Transparenz : Wann sollen Mitarbeiter von einer Firmenkrise erfahren?

Dem Unternehmen geht es nicht gut. Vielleicht stehen Entlassungen an. Wann und wie Chefs ihre Mitarbeiter informieren sollten, erklärt Sabine Hockling.

Unser Unternehmen steckt in einer Krise. Sollen wir unsere Mitarbeiter umfassend informieren? Und falls ja, wann ist der beste Zeitpunkt?, fragt Michael Seinus, Geschäftsführer eines Immobilienunternehmens.

Sehr geehrter Herr Seinus,

es gibt keine Standardantwort darauf, wie Sie sich in einer Krisensituation am besten verhalten sollten. Denn es kommt auch darauf an, wo das Unternehmen beim Veränderungsprozess steht und was die Mitarbeiter bereits wissen.

Reden müssen Sie mit Ihren Mitarbeitern auf jeden Fall. Versäumen Sie das, steigern Sie so die Verunsicherung Ihrer Mitarbeiter – mit der Folge, dass Arbeitsmotivation und -leistung sinken.

Krisensituationen benötigen Führungskräfte, die nicht mit Informationen geizen. Ordnen Sie die Lage ein, beantworten Sie Fragen ehrlich und konkretisieren Sie die Auswirkungen. Können Sie noch keine konkrete Aussage über mögliche Lösungen und Zeitpläne nennen, dann geben Sie soweit wie möglich Orientierung und Halt.

Sabine Hockling

Sabine Hockling war lange selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Mit Ulf Weigelt schrieb sie den Ratgeber Arbeitsrecht. Seit 2011 ist sie Autorin der Serie "Chefsache". Immer freitags spricht sie mit Managementexperten über Führungsfragen. Hockling bloggt mit Tina Groll unter diechefin.net, das Blog für Führungsfrauen, über Frauen und Karriere.

Seien Sie dabei unbedingt ehrlich, denn Ihre Mitarbeiter spüren in der Regel nicht nur, dass etwas nicht in Ordnung ist. Durch den Flurfunk wissen sie meist mehr, als Führungskräften lieb ist. Wer das Gespräch hinauszögert und unehrlich ist, verliert das Vertrauen seiner Mitarbeiter.

Damit alle Ihre Mitarbeiter Ihnen folgen können, sollten Sie unbedingt Fachchinesisch vermeiden. Ein guter Tipp ist es auch, die Ängste Ihrer Mitarbeiter ernst zu nehmen. Geben Sie Feedback (etwa bezüglich der Leistung), bieten Sie Ihre Unterstützung an, fragen Sie nach Meinungen und Ideen und seien Sie sichtbar. Denn eine abgetauchte Führungsmannschaft wirkt nicht besonders vertrauenserweckend.

Auch dürfen Sie Kritik am Verhalten Ihrer Mitarbeiter äußern und Sie sollten Ihre Erwartungen an das Team kommunizieren – etwa dass mit internen Informationen vertraulich umgegangen wird.

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