Personalführung : Chefs dürfen sich Angriffe nicht gefallen lassen

Im Team gibt es einen Choleriker, der alle Projekte torpediert. Wie Führungskräfte mit schwierigen Mitarbeitern fertigwerden, erklärt Sabine Hockling.

Ich habe die Leitung eines Teams mit 12 Leuten übernommen. Der älteste Mitarbeiter (seit über 20 Jahren im Betrieb, sehr cholerisch) lässt sich von mir nichts sagen, auch torpediert er regelmäßig meine Anweisungen (begleitet von heftiger Kritik). Alle bisherigen Gespräche mit ihm führten zu keiner Veränderung. Wie kann ich mich durchsetzen?, fragt Lutz Körner, Führungskraft bei einem mittelständischen Unternehmen.

Sehr geehrter Herr Körner,

solche Angriffe dienen in der Regel nicht der Sache, sondern der Person. Der Attackierende möchte seinen Gesprächspartner verunsichern sowie seine Glaubwürdigkeit, Reputation und Kompetenz erschüttern. Er möchte emotionalisieren und vor allem provozieren, damit sein Gegenüber die Kontrolle verliert und Fehler macht. Hilfreich im Umgang mit persönlichen Angriffen ist die sogenannte 4-I-Methode, die der Konflikttrainer Albert Thiele in seinem Buch Sag es Stärker! beschreibt.

Diese Methode setzt sich aus den vier Konterstrategien zusammen: Ignorieren, Ironisieren, Identifizieren und Isolieren. 

Beim Ignorieren geht es darum, nur auf den sachlichen Anteil einer Aussage einzugehen. Ignorieren Sie den emotionalen Angriff auf Ihre Person. Lassen Sie sich nicht auf Unfaires herab, werden Sie weder laut noch emotional.

Angriffe ins Leere laufen lassen

Das Ironisieren geht eine Stufe weiter: Möchte Ihr Mitarbeiter Sie mit provokativen Sticheleien zum Schweigen bringen, dann können Sie darauf schlagfertig reagieren. Benutzen Sie dafür weiche Techniken. Harte Konterattacken bergen die Gefahr, dass sich Fronten verhärten und die Beziehung dauerhaft Schaden nimmt.

Unsere Bundeskanzlerin nutzt solche weichen Techniken häufig. Als beispielsweise das Porträt von Altkanzler Gerhard Schröder im Bundeskanzleramt enthüllt wurde, sagte Schröder in Richtung Angela Merkel: "Sie sehen, da ist noch ein bisschen Platz, und ich will jetzt nicht spekulieren. Aber die Tatsache, dass da noch ein wenig Platz gelassen worden ist, weist ja darauf hin, dass – wann auch immer, niemand weiß das – Sie irgendwann neben mir hängen." Die Aussage Schröders zielte auf ein mögliches Scheitern der CDU bei der Bundestagswahl ab. Angela Merkel konterte indirekt folgendermaßen: "Wir haben jetzt erst einmal die Dinge komplettiert, die Besucherinnen und Besucher brauchen nicht mehr zu fragen, warum wird Schröder nicht aufgehängt…"

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Kommentare

47 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

An #2: Wie "torpediert" er denn die Anweisungen?

Das macht der ganz perfide. Er sagt "ja ja", dann geht er weg und macht weiterhin genau was er (oder sie, sorry) für richtig hält, und keinesfalls das, was Sie vorgeschlagen / angewiesen haben. Wenn Sie ihn / sie zur Rede stellen, guckt er / sie treuherzig und leicht bedrömelt und stammelt "Ach so, nee, das hatte ich aber ganz anders verstanden....". Wenn das haüfiger vorkommt, wirft er / sie Ihnen "mangelnde Kommunikationsmassnahmen" vor, oder sagt einfach, sie hätten sich nicht klar genug ausgedrückt. Die email mit der schriftlichen Zusammenfassung des Meetings hat er / sie "nicht gesehen", usw usw. Das Einzige was hier hilft ist, die Person als Schriftführer des Meetings zu bestellen, das Protokoll schreiben zu lassen und das von allen Anwesenden abzeichnen zu lassen. Nach dem dritten Mal können Sie sich schon mal seelisch auf eine Beschwerde wegen "Bullyings" einstellen :-))

