ArbeitsrechtWann darf der Chef dem Azubi kündigen?

Der Auszubildende fehlt immer wieder wegen Krankheit. Wann und wie der Arbeitgeber den Lehrling kündigen darf, erklärt der Fachanwalt für Arbeitsrecht Ulf Weigelt. von 

Einer meiner Auszubildenden ist ständig krank. Von vier Wochen fehlt er in der Regel drei. Kann ich ihm kündigen?, fragt Manuela Schaffer.

Sehr geehrte Frau Schaffer,

wenn Ihr Auszubildender nicht mehr in der Probezeit ist, haben Sie schlechte Karten, ihm zu kündigen.

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"Da staunt der Chef"

Was ist erlaubt, was nicht? Der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt gibt Antworten auf Nutzerfragen. Jede Woche, immer mittwochs in der Arbeitsrechtskolumne "Da staunt der Chef".

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Die Antworten von Fachanwalt Ulf Weigelt stehen Ihnen auch übersichlich gesammelt als E-Books zur Verfügung. Nach dem Download können Sie jederzeit und überall auf Ihrem elektronischen Lesegerät zu arbeitsrechtlichen Fragen nachschlagen.

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Der Grund: Der Gesetzgeber stellt sehr hohe Hürden bei der Kündigung von Auszubildenden.

Ihnen bleibt eigentlich nur die Möglichkeit, ein Gespräch mit ihm zu führen, um herauszufinden, was los ist. Liegt das Problem am Arbeitsplatz, können sie gemeinsam überlegen, was verändert werden kann. Liegt die Ursache im Privatumfeld, fragen Sie, wie eine Hilfe Ihrerseits aussehen kann, um die hohen Fehlzeiten zu beseitigen.

Ulf Weigelt
Ulf Weigelt

Ulf Weigelt ist Anwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Auf ZEIT ONLINE beantwortet er jeden Mittwoch in der Serie "Da staunt der Chef" Leserfragen zum Arbeitsrecht. Die Serie ist auch als E-Book erschienen. Weigelt hat mit Sabine Hockling auch den Ratgeber Arbeitsrecht geschrieben.

Vielleicht ist auch der Wechsel des Auszubildendenplatzes eine Alternative für Ihren Schützling. Falls das der Fall ist, finden Sie bei Ihrer Innung oder Kammer Unterstützung.

Schlägt er Ihre Hilfe aus oder ist Ihre Unterstützung am Ende keine Hilfe, müssen Sie Ihrem Azubi unmissverständlich klarmachen, dass es so nicht weitergehen kann. Denn es geht ja nicht nur darum, dass er ständig fehlt und so im Betrieb keine Unterstützung ist und die Ausbildung an sich leidet. Ihm fehlen am Ende auch die Erfahrungen, um die Ausbildung abschließen zu können.

Verfügen Sie in Ihrem Betrieb über einen Ausbilder, sollten Sie zunächst ihm das Gespräch überlassen. Denn neben Fachkenntnissen verfügen Ausbilder in der Regel über das nötige pädagogische Know-how.

Ihr Ulf Weigelt

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Leserkommentare
  1. Wie ist es wenn der Azubi schon volljährig ist? Macht das einen Unterschied?
    Haben Abmahnungen nicht das gleiche Gewicht wie bei normalen Arbeitnehmern?
    Ich kenne einen Fall wo einem Azubi nach öfteren Berufsschule schwänzen eine Abmahnung erteilt wurde. Die Situation besserte sich erst, dann ging es wieder los. Der Betrieb zitierte ihn ins Büro wo auch der Betriebsrat zugegen war und legte ihm eine Aufhebungserklärung vor die er unterschrieb. Der Betriebsrat meinte das es keine andere Möglichkeit mehr gebe.
    So vor vermeintlich vollendete Tatsachen gestellt unterschrieb der Azubi und war raus.

    Mir kam das ziemlich komisch vor. Ist das so erlaubt?

