Betriebliche Wiedereingliederung : Wie Chefs ein Rückkehr-Gespräch führen

Der Mitarbeiter war lange krank, jetzt steht der Wiedereinstieg an. Was Arbeitgeber im Gespräch mit dem Kranken beachten müssen, erklärt der Arbeitsrechtler Ulf Weigelt.

Ich möchte mit einem Mitarbeiter ein Krankenrückkehrgespräch führen. Wie gehe ich vor?, fragt Carsten Philips.

Sehr geehrter Herr Philips,

Krankenrückkehrgespräche dienen der Planung der betrieblichen Wiedereingliederung. Das hilft Ihnen und Ihrem Mitarbeiter die Rahmenbedingungen für den Wiedereinstieg zu entwickeln. Wie Sie ein Krankenrückkehrgespräch in Ihrem Betrieb gestalten, steht Ihnen als Arbeitgeber frei. Sie können Ihre Mitarbeiter einen Fragebogen ausfüllen lassen, ein Gespräch mit ihnen führen oder sogar beides machen.

Sinnvoll sind diese Maßnahmen aber nur, wenn ein Mitarbeiter lange krank war. Denn das Ziel eines Krankenrückkehrgesprächs ist zum einen die Ursache für die Krankheit festzustellen, zum anderen, sie durch arbeitsplatzbezogene Maßnahmen zu beseitigen. Letzteres ist vor allem wichtig, wenn die Ursache für die lange Fehlzeit im Betrieb lag – also beispielsweise ein Arbeitsunfall geschehen ist, es zu Mobbing oder einer Erschöpfungsdepression wegen zu vielen Überstunden und Druck gekommen ist. Dann müssen Sie darauf achten, die Arbeitsbedingungen so zu verändern, dass sie gesund sind und keine Gefahren bestehen.

Als Arbeitgeber müssen Sie aber beachten, dass Ihr Mitarbeiter nicht auf die Frage nach der Ursache der Erkrankung zu antworten braucht. Solche Fragen verletzen sein Persönlichkeitsrecht. Existiert in Ihrem Betrieb ein Betriebsrat, wird und muss er darauf achten, dass gerade dieses Recht nicht verletzt wird. Seien Sie also nicht überrascht, falls Sie keine ehrliche Antwort erhalten.

Ulf Weigelt

Ulf Weigelt ist Anwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Auf ZEIT ONLINE beantwortet er jeden Mittwoch in der Serie "Da staunt der Chef" Leserfragen zum Arbeitsrecht. Die Serie ist auch als E-Book erschienen. Weigelt hat mit Sabine Hockling auch den Ratgeber Arbeitsrecht geschrieben.

Nur wenn ein betriebliches Interesse besteht (beispielsweise weil durch den erkrankten Mitarbeiter eine Ansteckungsgefahr droht), hat Ihr Arbeitnehmer die Fragen wahrheitsgemäß zu beantworten. Das ist in der Regel nur selten der Fall.

Ich rate Ihnen, schon im Vorfeld eng mit Ihrem Betriebsrat zusammenzuarbeiten. Das ist umso wichtiger, wenn Sie Krankenrückkehrgespräche in Ihrem Unternehmen standardisieren möchten. Sie sind als Arbeitgeber nach dem Betriebsverfassungsgesetz verpflichtet, die Arbeitnehmervertretung aufgrund ihres Mitbestimmungsrechts zu informieren und in das Vorgehen miteinzubeziehen. Das Gremium kann mitentscheiden, wie die Gespräche abzulaufen haben und wie Fragebögen gestaltet sein sollen. Auch kann der erkrankte Mitarbeiter darauf bestehen, ein Mitglied vom Betriebsrat zum Gespräch hinzuziehen.

Ihr Ulf Weigelt

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