PersonalführungChefs dürfen sich Angriffe nicht gefallen lassen

Im Team gibt es einen Choleriker, der alle Projekte torpediert. Wie Führungskräfte mit schwierigen Mitarbeitern fertigwerden, erklärt Sabine Hockling. von 

Ich habe die Leitung eines Teams mit 12 Leuten übernommen. Der älteste Mitarbeiter (seit über 20 Jahren im Betrieb, sehr cholerisch) lässt sich von mir nichts sagen, auch torpediert er regelmäßig meine Anweisungen (begleitet von heftiger Kritik). Alle bisherigen Gespräche mit ihm führten zu keiner Veränderung. Wie kann ich mich durchsetzen?, fragt Lutz Körner, Führungskraft bei einem mittelständischen Unternehmen.

Sehr geehrter Herr Körner,

solche Angriffe dienen in der Regel nicht der Sache, sondern der Person. Der Attackierende möchte seinen Gesprächspartner verunsichern sowie seine Glaubwürdigkeit, Reputation und Kompetenz erschüttern. Er möchte emotionalisieren und vor allem provozieren, damit sein Gegenüber die Kontrolle verliert und Fehler macht. Hilfreich im Umgang mit persönlichen Angriffen ist die sogenannte 4-I-Methode, die der Konflikttrainer Albert Thiele in seinem Buch Sag es Stärker! beschreibt.

Anzeige

Diese Methode setzt sich aus den vier Konterstrategien zusammen: Ignorieren, Ironisieren, Identifizieren und Isolieren. 

Chefsache: Fragen von Führungskräften

Wie gelingt gute Personalführung und was zeichnet einen fairen Chef aus? Jede Woche, immer freitags, beantwortet die Management-Expertin Sabine Hockling in der Serie "Chefsache" Fragen von Führungskräften.

Schreiben Sie uns (und geben Sie dabei bitte Ihren Namen und Ihren Wohnort an). Wir freuen uns und wählen unter allen Problemen, die uns gestellt werden, jede Woche eine Frage aus und beantworten sie hier.

Beim Ignorieren geht es darum, nur auf den sachlichen Anteil einer Aussage einzugehen. Ignorieren Sie den emotionalen Angriff auf Ihre Person. Lassen Sie sich nicht auf Unfaires herab, werden Sie weder laut noch emotional.

Angriffe ins Leere laufen lassen

Das Ironisieren geht eine Stufe weiter: Möchte Ihr Mitarbeiter Sie mit provokativen Sticheleien zum Schweigen bringen, dann können Sie darauf schlagfertig reagieren. Benutzen Sie dafür weiche Techniken. Harte Konterattacken bergen die Gefahr, dass sich Fronten verhärten und die Beziehung dauerhaft Schaden nimmt.

Unsere Bundeskanzlerin nutzt solche weichen Techniken häufig. Als beispielsweise das Porträt von Altkanzler Gerhard Schröder im Bundeskanzleramt enthüllt wurde, sagte Schröder in Richtung Angela Merkel: "Sie sehen, da ist noch ein bisschen Platz, und ich will jetzt nicht spekulieren. Aber die Tatsache, dass da noch ein wenig Platz gelassen worden ist, weist ja darauf hin, dass – wann auch immer, niemand weiß das – Sie irgendwann neben mir hängen." Die Aussage Schröders zielte auf ein mögliches Scheitern der CDU bei der Bundestagswahl ab. Angela Merkel konterte indirekt folgendermaßen: "Wir haben jetzt erst einmal die Dinge komplettiert, die Besucherinnen und Besucher brauchen nicht mehr zu fragen, warum wird Schröder nicht aufgehängt…"

Leserkommentare
  1. ... die, sehr häufig anzutreffenden, cholerischen Chefs, die Millionen das Leben zur Hölle machen!

    17 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...dann kennen Sie wahrscheinlich keine Schulentwicklungsresitenten Lehrerinnen und Lehrer.....

  2. Wie "torpediert" er denn die Anweisungen?

    Ist die Kritik nur heftik oder trägt der MA auch sachliche Gründe gegen die Entscheidungen vor?

    Was sagen die anderen Mitarbeiter?

    Ich würde erstmal, meine eigenen Entscheidungen kritisch überprüfen.....

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    zumal die vorgeschlagene Methode "Ignorieren, Ironisieren, Identifizieren und Isolieren" nicht weiter beinhaltet, als vier Methoden, unsachlich und unfair zu streiten und außerdem weiter zu erkalieren.

    Es ist durchaus denkbar (vermutlich sogar wahrscheinlich), daß im konkreten Falle der Mitarbeiter mit immerhin 20 Jahren Berufserfahrung es schlicht besser weiß, als der Fragesteller, und im Recht ist. Also würde ich dem Fragesteller eher raten, diesem Mitarbeiter genau zuzuhören und ferner objektive, dritte Ansichten einzuholen.

    Denn das persönliche Ego hat in Führungspositionen eben nicht die höchste Priorität, auch wenn in diesem Artikel das Gegenteil propagiert wird.

