TransparenzWie verstehen Mitarbeiter die Firmenstrategie?

Die Mitarbeiter kritisieren intransparente Kommunikation. Was Führungskräfte tun können, damit die Unternehmensstrategie verstanden wird, erklärt Sabine Hockling. von 

Unsere letzte Mitarbeiterbefragung ergab, dass sich meine Mitarbeiter nicht ausreichend über die Strategie des Unternehmens informiert fühlen. Wie kann ich sie stärker in die Strategieentwicklung einbinden?, fragt Nicolas Binder, Geschäftsführer eines Internetunternehmens.

Sehr geehrter Herr Binder,

Mitarbeiter können eine Unternehmensstrategie nur umsetzen, wenn ihnen diese auch ausreichend bekannt ist. Mitarbeiter wollen wissen, für welches Ziel sie arbeiten, sie wollen dahinter einen tieferen Sinn finden. Geizen Unternehmer und Führungskräfte hier mit einer offenen Kommunikation, hapert es an der Ausführung und ist die Identifikation in der Regel gering. Das kann sich vor allem in unruhigen Phasen oder Krisensituationen negativ auf das Unternehmen auswirken.

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Führungskräfte sind daher gut beraten, einen transparenten Informationsaustausch zu installieren und ihre Mitarbeiter mit einzubinden. 

Folgende Informationskanäle unterstützen Sie dabei:

  • Regelmäßige Meetings, in denen Strategien festgelegt sowie überprüft werden
  • E-Mails, die wichtige Änderungen bekanntgeben
  • Informationsveranstaltungen, die den Status quo kommunizieren

Auch ist es gut, den aktiven Austausch unter den Mitarbeitern zu fördern. Viele Unternehmen haben dafür extra soziale Räume geschaffen: eine gemütliche Kaffeeküche, Rückzugsmöglichkeiten für vertrauliche Gespräche – ausgerechnet Flurfunk kann zu einer größeren Zustimmung zur Unternehmensstrategie in der Belegschaft führen. Denn auf diese Weise wird ein Wir-Gefühl gefördert, das den nötigen Rückhalt auch in schwierigen Zeiten geben kann.

Vertrauen ist wichtig

Dafür müssen Sie Ihren Mitarbeitern allerdings vertrauen. Akzeptieren Sie, dass durchaus der Austausch von Sorgen und Kritik mit dazugehört. Signalisieren Sie Wertschätzung, reagieren Sie mit Verständnis und nehmen Sie auch Sorgen von Mitarbeitern ernst.

Sabine Hockling
Sabine Hockling

Sabine Hockling war lange selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Mit Ulf Weigelt schrieb sie den Ratgeber Arbeitsrecht. Seit 2011 ist sie Autorin der Serie Chefsache. Seit 2014 im neuen Format: Immer freitags spricht sie mit der Managerin Linda Becker über Führungsfragen. Hockling bloggt mit Tina Groll unter diechefin.net, der Blog für Führungsfrauen, über Frauen und Karriere.

Reagieren können Sie mit offener Kommunikation. Und sorgen Sie auch dafür, dass sich Wissen und Können im Unternehmen vergrößert. Die meisten Beschäftigten wollen vorankommen und sind bereit, Verantwortung übernehmen. Das sollten Führungskräfte nutzen und ihnen Aufgaben im Sinne der Firmenstrategie übertragen, die das Unternehmensergebnis verbessern. Auf diese Weise werden Mitarbeiter direkt miteinbezogen. Das steigert auch die Bereitschaft der Arbeitnehmer, unangenehme Entscheidungen mitzutragen.

Um diese Schritte umzusetzen, darf die Strategie allerdings nicht nur auf dem Papier bestehen. Hapert es bei den Führungskräften an der konsequenten Umsetzung, entsteht bei den Mitarbeitern schnell der Eindruck, dass es sich hier nur um leere Worte handelt und die Unternehmensstrategie keinen sehr hohen Stellenwert hat.

Wer von seinen Mitarbeitern unternehmerisches Handeln erwartet, muss ihnen entsprechende Informationen an die Hand geben. Machen Sie daher Ihre Mitarbeiter zu Mitgestaltern und räumen Sie ihnen ein Mitspracherecht ein. Das motiviert.

Ihre Sabine Hockling

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Leserkommentare
  1. In vielen Firmen scheint es mir erst einmal nötig, eine über Worthülsen hinausgehende Strategie für das ganze Unternehmen zu entwickeln, bevor man diese kommunizieren kann.

    2 Leserempfehlungen
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    • Chali
    • 04. März 2013 16:17 Uhr

    Wenn das mal anfängt mit dem Zusammenstellen von Worthülsen.

    Und auch sonst ...
    Werte Frau Hockling,
    "Die meisten Beschäftigten wollen vorankommen und sind bereit, Verantwortung übernehmen"

    Zu "Verantwortung" fällt mir als erstes der Spruch "Ich trage die Verantwortung, Sie die Konsequenzen"

    Und "Führungskräfte" wollen nicht meht arbeiten, sondern, wie das Wort schon sagt, statt dessen lieber kräftig führen.
    MBAs machen kein Buisiness, sondern sie administieren die, die sie mchen. Ich bin da eher für Lean Production.