Es geht im Artikel um unsachliche Choleriker, die eben keine

echten Argumente haben. Solche Typen hat doch jeder schon mal kennengelernt. Sie motzen einfach permanent an allen Neuerungen, die ihnen nicht in den Kram passen, herum. Who moved my Cheese? Sehr lesenswert. Oder die Querulanten haben persönliche Probleme und meinen, ihr Mütchen an ihren Mitmenschen kühlen zu müssen. Nicht nur an den Chefs, sondern auch an den Mitkollegen.
Letztlich es es sehr einfach: Es gibt immer einen, dem der Laden gehört, und der setzt eben die Leute ein, die in seinem Interesse die Unternehmung führen sollen. Diesen Chefs müssen Mitarbeiter nun mal grundsätzlich folgen. Das ist der Sinn von Hierarchien. Wenn sie da keinen Bock drauf haben, dann sollten sie gehen und ihre eigene Unternehmung gründen. Immerhin sind sie Ihrer Ansicht nach ja die Bescheidwisser, die alles besser können.
Komischerweise ist es aber genau so, wie ein Mitforist schreibt: Die schlimmsten Quertreiber, die wirklich allen das Leben zur Hölle machen, gehen leider nie von selbst. Sie scheinen geradezu festgeleimt an ihrem so ungeliebten Arbeitsplatz. Warum wohl?

Bester Kommentar, genau so ist es

Querulanten sind zum Glück die Ausnahme, aber es gibt sie und sie können immensen Schaden anrichten. Ich erinnere mich an eine ältliche Kollegin kurz vor der Rente, die die tägliche Morgenbesprechung dazu nutzte, junge Kollegen und speziell eine ihr offenbar nicht passende junge Auszubildende aufs Übelste fertigzumachen. Keiner der immerhin zwei anwesenden Chefs hat sich getraut, sie in die Schranken zu weisen. Es endete damit, daß die infamen Attacken zur morgendlichen Mobbing-Routine wurden und die junge Kollegin schließlich kündigte. Sie hatte im Gegensatz zur Mobberin in meinen Augen erheblich bessere und kreativere Arbeit abgeliefert, konnte sich aber aufgrund ihres eher zurückhaltenden Wesens gegen die aggressive Bösartigkeit der Anderen nicht wehren. Es war klar, das die Chefs irgendwie froh waren, selbst aus der Schußlinie der Quertreiberin zu sein. Dafür haben sie die junge Mitarbeiterin offenbar geopfert. Ich saß dabei und konnte es kaum glauben, welches perfide Spiel diese Frau treiben durfte, ohne daß interveniert wurde. Kürzlich laß ich ein Buch über Borderline-Persönlichkeitsstörungen, das mich sehr stark an das üble Verhalten und die fiesen, herabwürdigenden Angriffe erinnert hat. Auch nach vielen Jahren ist mir die bedrückende Atmosphäre und die Angst der als Zielscheibe mißbrauchten Kollgin noch sehr eindrücklich und ich empfinde das Verhalten der Vorgesetzten in diesem Zusammenhang nach wie vor als feige und empörend.

Respekt?!

Auch wenn man temperamentvoll ist -bin ich selber auch- erwarte ich Respekt! Es ist ok, wenn jemand laut wird und es ist ok, wenn jemand wütend wird. Deshalb muss man noch lange nicht respektlos werden und die Kompetenz anderer in Frage stellen.

Die Arbeitsweisen zu hinterfragen ist ok und Zweifel anzumelden auch. Dennoch sollte man erwachsen genug sein, das im richtigen Ton und Umfeld zu tun.