Immobilienmakler : Die wollen doch nur abkassieren

Makler haben einen miesen Ruf. Für einmal Tür aufschließen, dürfen sie ordentlich Provision einstreichen. Was machen die eigentlich? Das zeigt der Beruf der Woche.

Immobilienmakler tun wenig, streichen aber satte Provisionen ein. Stimmt das? Stephan Schlocker ist Makler. Und er ist Lobbyist für den Immobilienverband Deutschland. Auf die Frage, ob Makler ein Job für Faulenzer sei, die abkassieren wollen, antwortet er: "Viele Menschen sehen nicht, wie viel Arbeit im Hintergrund Makler zunächst einmal unentgeltlich verrichten. Die eigentliche Beratung macht nur einen kleinen Teil der Arbeit aus."

Bevor es ans eigentliche Vermakeln geht, werden Immobilien, die verkauft werden sollen, zunächst begutachtet und eingeschätzt. Erst wenn der Wert ermittelt ist, werden Anzeigen erstellt und geschaltet. Arbeitet der Makler im Auftrag von Kunden, die ein Objekt suchen, steht am Anfang die Recherche nach einer entsprechenden Immobilie. In der Regel sucht der Makler nach mehreren Objekten für die Kunden. Je nach regionaler Marktlage und Suchkriterien kann das eine Weile dauern. Und dann ist da noch das Vermakeln für Mietwohnungen, für die ein Nachmieter gefunden werden muss. Auch für diese werden Anzeigen gestaltet, Termine mit Kunden vereinbart und entsprechend Termine mit den Mietern und Eigentümern abgesprochen, ehe Besichtigungen stattfinden. "Letztlich stellt jede Besichtigung eine zunächst unentgeltliche und unverbindliche Beratung dar. Und das häufig am Abend oder Wochenende", sagt Schlocker. Je nach Zustand, Lage, Attraktivität und Angebotslage sind eine Reihe von Besichtigungsterminen nötig, bis die Wohnung erneut vermietet ist.

Geld erst bei rechtskräftigem Vertrag

Geld bekommen Makler erst, wenn die Vermittlung erfolgreich war und ein rechtskräftiger Vertrag zustande gekommen ist. Gedeckt wird diese Bezahlpraxis durch den Paragraf 652 des Bürgerlichen Gesetzbuches. Die Provision deckt alle anfallenden Kosten und Arbeiten des Vermittlers ab und variiert mit der Immobilienart. Werden Wohnungen oder Häuser vermittelt, fällt eine nach dem Wohnraumvermittlungsgesetz vorgeschriebene Provision an, die nicht mehr als höchstens zwei Monatsmieten betragen darf (ohne Nebenkostenvorauszahlung, aber einschließlich der Mehrwertsteuer). Für Gewerbeimmobilien gibt es eine solche Deckelung nicht. Hier handeln die Parteien die Höhe der Courtage frei aus. Seit Neuestem gibt es auch Festpreismakler. Sie erhalten eine vorher fest vereinbarte Vergütung, die nur vom Verkäufer oder Vermieter getragen wird. Ein Modell, das viele Wohnungssuchende sympathisch finden.

In der Regel haben sich Makler entweder auf Wohn- oder Gewerbeimmobilien spezialisiert. Nur wenige bieten beides an. Je nach Schwerpunkt sollten die Vermittler über die rechtlichen Grundlagen Bescheid wissen. Für den Job braucht man Geduld, ein dickes Fell und Verhandlungsgeschick. Auch Menschenkenntnis ist hilfreich.

Außerdem sollten sich die Wohnungsvermittler in Finanzen und Steuern auskennen. Welche Finanzierungsoptionen gibt es für Immobilien? Was sind Anzeichen dafür, dass Interessenten nicht solvent sind? Wo müssen Makler den Datenschutz bei den Interessenten beachten? "Grundbuchrecht, Vertragsrecht, Notarrecht aber auch Mietrecht sollte man schon beherrschen", sagt Schlocker. 

