Harald Schmidt, Stefan Raab, Kaya Yanar – sie alle brauchen Mitarbeiter wie Christian Eisert. Er arbeitet als Gagschreiber für Comedy-Sendungen. Seit 2004 arbeitet er in dem Job, war für verschiedene Fernsehsendungen tätig und hat unter anderem für Harald Schmidt, Ingo Appelt, Kaya Yanar und Oliver Pocher gearbeitet. 

Wesentlich für einen guten Late-Night-Gag ist ein aktuelles, oft politisches Thema, das zu einer kurzen prägnanten Pointe zugespitzt wird. Oneliner heißen solche Witze in der Branche.

Neben Politik eignen sich auch Themen aus Gesellschaft, Boulevard und Wirtschaft. "Was gerade in den Medien ein Thema ist, ist auch für uns ein Thema", sagt Eisert. Ganz frei ist er in der Wahl aber nicht: Die Redaktionen der Unterhaltungssendungen, die zumeist zu Produktionsfirmen gehören, geben ihm eine Auswahl vor. Dann hat er nicht viel Zeit bis zur  Deadline. Bei tagesaktuellen Sendungen, wie etwa der von Harald Schmidt, muss er seine Gags innerhalb von etwa 3 Stunden abliefern. Dass Schmidt alle Gags schließlich vorträgt, ist aber unwahrscheinlich. Denn der Gag muss der Redaktion und dem Moderator gefallen.

Je mehr und je lustiger, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass der Witz es in die Show schafft. Denn für die Formate arbeiten mehrere Schreiber, die alle die gleichen Themen bekommen. Mehrere Hundert Gags entstehen so im Vorfeld einer Sendung. Abhängig vom Sendeformat werden gerade einmal acht bis zwölf Witze ausgewählt. 

Außer für Fernsehsendungen arbeiten Gagschreiber auch fürs Radio und Onlinemedien.

Muss er da ständig auf dem Laufenden sein? "Schon, aber für einen guten Witz muss man nicht bis ins kleinste Detail über eine Nachricht informiert sein. Man braucht aber einen guten Überblick", sagt Eisert. Vor allem muss der Witz zünden. Auch soll er ein breites Publikum ansprechen. "Es ist nicht einfach, einen guten Gag zu schreiben, den auch viele Menschen verstehen."

Geld gibt es nur, wenn der Witz genommen wurde

Und nicht nur das: Bezahlt werden die Witzeschreiber nur, wenn ihre Gags ausgewählt werden. Zwischen 80 und 120 Euro pro Gag, der es in eine Sendung schafft, gibt es in der Regel. Andere Sendungen zahlen wenigstens ein Grundhonorar und einen Bonus für jeden genommenen Witz.

Lustig sind die Arbeitsbedingungen also nicht unbedingt – Druck gehört dazu. Die Fristen bis zur Abgabe sind oft sehr kurz und dauern nur wenige Stunden, zugleich ist die Konkurrenz groß. Ob ein Gag genommen wird, erfährt der Schreiber erst, wenn die Sendung ausgestrahlt wird. Durststrecken kommen schon mal vor. "In den Anfangsjahren kam es einmal vor, dass ich zwei Monate lang keinen Gag verkauft habe", sagt Eisert. Dann plagt die finanzielle Ungewissheit. Außerdem gibt es immer beschäftigungslose Zeiten – Sommer- und Winterpausen etwa, in denen die entsprechenden TV-Formate nicht ausgestrahlt werden.

Am wichtigsten für den Job ist aber Kreativität. Neben guter Allgemeinbildung und einer Affinität zu Medien und Nachrichten sollten Witzeschreiber die Fähigkeit zu assoziativem Denken besitzen. Der Rest sei Training. "Gute Gags zu schreiben ist erlernbar", sagt Eisert. Technische Kniffe, ein wenig Handwerk – Eisert hat sich als Comedy-Coach ein zweites Standbein aufgebaut und gibt Seminare für Gagschreiber.