BerufsanfängerSo klappt das Trainee-Programm

Trainee-Programme sollen auf eine Laufbahn im Management vorbereiten. Doch nicht alle Angebote sind seriös. Eine Initiative hat jetzt Qualitätskriterien aufgestellt. von Stefan Rippler

Nicht jedes Trainee-Programm bereitet auf eine Karriere im Management vor. Es gibt einige, die eher einem Praktikum oder einer Assistentenstelle entsprechen. So bietet etwa ein renommiertes Berliner Hotel ein dreimonatiges Trainee-Programm im Servicebereich an. Absolventen berichten von Ausbeutung zu Dumpingpreisen ohne Perspektive.

"In so kurzer Zeit eine fundierte Ausbildung zu absolvieren, erscheint sehr ambitioniert", sagt Lukas große Klönne. Er setzt sich für eine Zertifizierung der Nachwuchs-Karriereprogramme ein und hat die "Charta karrierefördernder und fairer Trainee-Programme" mitgegründet. Dahinter stecken die Jobbörse Absolventa und das Institut für Personalwirtschaft der Ludwig-Maximilian-Universität München. Sie wollen ein Siegel für faire Trainee-Programme ins Leben rufen.

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Das Zertifikat sollen Firmen bekommen, deren Berufseinstiegsprogramme tatsächlich auf den Job vorbereiten. Ein wichtiges Qualitätskriterium ist die Dauer des Programms. Studien zeigen, dass Trainees durchschnittlich fünf unterschiedliche Abteilungen durchlaufen und dort zwischen neun und zwölf Wochen bleiben.

Qualitätskriterien für ein gutes Traineeprogramm

Weitere Kriterien sind neben einem qualifizierten Auswahlverfahren auch transparente Ausbildungsinhalte, individuelle Ausbildungsplanung, Weiterbildungen sowie Karriereperspektiven und Betreuung durch einen Mentor sowie Zugang zu Netzwerken mit anderen Fach- und Führungskräften.

So meistern Einsteiger ein Traineeprogramm

Kritik:

Feedback am Ende einer jeden Station ist wichtig. Die Basis für jedes Feedbackgespräch ist Offenheit, Sachlichkeit und aktives Zuhören. Offen formulierte Fragen, die Bitte um konkrete Beispiele sowie Bedenkzeit für die Argumente des Feedback-Gebers schaffen eine gute Gesprächsatmosphäre.

Auftreten in Meetings:

Jedes Meeting ist eine Chance, neues Wissen aufzusaugen sowie mehr über das Unternehmen und die Kollegen zu erfahren. Das weiß in der Regel auch der jeweilige Ansprechpartner des Trainees in der Fachabteilung und nimmt einen in wichtige Meetings mit – ob intern oder extern mit Kundenkontakt, manchmal verbunden mit der Aufgabe, Protokoll zu führen. Anders als Praktikanten erfahren Trainees in Meetings teilweise Dinge, die höchst vertraulich behandelt werden müssen – zum Beispiel, wenn es um Personalangelegenheiten geht. Als Trainee lernt man so nicht nur wichtige Entscheidungsträger kennen, sondern auch die Unternehmenskultur. Nebenbei kann man sich von den Teilnehmern einige Verhaltensweisen, Verhandlungs- und Gesprächstaktiken abschauen.  Sinnvoll ist es, Fragen zu notieren, Kollegen nicht ins Wort zu fallen, aber auch nicht stumm in der Ecke zu sitzen.

Trainee-Betreuer, Mentoren & Chefs

Ein gutes Verhältnis mit dem Betreuer, Vorgesetzten oder Mentor ist wichtig. Von ihm oder ihr lernen Einsteiger das Einmaleins in Sachen Führung. Die Betreuer erwarten in der Regel, dass Trainees sich ihrem Arbeitsstil anpassen, zuverlässig sind, Eigeninitiative zeigen und sie stets auf dem Laufenden halten – über die aktuellen Aufgaben, Arbeitsfortschritte und vor allem auch über Probleme. Loyalität gegenüber dem Mentor ist sehr wichtig.

Wenn die Chemie mit dem Betreuer nicht stimmt, ist das zwar heikel, aber nicht unlösbar. Schließlich steht der nächste Abteilungswechsel schon in einigen Wochen oder Monaten an. Bis dahin gilt es, ein professionelles Verhältnis zu pflegen. Was auch helfen kann: Das Gespräch mit Mit-Trainees suchen und herausfinden, wie deren Verhältnis zu ihren Mentoren ist.

Während der Programme schnuppern die Einsteigern in der Regel in alle wichtigen Abteilungen eines Unternehmens. Seriöse Anbieter kombinieren dieses Learning by doing mit fachlichen Weiterbildungen: Seminare, Vorträge und Messebesuche gehören in der Regel dazu. Auch eigene Projekte, die das Profil schärfen, sind wichtig. Nicht immer ist es vorteilhaft, wenn die spätere Zielposition zu Beginn des Programms gleich festgelegt ist. Oft fehlt dem Trainee dann die Möglichkeit für individuelle Entwicklungen.

Dennoch ist eine Perspektive wichtig. Die Trainees sollten spätestens nach der Hälfte des Programms erfahren, welche weitere Laufbahn das Unternehmen ihnen bieten kann. In Zeiten von Fachkräftemangel sind längerfristig ausgerichtete Nachwuchsförderungsprogramme ein wesentlicher Baustein der Personalpolitik. "Hierzu gehört auch, dass der Trainee nach erfolgreichem Abschluss des Programms mit eigenem Verantwortungsbereich und signifikant höherem Gehalt belohnt wird", sagt Branko Woischwill, der das Buch Trainee-Knigge geschrieben hat. 