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Kommentare

45 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

Na Hauptsache sie können sich ihre Vorurteile bestätigen...

Sagen wir es handelt sich um München und die Courtage sind eher 2000 EUR. Das ist aber inkl. Mehrwertsteuer, bleiben 1680 EUR. Sagen wir es waren 10 Interessenten, die jeweils 1,5h Arbeit verursachen (mit Anfahrt und Wartezeit). Dann noch 2h Besprechung mit den Vermietern, 2h Schalten von Anzeigen, 2h Vertragsunterzeichnungstermin.

Das ergibt einen Stundensatz von 80 EUR brutto. Für einen Selbständigen, der noch Büro und Sozialversicherung bezahlen muss (und auch die genannten Weiterbildungen) ist das nicht wirklich viel. Gerade wenn er in München wohnt.

Aber klar, "Abzocke".

Keiner kennt die monatlichen Nebenkosten eines Maklers

Makler sein ist nicht schwer und kann jeder!!! Klar. Dann macht es doch mal!! Man benötigt keine Ausbildung und kann sofort loslegen. Ich würde jedem mal empfehlen einfach loszulegen. Machen Sie doch mal ein paar Wochen unseren Job. Aber dabei sollten Sie bedenken.... Sie sind selbständig! Also... Sie zahlen Ihr Auto, den Sprit zu allen Besichtigungen, auch wenn kein Interessent kommt und man dauernd stehen gelassen wird, Sie zahlen Ihre Krankenversicherung selbst, ach ja... Sie benötigen auch noch eine Betriebshaftpflichtversicherung. Vermögenschadensversicherung wäre auch nicht schlecht. Und dann... Wo die Objekte, die Sie ja noch nicht haben, inserieren? Ok. Immobilienscout. Kennen Sie die Preise?? Wohl kaum. Hier ist man locker 500 € monatlich los. Zeitungsanzeigen? Ca. 150-200 €. Dann ist sie aber nur 1x in der Zeitung geschaltet. Ihr PC kostet auch noch Geld, Strom, Telefon, Porto, evtl. Mitarbeiter... ach.. und jetzt sind Sie auch noch krank. Egal. Weiter geht's. Sie sind selbständig. Da kann man nicht so einfach mal eben "krank machen" und der Gehalt fliest weiter. Diese Zeiten sind vorbei! Und Arbeitszeiten? Meistens bis spät Abends, denn die Interessenten wollen ja gerne Abends besichtigen, oder am Wochenende.. geht auch Sonntags? Kommen die Fragen... ja selbstverständlich! Und eine Entlohnung? Tja... das kann dauern.. manchmal Monate lang. Haben Sie schon einmal mehrere Monate ohne Zahlungseingang gelebt? Wenn man nur wenige Objekte hat kommt das vor. Also?

Die armen Ärzte

Beratung € 10,72? Ich habe gerade meine Rechung vom Ohrenarzt bekommen. Für 3 x 5 Minuten Gespräch bzw. Hörtest Gesamtsumme € 452,-!

Bei dem Stundenlohn kann auch ein Immobiliemmakler nicht mithalten.....

Aber grundsätzlich sollte man mal die Kirche im Dorf lassen. Deutschland besteht nicht nur aus Hamburg, Frankfurt und München! Über derartige Marktsituationen können Makler auf dem Lande nur träumen!

Assigegend?

Wohl kaum, Fürther Innenstadt, U-Bahn in Fußnähe, mehrere IT-Gewerbe in Fußnähe, Autobahnauffahrt 5 Minuten entfernt, sicherste Stadt Deutschlands und die Wohnung war sogar relativ günstig.

Tatsächlich wird umgekehrt ein Schuh draus, gerade wenn ein Objekt sehr leicht zu vermieten ist weil es ein hotspot ist braucht man eben keinen Makler. Man setzt einfach eine Announce in ein gratisportal rein, