Die Forscher haben einfach mit unterschiedlichen Datensätzen gerechnet. Das Statistische Bundesamt bezieht sich auf die Gehälter von 1,9 Millionen Beschäftigten. Das Institut für Wirtschaft analysiert die Daten von 7.500 Beschäftigten. Beides ist repräsentativ. Der größere Datensatz des Statistischen Bundesamts macht die Ergebnisse aber zuverlässiger. Und das Institut für Wirtschaft rechnet mit ein, ob und wie lange das Berufsleben unterbrochen wird, das Statistische Bundesamt tut das nicht.

Die zwei Prozent des Institut für Wirtschaft treffen auch nur auf einen bestimmten Fall zu: Wenn die dieser Berechnung zu Grunde gelegte Frau nach einer Schwangerschaft höchstens 18 Monate zu Hause bleibt. Von diesem einzelnen Fall lässt sich sehr schwer auf alle anderen Frauen schließen. Denn viele steigen länger aus, weil ihnen etwa Kinderbetreuungsplätze fehlen. Die zwei Prozent, auf die das Institut für Wirtschaft den Unterschied herunterrechnet, könnten also eher Zufall sein.

Es kommt auch immer darauf an, was die Statistiker wissen wollen. Das Statistische Bundesamt verwendet die 22 Prozent der unbereinigten Lücke auch deshalb, weil damit eine bessere Vergleichbarkeit auf EU-Ebene möglich ist.

Und das Institut für Wirtschaft nimmt eher die Position der Arbeitgeber ein: Es schreibt im Januar, die wahren Gründe für den Gehaltsunterschied seien persönliche Entscheidungen der Beschäftigten. Die Unternehmen könnten diese nur begrenzt beeinflussen, die Politiker seien dran, etwas zu ändern.

Die Fakten ändern sich nicht

Natürlich fließen in solche persönlichen Entscheidungen finanzielle Anreize wie das Ehegattensplitting oder das Elterngeld mit ein. Und wenn es nicht genügend Kita-Plätze gibt, hindert das Frauen daran, wieder voll in den Beruf einzusteigen. Das zeigt sich auch in der Entwicklung des Gehaltsunterschieds im Laufe des Berufslebens: Im Alter zwischen 30 und 40 Jahren wird die Schere immer größer. Das ist die Zeit, in der Männer Karriere machen und Frauen Kinder bekommen. In diesem Moment werden die Frauen in der Statistik zu Müttern, die Männer bleiben Männer. "Motherhood penalty" (Mutterschaftsstrafe) heißt das bei Soziologen und Ökonomen.

Aber Entscheidungen für die Teilzeit oder für einen Berufszweig sind nicht allein mit bloßen Zahlen zu bestimmen. Der Gender Pay Gap beziffert etwas, das schwer zu berechnen ist.

Für Statistiker gibt es erklärbare Variablen: Die Diskriminierung ist zwar da, kann aber teilweise begründet werden. Für die Organisatorinnen des Equal Pay Day geht es um eine politische Dimension. Für sie zeigen diese Erklärungsfaktoren fehlende Zugangschancen und eine Benachteiligung für Frauen im Arbeitsleben. Deshalb ist für sie auch die unbereinigte Lohnlücke eine wichtige Zahl mit großer Aussagekraft. Sie wollen, dass Frauen auch in den Top-Etagen ankommen, dass Vereinbarkeit von Beruf und Familie endlich möglich ist und dass sich die Gesellschaft fragt, warum die Verantwortung für große Summen an Geld oder für Maschinen mehr Wert sein soll und besser bezahlt wird als die Verantwortung für Menschen.

Wir können darüber streiten, welche Zahl den exakten Lohnunterschied aufzeigt und welche Faktoren mit einberechnet werden sollen. Ob die Frauen selbst schuld sind, weil sie lieber soziale Berufe ausüben, ihr Gehalt nicht richtig aushandeln können oder sich lieber um die Familie kümmern wollen. Wir können die Ungleichheit auf die Unternehmen zurückführen, auf Familien- und Steuerpolitik.

An den Fakten ändert das aber alles nichts. Die Arbeit von Frauen ist im Jahre 2013 immer noch weniger Wert als die von Männern.