Arbeitsrecht : Wäscheverkäuferinnen müssen BH-Größe nicht preisgeben

Ein schwedisches Wäscheunternehmen wollte die Körbchengröße seiner Verkäuferinnen auf ihr Namensschild schreiben. Eine klagte dagegen. Sie bekam Recht und Schadensersatz.

Wegen der vom Arbeitgeber erzwungenen Angabe ihrer Körbchengröße auf dem eigenen Namensschild hat eine Unterwäsche-Verkäuferin in Schweden erfolgreich auf Schadenersatz geklagt. Die Damenwäsche-Kette Change hatte die junge Frau zur Preisgabe der intimen Details genötigt, urteilte jetzt das Schiedsgericht. Der Arbeitgeber muss nun 50.000 Schwedische Kronen (rund 6.000 Euro) Schadensersatz an die ehemalige Mitarbeiterin zahlen. Durch die betriebliche Anweisung sei die Mitarbeiterin sexuell diskriminiert und in ihrer Würde verletzt worden, argumentierten die Richter.

Die Verkäuferin war von der Kette verpflichtet worden, auf ihrem Namensschild auch ihren Brustumfang und die eigene Körbchengröße zu vermerken. Ihre Proteste wurden von der Firmenleitung mit der Begründung abgeschmettert, den Kunden so besseren Beratungsservice bieten zu können. Die Anweisung des Arbeitgebers erstaunt angesichts der starken Gleichstellungsgesetze in Schweden.

Die Gewerkschaft der Beschäftigten im Einzelhandel hatte die junge Frau im Prozess vertreten. Sie begrüßte das Urteil gegenüber der schwedischen Nachrichtenagentur TT als "großen Sieg für die Würde der Angestellten". Neben der Entschädigung für die Klägerin muss Change auch die Prozesskosten tragen.

Immer wieder Wirbel um interne Vorschriften

Immer wieder sorgen Arbeitgeber mit überzogenen Forderungen insbesondere an ihre weiblichen Mitarbeiterinnen für Wirbel. So hatte jüngst die indische Fluggesellschaft Air India von ihren Stewardessen über 40 Jahren den Body-Mass-Index verlangt. Die norddeutsche Drogeriekette Budnikowsky war kürzlich wegen einer internen Bekleidungsvorschrift aus dem Jahr 2008 negativ in die Schlagzeilen geraten, welche die weiblichen Mitarbeiterinnen zur Beinrasur angehalten haben soll, berichtete das Hamburger Abendblatt.

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