  2. Wenn der Azubi tatsächlich drei von vier Wochen fehlt, jedoch ein ärztliches Attest nachweisen kann, so kann der Arbeitgeber ihm nicht kündigen. Handelt es sich jedoch dabei um das "Blaumachen", also das unentschuldigte Fehlen in der Schule, so sieht die Sache meines Wissens nach ein wenig anders aus.

    Im Ausbildungsvertrag sind für den Azubi gewisse Pflichten festgelegt, denen er nachzukommen hat. Neben dem Führen eines Berichtsheftes gehört dazu auch die Teilnahme am Berufsschulunterricht. Verweigert er diese Pflichten, so könnte es schon anders aussehen. Ob dies jedoch tatsächlich für eine Kündigung reicht, übersteigt mein Wissen, mit Sicherheit kann ich jedoch sagen, dass der Azubi so seine Ausbildung nicht wird abschliessen können, unabhängig vom Stand seines Wissens.

    • Gwerke
    • 18. April 2013 11:00 Uhr

    Eine krankheitsbedingte Kündigung ist immer an sehr hohe Hürden geknüpft. Nach schnellem Durchlesen fand ich sie grad dort ganz gut erläutert:
    http://www.kündigungsschutz.com/kundigung/personenbedingte-kundigung/krankheitsbedingte-kundigung/

    Sollten bei einem Azubi keine noch schärferen gesetzlichen Regelungen gelten als das hier zugrunde liegende Kündigungungsschutzgesetz, reichen auch diese Hürden aus der Rechtsprechung locker aus, um die Zeit der Ausbildung bis zu einer rechtskräftigen Kündigung aussitzen zu können.

  3. Wird das überhaupt nicht in Betracht gezogen?

    Wenn der AG an der realen Krankheit zweifelt, kann er den Azubi doch wie alle anderen AN zum Medizinischen Dienst der Krankenkassen schicken.

    Ist der Azubi wirklich krank, hat er wahrscheinlich ein chronisches Leiden. Dann sollte man aber evtl. mal sozialmedizinisch abklären lassen, ob die Ausbildung überhaupt Sinn macht oder ob langfristig ohnehin eine Erwerbsunfähigkeit abzusehen ist. Oder welche beruflichen Perspektiven zu erwarten sind. Wenn der Azubi tatsächlich von vier Wochen drei fehlt, ist doch die Arbeitsfähigkeit an sich anzuzweifeln. Zudem verpasst er auch viel zu viel Stoff in der Berufsschule.

    Aber so sind deutsche AG: nichts hinterfragen, bei Nichtgefallen einfach rausschmeißen.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • ffes
    • 18. April 2013 13:32 Uhr

    Die Lebenerfahrung....ach lassen wir das oder wie sagt man In Hessen: es macht keinen Sinn den .... ins Horn zu petzen

    @hafensonne

    Wir haben im Konkreten Fall kaum Informationen.
    Wir haben keine Informationen darüber, was der AG schon alles versucht hat.

    Nur das der Azubi 3 von 4 Wochen Krank ist.
    Warum wissen wir nicht.

    Aus meiner Sicht gibt es hier im Prinzip zwei Möglichkeiten:
    a) Azubi hat wirklich ein schwerwiegendes Gesundheitsproblem
    b) Azubi ist eine extrem asoziale Person die gerne auf Kosten seiner Kollegen Freizeit genießt.
    Ich finde Ihr pauschales Arbeitgeberbashing ehrlich gesagt ziemlich daneben.
    Warum unterstellen Sie jetzt, dass der AG sich nicht ernsthaft über den Gesundheitszustand seines Azubis informiert hat?

    • ffes
    • 18. April 2013 13:32 Uhr

    Die Lebenerfahrung....ach lassen wir das oder wie sagt man In Hessen: es macht keinen Sinn den .... ins Horn zu petzen

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    in denen du auch nicht hinterfragst sondern einfach rausgeschmissen hast?

