe (lernen von Autosuggestion) ausschließlich in die Hand von Fachleuten.

Hypnose sollte bloß nicht nur durch Mediziner angewendet

Hypnose sollte bloß nicht nur durch Medizinern angewendet werden.

Die heutigen Mediziner sind durch Versicherungsauflagen und Angst vor Prozessen so darauf konditioniert, vor einer Behandlung auf die Risiken und Gefahren hinzuweisen, die teilweise nicht mal bewiesen sind, dass sie gerade in Verbindung mit Hypnose durch diese Suggestion ihre Hilfsmöglichkeiten deutlich Beschneiden, oder mehr Schaden anrichten.

Wenn ich vor einem Ritual, einer Spritze, einer Untersuchung usw. unterschreiben muß, dass mir bewußt ist, dass ich dabei blind werden, gelähmt, oder andere bleibende Schäden davontragen könnte, finde ich das ziemlich heftig. Da ist das Medizinsystem in einem Dilemma.

Gleichwohl wäre eine obligatorische Ausbildung in Hypnose für Mediziner wünschenswert, um sie für die Kraft Ihrer Worte zu schulen.

Für viele Menschen wirken eben die Worte des "Gott in Weiß" wie die eines Hypnotiseurs und wenn der nach der OP, dieser ebenso sensiblen suggestiblen Phase sagt: "Sie werden nie wieder laufen können." Na dann gute Nacht.

Lieber Wolfgang Künzel,

... alias Alexander Cain. Woher Sie wissen, dass ich noch nie auf einer Bühne gestanden habe, ist mir schleierhaft. Ich bin durch den geschätzten Kollegen Günter Schneidereit 1992 das erste Mal mit Showhypnose in Berührung gekommen. Als Proband auf der Bühne habe ich tolle Dinge erlebt, die ich später als Journalist veröffentlichte. Später dann hab ich sogar einmal eines IHRER Seminare besucht und bin mit Showhypnose in der Karmanoiabar in Berlin aufgetreten. Seit Jahren arbeite ich mit dem wundervollen und von mir sehr geschätzten Kollegen "Aaron" (Andreas Ahnfeldt) zusammen, der eine sensationelle Arbeit macht. Es grüßt wie immer freundlich Tom Krause