Laut der Gehaltsdatenbank PersonalMarkt ist die Spannbreite unter den Gehältern bei Einstiegsprogrammen groß. Es gibt Firmen, die ihrem Nachwuchs gerade einmal 18.000 Euro Bruttojahresgehalt zahlen und Unternehmen, in denen die Trainees 66.000 Euro bekommen. Das durchschnittliche Einkommen liegt zwischen 36.500 bis 43.100 Euro je nach Branche und Größe des Unternehmens.

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Leserkommentare
  1. Ich kann es sehr gut nachvollziehen, dass jemand, der frisch aus der Uni kommt, eine Art Einarbeitungsphase durchschreiten muss. Es müssen die internen und externen Prozesse der Firma durchlaufen und eingespielt werden usw.
    Aber mir leuchtet nicht ein, dass jemand mit einem vollwertigen Abschluss zwei Jahre, schlecht bezahlt hingehalten wird, um schlussendlich marginal mehr zu verdienen.
    Und abgesehen vom Verdienst: Ich bin der Meinung nach einem halben Jahr, abhängig von der Größe des Unternehmens vielleicht auch ein Jahr, sind doch alle Prozesse und Kunden in div. Bereichen, durchlaufen und eingesehen worden, sodass der "Trainee" der - ich möchte es nochmal gesagt haben - eine vollwertige Ausbildung hat, so bald als möglich eine anständige Entlohnung seiner Arbeit bekommt. Und wenn es darum geht, dass Unternehmen und neuer Angestellter sich "kennenlernen": Es gibt immer noch die Probezeit.
    Für mich ist dieser neue Trend aus dem Westen eine moderne Abzocke, direkt nach dem klassischen Leiharbeiter. Kein Wunder, dass viele Betriebe mit einer hohen Fluktuation junger Mitarbeiter zu kämpfen haben.

    Eine Leserempfehlung
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    Ich bin gerade in der Phase, dass ich frisch von der Uni komme und einen Job suche. "Vollwertige Ausbildung" - den Begriff muss man im Falle eines Studiums relativieren. Das Studium ist (z.B. BWL) recht allgemein und, vor allem, theoretisch.
    Die Situation, die Abläufe, die Zusammenhänge in der Praxis und in dem jeweiligen Unternehmen, das muss alles noch gelernt werden. Studenten sind keine Auszubildenden und eine Ausbildung dauert ja auch drei Jahre. Außerdem ist der Trainee eine potentielle Führungskraft, daher gehe ich davon aus, dass es mit einem einfachen "Kennenlernen" der Firma nicht getan ist. Letzendlich, jadendauer, finde ich aber in jedem Falle, dass eine gerechte Entlohnung gegeben sein muss.
    Nach vier Jahren Finanzjonglage im Studentenleben, kann ich mir nichts schöneres vorstellen, als dieses endlich hinter mir zu lassen.

  2. Die im Artikel beschriebene Initiative, dass Qualitätskriterien für Trainee-Programme ausgestellt werden sollten, können wir aus der Sicht unserer Personalberatung SThree nur unterstützen.

    Es ist elementar, dass die Berufseinsteiger in Form von Trainee-Programmen einen guten Einblick in den jeweiligen Berufsalltag bekommen und ausreichend Unterstützung, sowie Ausbildungsmöglichkeiten seitens der jeweiligen Firma erhalten.

    Obwohl wir in unserer Personalberatung kein klassisches Traineeprogramm anbieten, sind viele Komponenten eines Trainee-Programms mit unserem Einsteigerprogramm vergleichbar. Unsere Berufsanfänger werden mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag eingestellt, erhalten einen Mentor, sowie ein umfangreiches und individuell gestaltetes Ausbildungs- und Trainingsprogramm. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich eine gute und durchgängige Betreuung und ein fester Ansprechpartner positiv auf die Entwicklung des Einsteigers auswirkt und die Gefahr der Desillusionierung (und damit die schnelle Wechselabsicht des Arbeitnehmers) innerhalb der ersten Monate im Job verringert wird.

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    Das klingt eigentlich ganz interessant. Aber wie lange befindet sich der Angestellte in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis? Etwa zwei Jahre, wie es auch bei einer klassischen Trainee Ausbildung ist?

  3. Ich bin gerade in der Phase, dass ich frisch von der Uni komme und einen Job suche. "Vollwertige Ausbildung" - den Begriff muss man im Falle eines Studiums relativieren. Das Studium ist (z.B. BWL) recht allgemein und, vor allem, theoretisch.
    Die Situation, die Abläufe, die Zusammenhänge in der Praxis und in dem jeweiligen Unternehmen, das muss alles noch gelernt werden. Studenten sind keine Auszubildenden und eine Ausbildung dauert ja auch drei Jahre. Außerdem ist der Trainee eine potentielle Führungskraft, daher gehe ich davon aus, dass es mit einem einfachen "Kennenlernen" der Firma nicht getan ist. Letzendlich, jadendauer, finde ich aber in jedem Falle, dass eine gerechte Entlohnung gegeben sein muss.
    Nach vier Jahren Finanzjonglage im Studentenleben, kann ich mir nichts schöneres vorstellen, als dieses endlich hinter mir zu lassen.

    Antwort auf "aber 2 Jahre?"
  4. 4. Re: 2.

    Das klingt eigentlich ganz interessant. Aber wie lange befindet sich der Angestellte in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis? Etwa zwei Jahre, wie es auch bei einer klassischen Trainee Ausbildung ist?

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Ausbeutung | Euro | Fachkräftemangel | Führungskraft | Gehalt | Nachwuchs
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