Nach meinem Abitur 2010 war ich ratlos. Was kann ich? Wo liegen meine Interessen? Welchen Weg soll ich einschlagen? In dieser Situation erhielt ich meinen Musterungsbescheid, wurde für tauglich erklärt und eingezogen. Rückblickend war das ein Glücksfall.

Den Wehrdienst verweigerte ich und suchte halbherzig nach einer Stelle, um Zivildienst zu leisten. In meiner Heimat, dem Landkreis Wesermarsch, war das Angebot dürftig. Ich wurde zum Probearbeiten in ein Krankenhaus eingeladen und nahm die Stelle an, schließlich wollte ich nicht zwangsweise eine Arbeit zugewiesen bekommen.

Dieses Krankenhaus hatte in sechs Monaten mehr Einfluss auf meine Selbstfindung und Berufswahl als zwölf Jahre Schullaufbahn und sämtliche Pflichtbesuche im Berufsinformationszentrum zuvor. Das Arbeiten auf der internistischen Station bereitete mir mehr Freude, als ich mir jemals hätte vorstellen können.

Menschen waschen und engen Kontakt mit fremden Körperflüssigkeiten haben? Bei dieser Vorstellung hätte zu Schulzeiten müde gelächelt. Doch nun verlängerte ich meinen Zivildienst um drei weitere Monate und bewarb mich um einen Ausbildungsplatz zum Krankenpfleger. Diese Entscheidung habe ich nie bereut. Seit 2011 bin ich Krankenpfleger in Ausbildung und gehe gerne zum Dienst.

Der Zivildienst hat mir geholfen, meinen Weg zu finden. Dass er mit dem Wehrdienst abgeschafft wurde, halte ich für einen Verlust. Zum einen für Menschen wie mich, die nach der Schule Orientierung suchen. Zum anderen aber auch, weil wir angesichts des akuten Pflegenotstands auf die Chance verzichten, junge Menschen für soziale Arbeit zu begeistern.

Der Zivildienst als staatsbürgerliche Pflicht für Männer und Frauen könnte mit Stellenangeboten im Ausland auch internationalen und europäischen Austausch fördern. Jenen, die nicht wollen, könnte die Option des Wehrdienstes als Ersatzleistung angeboten werden.