GerberTote Haut wird Handtasche

Schuhe, Taschen, Autositze: Gerber machen mit viel Chemieeinsatz aus Tierhäuten hochwertiges Leder. Nachwuchs wird dringend gesucht, zeigt der Beruf der Woche. von 

Jede Woche ein neuer Beruf auf ZEIT ONLINE

Jede Woche ein neuer Beruf auf ZEIT ONLINE  |  © Tim Boyle/Getty Images

Weich, anschmiegsam, aber auch robust und strapazierfähig soll es sein. "Leder ist ein faszinierendes und vielseitig verwendbares Naturprodukt. Denken Sie nur mal an die Vielfältigkeit von Lederschuhen", sagt Thomas Schröer vom Verband der Deutschen Lederindustrie e.V. Wanderschuhe brauchen widerstandsfähiges Leder, Glattlederschuhe dagegen besonders makelloses. Taschen, Kleidung, Möbel, Autositze, Reitsportutensilien – "Leder muss gut aussehen, atmungsaktiv, wasserabweisend und extrem belastbar sein", sagt Schröer. Alles das aus den Häuten von Tieren rauszuholen, ist ein Job für Gerber.

Am Anfang eines jeden Verarbeitungsprozesses steht die Begutachtung des Materials. Die Tierhäute müssen gut gekühlt gelagert werden. Je nach Verwendungszweck wird aussortiert. "Für Möbel braucht man ganze Häute, für Schuhe einen kleinen fehlerfreien Teil." Fehler können etwa Schnitte, Risse oder Löcher sein, die natürlichen Ursprungs oder während der Schlachtung entstanden sind. Gerber müssen daher schon vor der Verarbeitung des Rohmaterials wissen, was aus dem Leder hergestellt werden soll.

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Das Gerben ist ein aufwendiger Prozess. Der erste Arbeitsschritt ist das Weichen. Hier werden Schmutz und Konservierungssalze entfernt, zudem erhält das Rohmaterial den ursprünglichen Wasseranteil zurück. Das Leder wird grob zugeschnitten, nicht verwendbare Teile werden entfernt. Durch die Zugabe von Kalk und Schwefelverbindungen werden anschließend Haare sowie die Oberhaut entfernt. Äschern nennt sich diese Prozedur.

Beruf der Woche

© Tim Boyle/Getty Images

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Dann entfernen die Gerber mit scharfen Messerwalzen verbliebene Gewebereste. Dieser Vorgang wird "Entfleischen" genannt. Danach wird beim sogenannten Spalten das Leder auf eine gleichmäßige Dicke gebracht wird. Schließlich werden Säure und Salze hinzugegeben. Dieser Arbeitsprozess nennt sich Beizen und ist die Vorbereitung für den eigentlichen Gerbprozess. Nun werden Aluminium-, Eisensalze oder Tannin hineingegeben. Sie verwandeln das Rohmaterial in Leder. Dann wird es abermals entwässert und sortiert.

Aufwendiger und technischer Prozess

Fertig ist das Leder danach noch nicht. Erst ist das Falzen an der Reihe, bei dem das Material erneut auf eine gleichmäßige Dicke gebracht. Die Geber entfernen auch Unebenheiten auf der Rückseite. Falls noch Säure im Material enthalten ist, wird sie neutralisiert, anschließend wird das Leder eingefärbt. Fette machen das Produkt flexibel und weich. 

Um Leder zu trocknen, wenden Gerber zwei Methoden an: Mit einem Vakuumverfahren wird die Feuchtigkeit herausgesaugt, beim Hängetrocknen kommt das Leder in einen speziellen Ofen. Abschließend wird das Leder durch mechanisches Kneten erneut weich und geschmeidig. Beim Zurichten erhält das Leder sein endgültiges Aussehen. Je nach Zweck und Kundenwunsch bekommt das Material eine matte oder glänzende Oberfläche.

Leserkommentare
  1. Na warum denn dann mal nicht einen Girls-Day in einer Gerberei durchführen?

    6 Leserempfehlungen
  2. "Nun werden Aluminium-, Eisensalze oder Tannin hineingegeben."
    Die Chromgerbung ist wohl die häufigste, sollte daher in dieser Aufzählung nicht fehlen.

    2 Leserempfehlungen
  3. Latex könnte ich ja noch irgendwie nachvollziehen, aber die abgestorbene Haut eines Tieres... nein danke, so morbide sind meine Phantasien dann doch nicht...
    Und auch sonst sieht er keine Nachteile? Wie gut, dass Rohhaut auf Bäumen wächst.

    Was ich viel beschämender finde ist allerding, dass es bis zum heutigen Tage kaum ein Kunstleder gibt, dass die zugegeben positiven Eigenschaften von echtem Leder allesamt innehält...

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    • 4p9xD
    • 03. April 2013 19:33 Uhr

    So lange die Kunstleder-Industrie gut läuft bin ich glücklich, denn allem voran in Autos ist Echtleder überflüssig geworden.
    Zumindest überflüssig wenn man mehr wert auf die Herkunft als auf die Eigenschaften, die zwischen den beiden Möglichkeiten nicht stark variieren, legt.

    Die Gerber suchen Nachwuchs? Viel Spaß beim suchen.

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  • Schlagworte Aluminium | Handwerk | Möbel
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