KeramikerHandarbeit an der Drehscheibe

Von der Teekanne bis zur Kachel für den Ofen: Keramiker stellen Tonprodukte her. Die Chancen auf einen Job nach der Ausbildung sind gering, zeigt der Beruf der Woche. von 

Bunte Teller und Schalen, Teekannen inklusive passender Tassen, dazwischen auch Tabletts und weitere Gefäße: In dem kleinen Ladengeschäft von Tanja Möwis prägen Keramikprodukte unterschiedlichster Form und Machart das Bild. Dazwischen finden sich auch bunt bemalte, rechteckige Pflastersteine aus Ton. Moment mal – Pflastersteine? Möwis nickt.

"Für den Garten stellen wir auch kleine Pflastersteine als Dekoelement her", sagt die Keramikerin aus Bremen. Überhaupt ginge es in der Töpferei (heute wird eher der Begriff Keramikhandwerk verwendet) nicht nur um Teller und Tassen aus Ton. Der Beruf wird in drei Fachrichtungen unterteilt. In der Baukeramik werden Fliesen und Ofenkacheln sowie Skulpturen und Gefäße für den Gartenbereich gefertigt. In der Fachrichtung Dekoration erarbeiten Keramiker Reliefs und Mosaiken, außerdem verzieren sie Keramikgegenstände etwa durch Aufsetzen von Glasperlen und Steinen.

Anzeige

Bekannt ist die Töpferei vor allem durch die dritte Sparte, die Scheibentöpferei. Auf der drehenden Töpferscheibe entstehen runde Gefäße: Schalen, Krüge, Vasen.

Beruf der Woche

© Tim Boyle/Getty Images

Schon mal einen Kampfmittelräumer oder einen Bird Controller bei der Arbeit erlebt?

Jede Woche stellt unser Autor Markus Schleufe einen ungewöhnlichen Job in unserer Serie "Beruf der Woche" vor. 

Als E-Book kaufen

Die besten Folgen können Sie auch als E-Book kaufen: www.zeit.de/ebooks.

Möwis liebt diese klassischen Keramiken. Aber die Produkte, die in ihrem Laden zu sehen sind, stellen nur einen Bruchteil ihrer Arbeiten dar. "Wir produzieren nur eingeschränkt auf Vorrat. Das meiste wird nach Auftragslage hergestellt." Das kann das komplette Familien-Service ebenso sein wie ein Dutzend Pflastersteine, eine Skulptur für den Garten oder Brunnenabdeckungen.

Arbeit mit der Scheibe lernen

Kommt ein Kunde mit einem Wunsch, etwa der Herstellung von Schalen und Tellern, bespricht die Handwerkerin seine Idee. Wie soll das Geschirr genau aussehen? Welche Form, welche Farbe soll es haben? Die nächsten Arbeitsschritte erfolgen dann schon auf der Töpferscheibe.

Möwis bringt den feuchten Ton auf der Drehscheibe durch Ziehen und Drücken in Form. Mit einem Fußpedal kann sie die Scheibe in Bewegung setzen und stoppen. Stimmt die Form, muss das Gefäß einen Tag lang trocknen, sodass es sich beim Transport nicht verformen kann, aber dennoch weiter bearbeitet werden kann.

"Feinheiten können besser hinzugefügt oder beseitigt werden, wenn der Ton nicht mehr so weich ist", sagt Möwis. Sind im Feintuning alle Details erarbeitet, etwa Muster eingeritzt oder letzte Korrekturen in der Form vorgenommen, dann muss das Tonprodukt weitere zwei Wochen trocknen. Erst dann kann es bei etwa 1.000 Grad Celsius zum ersten Mal gebrannt werden. Durch das Brennen wird der Gegenstand fest.

Aber mit einmal Brennen ist es nicht getan: Nach dem ersten Vorgang bemalt die Handwerkerin ihr Werk – entweder mit einer farbigen oder auch farblosen Glasur. Dann folgt ein weiterer Brennvorgang, erst dann ist die Keramik fertig. "Töpfern ist ein langwieriger Prozess. Wenn ich heute einen Gegenstand herstelle, dann ist dieser in drei Wochen endgültig fertig", sagt Möwis.

