HändedruckDauerschüttler trifft toten Fisch

Die Art des Händedrucks zeigt, mit wem man es zu tun hat. Wer ein wenig Körpersprache versteht, erkennt dominante oder ängstliche Typen bei der Begrüßung. Von Tina Groll von 

Die FDP-Politiker Rainer Brüderle und Philipp Rösler geben sich die Hand.

Die FDP-Politiker Rainer Brüderle und Philipp Rösler geben sich die Hand.  |  © REUTERS/Tobias Schwarz

Er ist feucht, er ist schlaff, er fühlt sich an wie ein toter Fisch: Ein solcher Händedruck ruft keine Sympathie hervor. Eher löst er Widerwillen aus, im besten Fall Mitleid. Binnen Sekunden sendet er eine Botschaft über die Person, welche die Hand gibt – als Teil der Körpersprache, deren wesentliche Ausdrucksformen über kulturelle Grenzen hinweg in vielen Ländern der Welt verstanden werden. 

Ob jemand gerade sitzt oder sich gerade hält, ob er traurig oder fröhlich schaut: In vielen Kulturen bedeutet es das Gleiche. Solche Signale werden vom Hirn schneller verarbeitet als die verbale Sprache. Und weil Körpersprache situationsbezogen, unbewusst und blitzschnell erfolgt, kann sie nicht so leicht manipuliert werden.

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Die Körpersprache- und Kommunikationstrainer Caroline Krüll und Christian Schmid-Egger haben sich mit den unterschiedlichen Formen des Handschlags beschäftigt. In ihrem Buch Körpersprache – das Trainingsbuch stellen sie rund zehn Typen vor. 

Hand oben signalisiert Dominanz

Zum Beispiel den dominanten Händedruck. Ihn zeichnet den Experten zufolge aus, dass der Handrücken beim Handschlag nach oben zeigt. Die Hand des Gegenübers muss sich darunter schieben, der Andere wird so gezwungen, sich unterzuordnen. Dominante Menschen drehen die Hand des anderen schon während des Zugreifens nach unten, sodass ihre eigene Hand darüber liegt. Manche drücken die fremde Hand zusätzlich noch ein wenig nach unten. Ihr Händedruck kann sehr kräftig sein und manchmal schmerzvoll.

Wer die Hand auf diese Art gibt, macht seinen Führungsanspruch deutlich. Hirn- und Verhaltensforscher haben herausgefunden, dass die Lage der Handfläche signalisiert, wer im Gespräch dominiert. Viele Menschen reagieren auf diesen Händedruck binnen weniger Sekunden – sie ordnen sich beispielsweise unter, sind eingeschüchtert oder empfinden Antipathie. Dominante Typen können sich eher herausgefordert fühlen. Dann drehen sie die eigene Hand nach oben und drücken noch etwas kräftiger zu. Dabei schauen sie dem Gegenüber direkt in die Augen.

Als Pendant zum dominanten gibt es den untergeordneten Händedruck. Auch dieser dreht die Hand – allerdings so, dass die Handinnenfläche schräg oder ganz nach oben zeigt. Wer so die Hand gibt, zeigt, dass er den anderen in der Führungsrolle akzeptiert.

Richtig unangenehm kann der Handschlag des Kraftprotzes sein: Dieser Typ quetscht die Hand des Anderen zur Begrüßung. Das kann besonders für Ringträger schmerzhaft sein. Krüll und Schmid-Egger bezeichnen die Kraftprotze als "Menschen mit Schraubstockhand". Vielleicht wollen sie mit der kräftigen Begrüßung Dominanz demonstrieren. Tatsächlich zeigen sie aber fehlende Sensibilität oder mangelndes Selbstbewusstsein.

Leserkommentare
  1. sagt der Händedruck etwas aus über die zu erwartende Lebenszeit.
    Ich stellte meinen Händedruck auf 95 Jahre ein.

    12 Leserempfehlungen
  2. Ein schlaffer Händedruck kann auch einfach bedeuten, dass man es mit jemandem aus einem anderen Kulturkreis zu tun hat. Entgegen der Behauptung am Anfang des Artikels ist der gesellschaftlich als "normal" akzeptierte Druck weltweit sehr wohl unterschiedlich.

    20 Leserempfehlungen
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    Japaner z.B. finden das westliche Händeschütteln lästig, um nicht zu sagen unangenehm.

    Das stimmt! Habe die Erfahrung gemacht das japanische Frauen einen sehr leichten haben und selbst wenn diese versuchen ihren zu erhöhen da nicht viel Druck kommt, selbst bei den Männern ist nicht viel.