    • cs1111
    • 17. März 2013 10:50 Uhr

    Das macht der ganz perfide. Er sagt "ja ja", dann geht er weg und macht weiterhin genau was er (oder sie, sorry) für richtig hält, und keinesfalls das, was Sie vorgeschlagen / angewiesen haben. Wenn Sie ihn / sie zur Rede stellen, guckt er / sie treuherzig und leicht bedrömelt und stammelt "Ach so, nee, das hatte ich aber ganz anders verstanden....". Wenn das haüfiger vorkommt, wirft er / sie Ihnen "mangelnde Kommunikationsmassnahmen" vor, oder sagt einfach, sie hätten sich nicht klar genug ausgedrückt. Die email mit der schriftlichen Zusammenfassung des Meetings hat er / sie "nicht gesehen", usw usw. Das Einzige was hier hilft ist, die Person als Schriftführer des Meetings zu bestellen, das Protokoll schreiben zu lassen und das von allen Anwesenden abzeichnen zu lassen. Nach dem dritten Mal können Sie sich schon mal seelisch auf eine Beschwerde wegen "Bullyings" einstellen :-))

  3. ...dann kennen Sie wahrscheinlich keine Schulentwicklungsresitenten Lehrerinnen und Lehrer.....

    Eine Leserempfehlung
  4. Sehr geehrte Frau Hockling,
    [...]
    Wenn Sie in der freien Wirtschaft arbeiten, wo Termin-Druck herrscht und große Projekte in kleine Teil-Schritte zerlegt werden, die termintreu geleistet werden müssen, gilt:
    Wenn Sie als Vorgesetzter länger als 120 Sekunden brauchen, um eine/n Quertreiber/in auf Linie zu bringen, sind Sie der/die falsche Vorgesetzte, und Ihre Autorität ist dahin. Anders gesagt: Je länger Sie reden (und sich damit auf die Ebene des des Destruktiv-Mitarbeiters einlassen, um so mehr bestätigen Sie diesen). Wer nicht sachlich argumentiert, und wer sachliche Einreden nicht belegen kann (und folglich mit Dumm-Lall die anderen nur aufhält), wird aussortiert - und zwar SOFORT.
    Das geschicht dann genau EIN MAL - und ALLE ANDEREN wissen Bescheid, dass solches Verhalten nicht durchgeht.
    Das hat nichts mit Maulkorb zu tun, mit blinder Gefolgschaft, etc - es hat was damit zu tun, dass Kommunikations-Regeln aufgestellt und durchgesetzt werden, und zwar SOFORT.
    Im Betrieb bedeutet dies: Wenn Sie nicht SOFORT durchgreifen, werden die wirklich GUTEN Mitarbeiter (die Leistungsträger) nicht lange abwarten, wird es nicht lange dauern, und die BESTEN Mitarbeiter wandern ab, und die IDIOTEN bleiben unter sich.
    Tolles Ergebnis! MfG
    FRWBonn (Unternehmensberater)

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich und achten auf einen respektvollen Umgangston. Danke, die Redaktion/ls

    12 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

    • 2b
    • 15. März 2013 14:57 Uhr

    bei der Bundeswehr oder in einer Forschungsabteilung oder in der ProduktionsIndustrie???

    ... mit Empfehlung der "Idioten"

    ... denn kein Mensch möchte in einem Betrieb arbeiten, in dem man, vielleicht auch nur, weil man gerade gestresst ist, einfach "aussortiert" wird.
    Ich finde die Vorschläge im Artikel sehr sachlich und menschlich vernünftig, da sie deeskalierend wirken und niemanden mehr als nötig bloßstellen.
    Und einmal so gesehen: Wenn jemand im Betrieb quer treibt, ist er wohl unzufrieden, es wäre vielleicht auch ein Ansatz, der Sache auf den Grund zu gehen, da darf der Chef vielleicht _auch_ mal die Fehler bei sich selbst suchen.
    Unter fast allen Menschen, die ich kenne, wird es als absoluter Tabubruch gesehen, andere vor versammeltem Publikum zu erniedrigen oder abzukanzeln, ganz egal, ob jemand Chef ist oder nicht. Wenn ein Chef so etwas macht, hat er es sich danach in der Regel mit den Mitarbeitern verscherzt, auch wenn die den querulanten Kollegen vielleicht genauso wenig mögen. Und wer möchte, dass andere ihm folgen, der braucht vor allem Respekt, den bekommt man nicht für Willkür und Rache. "Aussortieren" ist immer noch das allerletzte Mittel, wenn nichts funktioniert, das kann im übrigen für einen Betrieb auch ganz schön teuer werden, und vielleicht lösbare Probleme unter den Teppich kehren, unter dem sie sich dann bald wieder hervor winden...

    ... ist das merkwürdige Klima in vieln großen Unternehmen nicht verwunderlich.

    Ich denke, gegenseitiger Respekt ist hilfreich: 120 Sekunden, um jemanden "auf Linie" zu bringen, sind sicher gerade bei komplexen Arbeitsprozess eher nicht zweckdienlich.

    Bedeutet nur, dass der Chef "Führungsstärke" zeigt, das Problem aber ungelöst bleibt.

