FührungskräfteTeure Gesundheitschecks für Manager

Edles Ambiente, schnelle Ergebnisse: Immer mehr Kliniken bieten Vorsorgeuntersuchungen speziell für Führungskräfte an. Es ist ein lukratives Gesundheitsgeschäft. von Anke Henrich

Vom Pool samt Sonnenterrasse im toskanischen Stil ist der Weg nicht weit zum À-la-carte-Restaurant Montgolfier. Den anschließenden Cocktail schüttelt und rührt das Bar-Team des Fünf-Sterne-Hotels St. Wolfgang im niederbayrischen Bad Griesbach in der Lounge. Beim Frühstück am nächsten Morgen lesen Servicedamen den Gästen jeden Wunsch von den Augen ab, so die lyrische Eigenwerbung des Hotels. In dem geht es aber nicht um schöne Ferien: Auf der Tagesordnung stehen der Check von Blutwerten, Ultraschall der inneren Organe, Gefäßuntersuchungen und die Suche nach orthopädischen Fehlstellungen zum Pauschalpreis von 659 Euro.

Wer das persönliche Controlling in mehreren statt nur einem Tag absolvieren will, zahlt inklusive drei Übernachtungen 962 Euro. Und wer möchte, kann sich Extras wie eine Magenspiegelung (laut Preisliste circa 324 Euro), eine urologische Vorsorge (circa 265 Euro) und mehr gönnen. Denn das St. Wolfgang ist eine Privatklinik mit angeschlossenem Hotel. Das Haus, das zu den privaten Asklepios Kliniken gehört, investiert viel Geld, um als Wohlfühltempel wahrgenommen zu werden. Hier sollen sogar Vorsorgeuntersuchungen Freude machen, und das alles in managergerechten Durchlaufzeiten.

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Deutschlands Kliniken brauchen Geld. Obwohl sie allein von den gesetzlichen Krankenversicherungen im Jahr rund 60 Milliarden Euro für ihren Einsatz am Patienten bekommen, gilt mindestens ein Viertel als unterfinanziert. Auf der Suche nach neuen Erlösquellen trifft es sich gut, dass viele Unternehmen entdecken, wie teuer sie kranke Mitarbeiter kommen. Alleine die Produktionsausfallkosten durch arbeitsbedingte psychische Erkrankungen in Deutschland schätzen die Betriebskrankenkassen auf 3,3 Milliarden Euro im Jahr.

Freiwillige Vorsorge, zugeschnitten auf die Bedürfnisse eiliger Führungskräfte, ist daher die Marktnische, die immer mehr Krankenhäuser besetzen wollen. Auf ein Volumen von 300 bis 500 Millionen Euro jährlich schätzt die Unternehmensberatung KPMG diesen Markt in Deutschland. Tendenz: Steigend, denn bis zu 1.000 Euro kann so ein Kliniktag kosten.

Das könnte ein für Unternehmen, Mitarbeiter und Kliniken dreifach nützliches Konzept sein, wenn es denn eine Qualitätskontrolle der medizinischen Leistungen und Diagnosen oder eine klare Kosten-Nutzen-Analyse der Angebote gäbe. Doch genau die fehlt – wie so oft im deutschen Gesundheitswesen. Daher sind auch auf diesem Markt schwarze Schafe am Start. Unter dem Deckmäntelchen medizinischer Notwendigkeit zocken sie die bereitwillig zahlenden Unternehmen ab.

Zahlen, wie viele Kliniken ein Stück vom Kuchen abhaben wollen, gibt es nicht. Fast alle privaten Ketten bieten Check-ups an, zudem viele Uni-Kliniken, kommunale Häuser und auch Promi-Anbieter wie die Klinik von Schönheitschirurg Werner Mang am Bodensee. Die neue Nase gibt es dann nebenan. Da Ärzte und Apparate vorhanden sind, braucht es für viele Anbieter nur noch ein bisschen Deko fürs hübschere Ambiente und fertig ist das Vorsorge-Zentrum. Clevere Anbieter machen es anders.