    Und das sollte man akzeptieren und nicht ausnutzen! Denn Rücksicht und Respekt kommt besser an und kein so fester Händedruck das die Frau gleich in die Knie geht oder der Mann aua sagt.

    Einfach mal darüber nachdenken bevor ihr die Hand gebt!

    Und bei den typischen "Powerdrückern" gibst nur eines, eben so fest man kann gegen halten und sich aufrecht hinstellen. Dann entsprechenden bösen Blick und das reicht dann meist auch schon solange man nicht vorher locker lässt.

    Oder wie handhabt ihr das?

  3. Worauf beziehen sich eigentlich ihre Aussagen? Beruhen diese auf wissenschaftlich durchgeführte Studien oder sind das einfach mal in den Raum gestellte Thesen, die lediglich Stereotype bedienen?
    Mich machen solche Aussagen einfach nur wütend!!!!

    9 Leserempfehlungen
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    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich und achten Sie auf einen respektvollen Umgangston. Danke, die Redaktion/jk

  4. ist natürlich genauso "wissenschaftlich" und sinnvoll wie Graphologie oder Phrenologie. Und es ist zwar einerseits traurig, dass derartiger Humbug in einer seriösen Zeitung überhaupt behandelt wird und sogar "Experten" hernagezogen werden, aber andererseits finde ich den Artikel sehr interessant. Zeigt er doch, wie tief in der heutigen Geschäftswelt (denn nur darauf bezieht er sich; bezeichnenderweise steht der Artikel auch unter der Rubrik "Karriere"/"Beruf") das Bedürfnis verbreitet ist, jemanden aufgrund einfacher Merkmale einzuordnen, und den Widerwillen, dem Gegenüber unvoreingenommen gegenüberzutreten und sich ernsthaft mit ihm auseinanderzusetzen und vielleicht sogar zuzuhören, was es zu sagen hat. Das ist so ähnlich wie Bankern, Managern etc, wo alle gleich uniformiert im gleichen ANzug und mit gleichem Haarschnitt herumlaufen, um dadruch Seriosität zu signalisieren, letzten Endes aber einfach lächerlich wirken - genauso, wie die künstlich forschen Händedrücke bei diesen "Powertypen" einfach nur Show sind.

    17 Leserempfehlungen
  5. Redaktion

    "Er ist feucht, er ist schlaff, er fühlt sich an wie ein toter Fisch: Ein solcher Händedruck ruft keine Sympathie hervor. Eher löst er Widerwillen aus, im besten Fall Mitleid. Binnen Sekunden sendet er eine Botschaft über die Person, welche die Hand gibt – als Teil der Körpersprache, deren wesentliche Ausdrucksformen über kulturelle Grenzen hinweg meist universal verstanden werden. "

    - im Maghreb gilt just das Gegenteil.

    10 Leserempfehlungen
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    • pnk
    • 25. April 2013 21:32 Uhr

    Entfernt. Bitte äußern Sie sich differenziert. Danke, die Redaktion/sam

    • Kosyme
    • 25. April 2013 8:54 Uhr

    Ein "kerniger" fester Händedruck ist nach meine Erfahrung häufig auch der Ausdruck einer besonderen Freude oder Herzlichkeit. Besonders bei Männern.

    Und, wer einmal einen Vorgesetzten mit einem schlaffem Händedruck hatte, der weiß, sie bedeuten mitnichten "fehlende Dominanz" in den menschlichen Bereichen...

    Eine Leserempfehlung
  6. 5 Leserempfehlungen
  7. Eine Kollegin aus England - von zierlicher Gestalt - beklagte sich z.B. über das häufig zu feste Händedrücken ihrer männlichen Kollegen.

    Ich denke auch hier sind Einfühlungsvermögen / Empathie gefragt.

    So bevorzuge ich als Nordländer die sprichwörtliche Armeslänge als angenehme Distanz zum Gesprächspartner während südländische Kollegen schon mal näher auf die Pelle rücken.

    Schraubstockhändedruck geht mal gar nicht. Derartiges oder ähnliches Dominanzgebaren löst bei mir prompt extremste Ablehnung und Antipathie aus. Das ist Imponiergehabe von kleinen dummen Jungs. Mit solchen Leuten möchte ich mich dann auch nicht weiter abgeben.

    Ein gerader einfacher Händedruck, Blickkontakt UND! ein freundlicher Gesichtsausdruck hinterlässt dagegen immer einen sehr positiven Eindruck.

    13 Leserempfehlungen

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  • Schlagworte Selbstbewusstsein | Botschaft | Fisch
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