Leserkommentare
  1. Das Handwerk teilt sich in die Sparten Dreh-, Baukeramik und Malerei. Viele lernen aber nicht in Betrieben, sondern z.B. an der Burg Giebichenstein, die eher mit dem Guß von meist Porzellan arbeitet, hier ist auch Formenbau ein Bestandteil der Ausbildung. [...]

    Ton zieht *nicht* auf der Scheibe durch, durch den ersten Brand wird der Schrühling *nicht* feuchtigkeitsresistent (andernfalls fiele das Glasieren etwas schwer), üblicher für den Schrühbrand sind Temperaturen von 900-950°C, der Glattbrand hängt von der verwendeten Masse ab und liegt zwischen 1050 und 1400°C. Glasuren werden i.d.R. *nicht* gemalt, sondern das Objekt wird ausgeschwenkt, beschüttet, getaucht oder gespritzt.
    Im Anschluß an den Gesellenbrief ist *nicht* nur die Ausbildung zum Meister möglich (aber nicht mehr nötig, Töpfer sind aus der Handwerksrolle gestrichen), sondern der Besuch einer Akademie oder Universität. Keramiker, die ohne akademische Ausbildung wirklich gut werden, sind Ausnahmen.

    'Gehalt: variert' ist aber lustig: nur Friseurinnen verdienen noch schlechter.

    [...]

    Auf Wunsch der Verfasserin gekürzt. Die Redaktion/fk.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    Wir geben das nochmal weiter und prüfen.

    Beste Grüße,

  2. Redaktion

    Wir geben das nochmal weiter und prüfen.

    Beste Grüße,

  3. kommen fast immer aus Bremen.
    Das ist eben nicht die ausgeprägte Keramikergegend, wie die Lausitz, oder der Westerwald.
    Den vorgestellten Laden kenne ich, und da gibt's schöne Sachen, ist halt ein kleines Lädchen in der Stadt. Vielleicht basieren die Angaben auf den speziellen Anforderungen in dieser Töpferei, dort wird ein sehr heller Ton verwendet. Auch fehlt mir der Industriekeramiker in der Aufzählung, oder fällt der heutzutage unter Baukeramiker?

    Töpfer haben es aber wirklich nicht leicht heutzutage.

  4. 'Bemalt, lackiert und fertig: Schalen aus Ton' tut schon beinahe weh.

    Frau Möwis arbeitet mit Steinzeug, als 'Ton' wird entweder die feuchte Masse oder - als fertiges Produkt - Irdenware-Keramik bezeichnet, eine qualitativ minderwertige, niedrig gebrannte Keramik.

    Steinzeug wird bei mindestens 1250°C gebrannt, was den entscheidenden Qualitätsunterschied bei Gebrauchskeramik in Sachen mechanischer Belastbarkeit und Spülmaschinenfestigkeit ausmacht. In der Keramik kommt weder Lack 'lackiert' noch Lasur 'lasiert' vor, sondern Glasur, von Glas, es wird glasiert. Ich verwette meine Tugend, daß Frau Möwis ihre Glasuren nicht 'malt', sondern spritzt und/oder taucht, ihre Dekore sehen nach einer Aussparungstechnik mit Latex oder Wachs aus.

    Mir ist bekannt, daß auch Journalisten wenig Geld verdienen http://wasjournalistenverdienen.tumblr.com/ aber kann nicht im Zweifel jemand mit Fachkenntnis Korrektur lesen? Die portraitierte Frau Möwis hätte das bestimmt ohne Entgelt getan - so gerinnt ein ehrenvoller Artikel bei Zeitonline eher zur Anti-Werbung und er schleicht einem überdies ewig hinterher, was selbstständige Keramiker mit 'variierendem Gehalt' wirklich nicht brauchen.

    Bitte korrigieren Sie Artikel und Bildunterschriften. Danach können meine beiden Kommentare gern spurlos gelöscht werden.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    Hallo Dame von Welt,

    danke für die Hinweise. Wir haben den Text entsprechend korrigiert.

    beste Grüße,

    Tina Groll

  5. Redaktion

    Hallo Dame von Welt,

    danke für die Hinweise. Wir haben den Text entsprechend korrigiert.

    beste Grüße,

    Tina Groll

    Antwort auf "Der Text zu Bild 12 "

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service