Heute ist wieder bundesweiter Aktionstag zur Lohnungleichheit. Am sogenannten Equal Pay Day machen Frauen in Deutschland darauf aufmerksam, dass sie immer noch weniger verdienen als Männer. Eine Aktion wird sein, mit symbolischen 100-Euro-Scheinen zu wedeln, die aber nur 78 Euro wert sind. Das soll zeigen: Das Gehalt der Frauen ist 22 Prozent niedriger als das der Männer. Diese Zahl hat auch das Statistische Bundesamt am Dienstag veröffentlicht.

Im Januar noch verkündete das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln, dass der Unterschied bis auf zwei Prozent schmilzt, wenn man bestimmte Faktoren berücksichtigt. Wie kommen solche unterschiedlichen Zahlen zustande?

Vorweg: Es gibt eigentlich zwei Gehaltsunterschiede zwischen den Geschlechtern. Der eine ist die unbereinigte Lohnlücke. Sie vergleicht die durchschnittlichen Bruttostundenlöhne von Männern und Frauen. Die Statistiker vergleichen hier völlig abgekoppelt von Position oder Branche, Ausbildung oder Arbeitsvertrag alle durchschnittlichen Männerlöhne mit allen durchschnittlichen Frauenlöhnen. Herauskommt die unbereinigte Lohndifferenz – das sind die 22 Prozent des Statistischen Bundesamtes.

Anders wird gerechnet, will man die bereinigte Lohnlücke feststellen. Hier werden alle Faktoren berücksichtigt, die vergleichbar sind: Branche, Beruf, Qualifikation, Position. Es wird dann offensichtlicher, ob die Frau allein wegen ihres Geschlechts in der Bezahlung benachteiligt wurde.

Zwei Rechnungen, zwei Ergebnisse

Während Rechnung 1 relativ einfach zu erstellen ist, muss bei Rechnung 2 differenziert werden. Aus den Daten der Frauen und den Daten der Männer werden Zwillinge gebildet und verglichen. Doch der Vergleich hat Tücken. Denn wenn beide zum Beispiel eine Leitungsfunktion im unteren Management in der Gesundheitsbranche haben, heißt das noch lange nicht, dass beide gleich gut verdienen. Die Frau arbeitet vielleicht in der Personalabteilung, der Mann dagegen in der Produktionsleitung. Ihre Jobs sind zwar formal auf der gleichen Hierarchieebene, in der Produktion sind aber die Löhne höher.

All diese Faktoren müssen also berücksichtigt werden. Darum werden beim Gesamtvergleich zwischen Männern und Frauen Prozentpunkte abgezogen, die erklärbar sind. Zum Beispiel, dass die meisten Frauen nicht in einer Führungsposition arbeiten – hier liegt der Frauenanteil nämlich nur bei 30 Prozent. Oder dass rund die Hälfte aller erwerbstätigen Frauen in Deutschland in Teilzeit arbeiten. Auch wird berücksichtigt, dass Frauen die eher schlecht bezahlten Frauenberufe wählen.

Der Studie des Institut für Wirtschaft zufolge soll also dieser bereinigte Lohnunterschied bei weniger als zwei Prozent liegen.

So weit, so gut, aber wenn das Statistische Bundesamt diese Faktoren miteinbezieht und mit ihren 22 Prozent weiter rechnet, kommt es auf sieben Prozent. Wie ist das zu erklären?