ArbeitsrechtWie darf der Chef die Pausen regeln?

Der Arbeitgeber möchte die Pausenzeiten vorschreiben. Geht das einfach so und was muss er dabei beachten? Rechtsanwalt Ulf Weigelt gibt Antwort. von 

Darf ich die Pausenzeiten in meinem Betrieb anordnen? Und falls ja, wie muss ich dabei vorgehen?, fragt Frank Gerkens.

Sehr geehrter Herr Gerkens,

selbstverständlich können Sie als Arbeitgeber aufgrund des Direktionsrecht festlegen, wann Ihre Mitarbeiter in ihre Pausen gehen – solange Sie die Vorschriften des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG) einhalten und kein Tarifvertrag eine Pausenregelung vorschreibt oder mit einem Betriebsrat hierzu eine Betriebsvereinbarung getroffen wurde.

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"Da staunt der Chef"

Was ist erlaubt, was nicht? Der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt gibt Antworten auf Nutzerfragen. Jede Woche, immer mittwochs in der Arbeitsrechtskolumne "Da staunt der Chef".

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Wichtig: Regeln Sie Ihre Arbeitspausen unbedingt schriftlich in Ihrem Arbeitsvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung – unter Berücksichtigung der gesetzlichen Bestimmungen des ArbZG!:

  • Bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs und bis zu neun Stunden stehen Mitarbeitern mindestens 30 Minuten Pause zu. Bei einer Arbeitszeit von unter sechs Stunden sieht der Gesetzgeber nicht die Notwendigkeit, Pausen einzulegen.
  • Bei einer Arbeitszeit von mehr als neun Stunden insgesamt stehen Ihren Mitarbeitern 45 Minuten Pause zu.

Diese gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitspausen müssen aber nicht am Stück gewährt, sondern können in Zeitabschnitte von jeweils mindestens 15 Minuten aufgeteilt werden. Ebenfalls zu beachten ist, dass Arbeitnehmer, die mehr als sechs Stunden am Stück tätig sind, eine Ruhepause einlegen müssen und Sie auf die Einhaltung achten sollten. Ignorieren Sie das, riskieren Sie ein Bußgeld von bis zu 15.000 Euro. Und noch ein Hinweis, diese Angaben des ArbZG sind Mindestanforderungen, die von Ihnen einzuhalten sind.

Ulf Weigelt
Ulf Weigelt

Ulf Weigelt ist Anwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Auf ZEIT ONLINE beantwortet er jeden Mittwoch in der Serie "Da staunt der Chef" Leserfragen zum Arbeitsrecht. Die Serie ist auch als E-Book erschienen. Weigelt hat mit Sabine Hockling auch den Ratgeber Arbeitsrecht geschrieben.

Müssen Ihre Abteilungen grundsätzlich besetzt sein, ist es ratsam, auch festzulegen, welcher Mitarbeiter wann in die Arbeitspause geht. Schwebt Ihnen keine bestimmte Steuerungsmöglichkeit vor, sollten Sie das Ihre Mitarbeiter selbst bestimmen lassen. Machen Sie Ihren Mitarbeitern aber auch klar, dass diese Regelung nur gilt, wenn sie auch funktioniert. Kommt es nach anfänglichen Schwierigkeiten zu keinem reibungslosen Ablauf, sollten Sie per Pausenplan festlegen, wer wann in die Pause geht.

Vermeiden sollten Sie unbedingt, dass Mitarbeiter ihre Pause komplett am Anfang oder Ende ihrer Arbeitszeit nehmen. Das ArbZG weist nämlich darauf hin, dass Arbeitspausen nicht dazu dienen, die Arbeit zu verkürzen, sondern der Erholung dienen.

Und gibt es in Ihrem Betrieb einen Betriebsrat, müssen Sie diesen in Ihre Entscheidung einbeziehen, da er ein Mitbestimmungsrecht über die Lage und Dauer der Pausen hat.

Ihr Ulf Weigelt

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Leserkommentare
  1. "von jeweils höchstens 15 Minuten"

    Die Stückelung muss Teilpausen von mindestens 15 Minuten ergeben.

    • Arimus
    • 26. April 2013 16:44 Uhr

    Die Ruhepausen können in Zeitabschnitte von jeweils mindestens 15 Minuten aufgeteilt werden, so stehts in § 4 ArbZG.

  2. Im Gegensatz zu den Wehrle-Kolumnen, die ja kaum von irgendeiner Sachkunde geprägt waren, finde ich die Weigelt-Artikel ausgesprochen gut. Die Probleme bzw. deren Lösungen werden immer gut auf den Punkt gebracht. Manchen Punkt würde ich mir vielleicht etwas ausführlicher wünschen.

    Und weil dich die so gut finde, finde ich es aber schade, das der Lapsus mit den "höchstens 15 Minuten" trotz zweier Hinweise noch nicht repariert wurde.

    P.S.: Der Wehrle ist offensichtlich hier verschwunden. Kann es sein, dass mein Flehen erhört wurde? Dafür taucht er jetzt gelegentlich (und nicht besser) bei Spiegel-Online auf.

    Eine Leserempfehlung
  3. Redaktion

    Herr Weigelt bittet vielmals um Entschuldigung bei seinem kleinen Lapsus. Wir haben die Stelle nun korrigiert und danken für die Anmerkung.

    mit freundlichen Grüßen,

    Tina Groll und Ulf Weigelt

  4. 5. Danke

    Guter Artikel

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  • Serie Fragen zum Arbeitsrecht
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Ulf Weigelt | Arbeit | Arbeitgeber | Arbeitnehmer | Euro
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