    Im Wesentlichen läuft dies auf "Mehr Häuptlinge, weniger Indianer" hinaus. Und die beschäftigen sich gern damit, Formulare und Berichte in Umlauf zu bringen mit mit andren Häuptlingen zu diskutieren.

  2. ... sieht im Grunde wie folgt aus: Stellenabbau wird dann bspw. ganz transparent den Mitarbeitern als eine Optimierung des Arbeitsprozesses mit Vorteilen für jederman verkauft. Plötzliches Beendigen vom Home-Office als 'Förderung der Kommunikation' im Unternehmen, etc.

    Letztendlich verhallt diese Forderung nach mehr Transparenz in einem Mehr an verschleiernden Bla-bla, als propagandistisches Mittel, um ja Mitarbeiter daran zu hindern, zu verstehen, was eigentlich abgeht.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Chali
    • 04. März 2013 16:26 Uhr

    Militär spielt: Wer singt, denkt nicht, und wer nicht denkt, ist ein angenehmer Untergebener.

    Nach meiner Erfahrung:
    Je mehr auf Strategie rumgeritten werden muss, um so schlechter sind die Abläufe.

    Werter Herr Binder, wenn es bei ihnen flutscht, alle Mitarbeiter am Werkeln sind, die Kunden zufrieden - was wollen Sie da noch mit einer Strategie? Wenn Sie Ihre Mitarbeiter fair behandeln, brauchen Sie keine Strategie "Mitarbeiter fair behandeln". Die brauchen Sie nur, wenn das eine Wunschvorstellung beschreibt - eine utopische.

    • Chali
    • 04. März 2013 16:17 Uhr

    Wenn das mal anfängt mit dem Zusammenstellen von Worthülsen.

    Und auch sonst ...
    Werte Frau Hockling,
    "Die meisten Beschäftigten wollen vorankommen und sind bereit, Verantwortung übernehmen"

    Zu "Verantwortung" fällt mir als erstes der Spruch "Ich trage die Verantwortung, Sie die Konsequenzen"

    Und "Führungskräfte" wollen nicht meht arbeiten, sondern, wie das Wort schon sagt, statt dessen lieber kräftig führen.
    MBAs machen kein Buisiness, sondern sie administieren die, die sie mchen. Ich bin da eher für Lean Production.

    Im Wesentlichen läuft dies auf "Mehr Häuptlinge, weniger Indianer" hinaus. Und die beschäftigen sich gern damit, Formulare und Berichte in Umlauf zu bringen mit mit andren Häuptlingen zu diskutieren.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Welche Strategie?"
    • P_S
    • 04. März 2013 16:21 Uhr

    Sie Schreiben: "Dafür müssen Sie Ihren Mitarbeitern allerdings vertrauen.", nur m.E. gehen sie mit der Forderung "Akzeptieren Sie, dass durchaus der Austausch von Sorgen und Kritik mit dazugehört. Signalisieren Sie Wertschätzung, reagieren Sie mit Verständnis und nehmen Sie auch Sorgen von Mitarbeitern ernst." nicht weit genug!

    Denn wenn die Führung die Kritik ernst nimmt, akzeptiert muss die Führung in einzelnen Fällen bereit sein, die Strategie zu kippen!

    D.h. es fehlt die Vorraussetzung für eine echte Strategie, diese ist gegeben wnn sie von den Mitarbeitern unter der Leitung der Führung erarbeitet wird.

    • Chali
    • 04. März 2013 16:26 Uhr

    Militär spielt: Wer singt, denkt nicht, und wer nicht denkt, ist ein angenehmer Untergebener.

    Nach meiner Erfahrung:
    Je mehr auf Strategie rumgeritten werden muss, um so schlechter sind die Abläufe.

    Werter Herr Binder, wenn es bei ihnen flutscht, alle Mitarbeiter am Werkeln sind, die Kunden zufrieden - was wollen Sie da noch mit einer Strategie? Wenn Sie Ihre Mitarbeiter fair behandeln, brauchen Sie keine Strategie "Mitarbeiter fair behandeln". Die brauchen Sie nur, wenn das eine Wunschvorstellung beschreibt - eine utopische.

  3. Oft gibt es in Unternehmen aber auch so viel "Transparenz", dass man diese gern mit Kontrolle verwechselt. Was bei den Mitarbeitern dann auch nicht mehr so gut ankommt...

    Ein Balanceakt.

    • RGFG
    • 04. März 2013 17:47 Uhr
    • zappp
    • 04. März 2013 18:14 Uhr

    Die Kommunikationsstrategie des Ex-Gesellschafters meiner Firma bestand darin, aus positiv besetzen Begriffen aus dem Englischen (z.B. "Sustainability") neue, noch positivere Kunstwörter zusammenzusetzen, bei der selbst die Geschäftsführer der deutschen Töchter nicht mehr ernst bleiben konnten.

    Jede Mitteilung über das Feuern eines Geschäftsführers, den Verkauf oder die Schliessung eines Unternehmensteils war ein Kunstwerk von "Corporate New Speak", die jeder noch so unangenehmen oder peinlichen Nachricht noch etwas positives abgerungen hat. Aus Kommunikation wurde unfreiwillige Selbstkarikatur.

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