    Na, mit Ihnen als Chef würde ich auch kündigen.
    SOFORT.

    Sprüche sagen mir nur Eines: Daß Sie nie und nimmer Führungskraft sind.......

    Querulanten sind zum Glück die Ausnahme, aber es gibt sie und sie können immensen Schaden anrichten. Ich erinnere mich an eine ältliche Kollegin kurz vor der Rente, die die tägliche Morgenbesprechung dazu nutzte, junge Kollegen und speziell eine ihr offenbar nicht passende junge Auszubildende aufs Übelste fertigzumachen. Keiner der immerhin zwei anwesenden Chefs hat sich getraut, sie in die Schranken zu weisen. Es endete damit, daß die infamen Attacken zur morgendlichen Mobbing-Routine wurden und die junge Kollegin schließlich kündigte. Sie hatte im Gegensatz zur Mobberin in meinen Augen erheblich bessere und kreativere Arbeit abgeliefert, konnte sich aber aufgrund ihres eher zurückhaltenden Wesens gegen die aggressive Bösartigkeit der Anderen nicht wehren. Es war klar, das die Chefs irgendwie froh waren, selbst aus der Schußlinie der Quertreiberin zu sein. Dafür haben sie die junge Mitarbeiterin offenbar geopfert. Ich saß dabei und konnte es kaum glauben, welches perfide Spiel diese Frau treiben durfte, ohne daß interveniert wurde. Kürzlich laß ich ein Buch über Borderline-Persönlichkeitsstörungen, das mich sehr stark an das üble Verhalten und die fiesen, herabwürdigenden Angriffe erinnert hat. Auch nach vielen Jahren ist mir die bedrückende Atmosphäre und die Angst der als Zielscheibe mißbrauchten Kollgin noch sehr eindrücklich und ich empfinde das Verhalten der Vorgesetzten in diesem Zusammenhang nach wie vor als feige und empörend.

  5. Ich würde mit so einer Person erst wieder kommunizieren, wenn sachliche Argumente kommen. Auf Schreihälse lasse ich mich nicht ein. Handelt es sich um ein Projekt, wird der Mitarbeiter aus dem Projekt entfernt oder bekommt ausschließlich Arbeitsanweisungen bis er sich wieder professionell verhält.
    Geschieht das nie, werte ich das als Arbeitsverweigerung und der Mitarbeiter ist eben nicht tragbar.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es sind doch oftmals gerade diejenigen, die mit Leidenschaft bei der Sache sind, und die Murks am wenigsten ertragen können, denen dann und wann der Kragen platzt.

    Berechnende, auf den eigenen Vorteil bedachte Typen halten dann einfach den Mund, anstatt einem Vorgesetzten, der sich verstiegen hat, Paroli zu bieten. Natürlich wäre es besser ruhig und sachlich zu bleiben -- aber das ist eben nicht jedem gegeben.

    Es besteht die Gefahr, daß nach dem Rauswurf der ehrlichen Hitzköpfe andere, aus Furcht, ihre Einwände ebenfalls nicht argumentativ sauber vortragen zu können, einfach stille bleiben.

    Es blieben also die Duckmäuser, die Jasager und Dienst-nach-Vorschrift-Macher übrig -- das wäre katastrophal für die Firma.

    Es ist also durchaus im Sinne der Firma, wenn auch schwierigere Charaktere gehalten werden.

    Ich halte die Vorschläge des Artikels daher für vernünftig.

  6. 6. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Jouba
    • 15. März 2013 15:01 Uhr

    Wenn Sie den Artikel nochmals von Anfang an durchlesen, werden Sie erfahren, dass sich der Mitarbeiter keineswegs "einmal im Ton vergriffen" hat.

    Mein Kommentar bezog sich auf den Kommentar von "frwbonn".
    Darin wird gefordert, jeden, der "nicht sachlich argumentiert" "SOFORT" auszusortieren.

    Angesichts dieser kompromißlosen Linie fand ich es durchaus angemessen, darauf hinzuweisen, daß ausgerechnet der Kommentar von "frwbonn" nach Meinung der Moderatoren mit der Bemerkung "Bitte bleiben Sie sachlich und achten auf einen respektvollen Umgangston" gekürzt werden mußte.

    So kommt das eben: Was sachlich ist, entscheidet der Chef, und wenn der einen gleich rauswirft, wenn man mit ihm zusammenstößt, dann kann das auch einmal denjenigen treffen, der sich selbst für sachlich und kompetent hält -- oder es sogar ist.. (wie mich, denn mein Kommentar wurde ja auch wieder gelöscht :)

    • 2b
    • 15. März 2013 14:57 Uhr

    bei der Bundeswehr oder in einer Forschungsabteilung oder in der ProduktionsIndustrie???

    ... mit Empfehlung der "Idioten"

    8 Leserempfehlungen
    • Jouba
    • 15. März 2013 15:01 Uhr

    Wenn Sie den Artikel nochmals von Anfang an durchlesen, werden Sie erfahren, dass sich der Mitarbeiter keineswegs "einmal im Ton vergriffen" hat.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "[...]"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service