900.000 Euro Schmerzensgeld hat eine Frau wegen Mobbings am Arbeitsplatz gefordert. Es war das höchste Schmerzensgeld, das je vor Gericht wegen Schikane verlangt worden war. Nun hat das Landesarbeitsgericht Düsseldorf die Klage zurückgewiesen und nicht einmal eine Revision zugelassen. Das Gericht folgte damit der Rechtsprechung der ersten Instanz.

Die bei der Stadt Solingen beschäftigte Rechnungsprüferin hatte behauptet, durch ihre Vorgesetzten jahrelang schikaniert worden zu sein. Ihrer Ansicht nach nahm das Mobbing in einer unrechtmäßigen Kündigung ihren Anfang. Als sie nach einem Kündigungsschutzprozess an ihren Arbeitsplatz zurückkehren wollte, habe man ihr fortdauernd Steine in den Weg gelegt: Man habe ihr Schulungen verweigert und sie mit einem Sonderauftrag an eine neun Kilometer entfernte Einsatzstelle "entsorgt".

Das Gericht wertete die von der Klägerin eingebrachten Fälle allerdings – wie schon die Richter in der ersten Instanz – nicht als systematisches Mobbing. Die Richter argumentierten, dass auch länger andauernde Konfliktsituationen zum Arbeitsleben gehören können. Im vorliegenden Fall seien weder schikanöse Tendenzen noch Persönlichkeitsverletzungen zu erkennen, die ein Schmerzensgeld rechtfertigten. Gleichzeitig brachte die Kammer in ihrer Urteilsbegründung zum Ausdruck, dass die Klägerin selbst keinen ausreichenden Beitrag geleistet habe, die verhärtete Auseinandersetzung zu entschärfen. So hatte sie ein Mediationsverfahren abgelehnt, weil sie von ihren Vorgesetzten verlangt hatte, das angebliche Mobbing zunächst zuzugeben.

Klägerin wollte ein Zeichen setzen

Mit der Höhe des geforderten Schmerzensgeldes hatte die Klägerin ein Zeichen setzen wollen. "Mir geht es darum, dass Mobbing auch mal aufhört hier in Deutschland", sagte sie im Gerichtssaal am Dienstag. Ihr Anwalt hatte die Höhe der Summe mit der jüngeren Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts begründet, wonach die bislang zugesprochenen Summen zu niedrig seien, um abschreckend zu wirken.

Nach der Urteilsverkündung zeigte sich die 52-Jährige Diplom-Ökonomin entsetzt. "Ich kann dieses Urteil nicht nachvollziehen. Mobbing-Opfer haben keine Lobby", sagte sie den anwesenden Medienvertretern. "Es ist ein bedrückendes Gefühl, morgen wieder zur Arbeit zu gehen." Sie ist weiterhin als Rechnungsprüferin für die Stadt Solingen tätig.

Arbeitsrechtlern zufolge könnte die Frau zudem auch auf den Prozesskosten in Höhe von schätzungsweise 53.000 Euro sitzen bleiben.