Als Sheryl Sandberg vom US-Magazin Forbes zur fünftmächtigsten Frau der Welt gleich nach Angela Merkel und Hillary Clinton gewählt wurde, fühlte sie sich bloßgestellt. Wie eine Hochstaplerin sei sie sich vorgekommen, schreibt die Facebook-Managerin in ihrem Buch Lean in – Frauen und der Wille zum Erfolg.

Unter dem Hashtag #leanin sind Kommentare zum Buch auf Twitter zu finden. Am kommenden Donnerstag wird Sandberg bei der ZEIT-Konferenz Frauen in Führungspositionen in Hamburg zu Gast sein. Wir werden der Managerin ausgewählte Leserfragen in einem Videointerview stellen. Unter #leanin und auf Facebook können Sie Fragen vorschlagen.

Zum Beispiel, was es mit dem Hochstapler-Syndrom auf sich hat. So nennen Forscher das Phänomen, wenn Frauen, so wie Sandberg selbst, zu sehr an sich zweifeln und ihre Erfolge eher auf externe Faktoren zurückführen. Sie haben halt Glück gehabt, sagen viele dann, im Gegensatz zu den meisten Männern. Auch Sandberg dachte das lange von sich selbst und stellte ihre Leistung damit in Abrede. Schuld daran, schreibt die Feministin, seien nach wie vor die Geschlechterstereotypen, die uns alle prägen. Frauen lernen von klein auf, dass sie still, bescheiden und zurückhaltend sein sollen; dass es sich nicht gehört, sich laut in den Vordergrund zu spielen. Und tatsächlich wird es ihnen negativ ausgelegt, wenn sie es machen, wie zuletzt eine Studie der Havard Business School zeigte. Die Krux ist nur: Dominante Verhaltensweisen entscheiden über Karrieren.

So ist es nur logisch, dass Sandberg sagt: Frauen verhindern ihren Aufstieg in Top-Positionen auch selbst. Sie denken schon beim Berufseinstieg an mögliche spätere Auszeiten wegen Schwangerschaft und Kindererziehung. Sie lehnen deswegen Beförderungen ab oder bewerben sich nicht offensiv auf Führungspositionen, und das, obwohl sie noch nicht einmal schwanger sind. Viele Frauen gehen einfach davon aus, dass eine Führungsposition mit einer späteren Familie nicht zu vereinbaren ist. Sie hören kaum etwas anderes.

Vorbilder gibt es nur wenige. Frauen könnten einfach nicht alles haben, schrieb die Princeton-Professorin Anne-Marie Slaughter, die ihrer Kinder wegen aus dem Planungsstab von US-Außenministerin Hillary Clinton zurücktrat. Sandberg hält dagegen: Es geht, sagt sie. Aber es ist ein Kompromiss, der mit jeder Menge Arbeit in der eigenen Familie verbunden ist. Frauen und Männer könnten beides haben, wenn sie sich die Familienarbeit gleichberechtigt aufteilten, meint Sandberg. Deswegen bezeichnet sie die Partnerwahl auch als eine der wichtigsten Karriereentscheidungen einer Frau. Der Partner müsse mitziehen, und die Frauen müssten die Männer auch machen lassen.

Noch immer gibt es aber viele Mütter, die die wenigen Väter in Elternzeit kritisch beäugen. Noch immer kritisieren manche Frauen ihre eigenen Männer, wie sie die Hausarbeit erledigen. Maternal Gatekeeping nennen Forscher dieses Phänomen. Dieses mütterliche Türstehen ist für Sandberg letztlich eine Verweigerung der Frauen an der gleichberechtigten Teilhabe der Männer an Familien- und Hausarbeit.

Stellen Sie Ihre Fragen an die Managerin

Die Frauen sollten sich reinhängen, sagt Sandberg: Übernehmt Verantwortung! Auch für euer eigenes Handeln! Ihre Thesen polarisieren. Wie kann es eine privilegierte Managerin wagen, anderen Frauen vorzuschreiben, wie sie ihr Leben zu führen haben?, fragen Kritiker. Doch Sandberg will mit ihrem Buch und der Organisation Lean In ihren Geschlechtsgenossinnen Mut machen, die vorherrschenden Frauenbilder zu verändern. Sie will eine neue Frauenbewegung schaffen, ihre Lösung ist der Lebensentwurf aus Karriere und gleichberechtigter Partnerschaft.

Um das zu erreichen, sind ihrer Meinung nach viele bittere Kämpfe nötig, Gehaltsverhandlungen zum Beispiel. Warum gibt es weltweit einen Gender Pay Gap? Das liege am sogenannten Geschlechterrabatt, sagt Sandberg. Die Erklärung: Weil von Männern erwartet wird, dass sie sich dominant für sich selbst einsetzen, sind Chefs auch eher bereit, sie gut zu bezahlen. Von Frauen dagegen wird Interesse am Gemeinwohl erwartet. Eine Frau, die eigene Interessen vertritt, gilt als unsympathisch. Und weil die meisten Frauen ihre eigenen Leistungen eher unterschätzen (während Männer sich regelmäßig überschätzen), fordern sie schon am Anfang zu wenig. Häufig werden sie dann noch im Preis gedrückt, fertig ist die Lohnlücke.

Was Sandberg Frauen rät, um ein besseres Gehalt zu verhandeln und an die Spitze zu kommen, wird sie am kommenden Donnerstag bei der ZEIT-Konferenz in Hamburg erläutern. Schreiben Sie Ihre Frage an Sheryl Sandberg in den Kommentarbereich unter diesem Artikel, auf Facebook oder auf Twitter. Und geben Sie bitte dabei Name, Geschlecht und Wohnort an. Wir freuen uns auf viele Einsendungen.