So bietet der private Helios-Kliniken-Konzern schon seit vier Jahren bundesweit Manager-Checks in seinen Kliniken oder mehrtägige Seminare über gesunden Lebensstil in "Gesundheitsresorts" an der Ostsee und im Allgäu an, exklusiver Service inklusive. Der reine medizinische Basis-Check-up für einen gesunden 35-Jährigen kostet rund 600 Euro in der Klinik. Birgit Hildebrandt, Medizinische Leiterin des Helios Prevention Centers, erklärt, wie Helios – und andere Konkurrenten – auf Akquise gehen: "Wir sprechen gezielt die Personaler und verantwortlichen Ärzte mittelständischer und großer Unternehmen an."

Zügig und effizient

Binnen eines Tages soll der Mitarbeiter durchgetestet werden, absolute Anonymität gewahrt bleiben, das Ambiente soll angenehm und die Qualität standardisiert sein. In der Regel wird das 2,3-Fache der Gebührenordnung für Ärzte abgerechnet, das entspricht den Kosten, die auch die private Krankenversicherung übernehmen würde. Privat Versicherte, die auf eigene Rechnung einchecken, bekommen das Geld in der Regel erstattet.

Doch bei der Qualität und ihrer Kontrolle hakt es bei manchen Anbietern aus Sicht von Edmund Beltz, Chef der in der Branche gut beleumundeten Beltz Medical Diagnostik Klinik in Ulm. "Wir erleben einen Zustrom der Enttäuschten. Eine gute Check-up-Klinik kann belegen, dass alle ihre Ärzte das gleiche Programm fahren und deren Diagnosen ständig von einem fachlichen Beirat überprüft werden. Das ist aber nicht die Regel." Ob sich Ungenauigkeiten oder Fehler häuften, falle aber nur durch eine externe Kontrolle auf, so der Präventivmediziner.

Das könnte ein Grund dafür sein, dass die Deutsche Lufthansa Untersuchungen vom eigenen medizinischen Dienst machen lässt, statt sie an eine Klinik auszulagern. Die Airline bietet ihren nicht fliegenden Managern sowie außertariflichen Angestellten alle zwei Jahre einen Check-up an. Der medizinische Dienst punkte mit der Kenntnis der jeweiligen Arbeitsplätze und ihrer Beanspruchung, sagt sein Leiter in Frankfurt, der Medizinprofessor Jürgen Graf.

Leserkommentare
  1. nicht in der Überschrift darauf hinweisen, daß hier eine Zwei-Klassen-Medizin sich immer weiter ausbreitet?

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    "...hier eine Zwei-Klassen-Medizin sich immer weiter ausbreitet"

    Vielleicht sollte man dazu sagen, dass teilweise die Holzklasse die gesündere ist.

    Computertomografien ohne Anfangsverdacht sind nicht nur Geldverschwendung, sondern schaden dem Patienten (durch die Strahlenbelastung) mehr, als sie ihm potentiel (durch frühe Erkennung eines heilbaren Tumors) nützen.

    Witzigerweise hat gerade eine Studie gezeigt, wie in Kuba in der Zeit nach dem Fall der SU Herzinfarkte & Diabetes seltener wurden, da man weniger essen konnte und sich mehr bewegen musste. Sicherlich kein erstrebenswertes Modell, aber doch interessant...

    http://www.guardian.co.uk...

  2. "...hier eine Zwei-Klassen-Medizin sich immer weiter ausbreitet"

    Vielleicht sollte man dazu sagen, dass teilweise die Holzklasse die gesündere ist.

    Computertomografien ohne Anfangsverdacht sind nicht nur Geldverschwendung, sondern schaden dem Patienten (durch die Strahlenbelastung) mehr, als sie ihm potentiel (durch frühe Erkennung eines heilbaren Tumors) nützen.

    Witzigerweise hat gerade eine Studie gezeigt, wie in Kuba in der Zeit nach dem Fall der SU Herzinfarkte & Diabetes seltener wurden, da man weniger essen konnte und sich mehr bewegen musste. Sicherlich kein erstrebenswertes Modell, aber doch interessant...

    http://www.guardian.co.uk...

    Antwort auf "Sollte man da"

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