    • Gwerke
    • 18. April 2013 17:16 Uhr

    ist sicher die passendere gesetzliche Grundlage zur Kündigung eines Azubis. Sie kann demnach (§22) nur aus wichtigem Grund und fristlos erfolgen. Das entspricht etwa der Hürde einer fristlosen Kündigung im normalen Arbeitsverhältnis. Nach Wikipedia (oft aber immer verzweifelt zitiert):
    http://de.wikipedia.org/w...
    sind Beispiele für das Vorliegen eines wichtigen Grundes sind Einstellungsbetrug, eine erschlichene Arbeitsunfähigkeitsmeldung, beharrliche Arbeitsverweigerung, beharrlicher Arbeitsvertragsbruch, grobe Verletzung der Treuepflicht, Verstöße gegen Wettbewerbsverbote, notorische Unpünktlichkeit oder auch der eigenmächtige Urlaubsantritt.

  4. @hafensonne

    Wir haben im Konkreten Fall kaum Informationen.
    Wir haben keine Informationen darüber, was der AG schon alles versucht hat.

    Nur das der Azubi 3 von 4 Wochen Krank ist.
    Warum wissen wir nicht.

    Aus meiner Sicht gibt es hier im Prinzip zwei Möglichkeiten:
    a) Azubi hat wirklich ein schwerwiegendes Gesundheitsproblem
    b) Azubi ist eine extrem asoziale Person die gerne auf Kosten seiner Kollegen Freizeit genießt.
    Ich finde Ihr pauschales Arbeitgeberbashing ehrlich gesagt ziemlich daneben.
    Warum unterstellen Sie jetzt, dass der AG sich nicht ernsthaft über den Gesundheitszustand seines Azubis informiert hat?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ganz einfach aus Informationsmangel. Die AG behauptet lediglich, ihr Azubi sei in beschriebenem Ausmaß krankgeschrieben.

    Angenommen, diese Aussage stimmt (nicht mal das wissen wir).

    Ist der Azubi immer wegen derselben Diagnose krankgeschrieben? Dann bekäme er schon lange keine Lohnfortzahlung mehr.

    Sind es immer andere Diagnosen? Um jemanden drei Wochen AU zu schreiben, muss er schon ernsthaft erkrankt sein. Und das jeden Monat mit einer anderen Erkrankung? Ab zum MDK, würde ich da als AG sagen.

    Die Anfrage, so wie sie hier dargestellt ist, klingt für mich so: Mein Azubi ist so oft krank, wie kann ich ihn rausschmeißen?

    Im Gegenzug könnte ich Sie fragen, warum Sie pauschal die AG inSchutz nehmen, ohne entsprechende Informationen zu haben.

    Nebenbei verwahre ich mich gegen die Routineunterstellung des Bashings. Ich habe auf keinerlei AG eingeprügelt.

  5. Ganz einfach aus Informationsmangel. Die AG behauptet lediglich, ihr Azubi sei in beschriebenem Ausmaß krankgeschrieben.

    Angenommen, diese Aussage stimmt (nicht mal das wissen wir).

    Ist der Azubi immer wegen derselben Diagnose krankgeschrieben? Dann bekäme er schon lange keine Lohnfortzahlung mehr.

    Sind es immer andere Diagnosen? Um jemanden drei Wochen AU zu schreiben, muss er schon ernsthaft erkrankt sein. Und das jeden Monat mit einer anderen Erkrankung? Ab zum MDK, würde ich da als AG sagen.

    Die Anfrage, so wie sie hier dargestellt ist, klingt für mich so: Mein Azubi ist so oft krank, wie kann ich ihn rausschmeißen?

    Im Gegenzug könnte ich Sie fragen, warum Sie pauschal die AG inSchutz nehmen, ohne entsprechende Informationen zu haben.

    Nebenbei verwahre ich mich gegen die Routineunterstellung des Bashings. Ich habe auf keinerlei AG eingeprügelt.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Nichtgefallen"

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  • Serie Fragen zum Arbeitsrecht
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Ulf Weigelt | Ausbildung | Gespräch
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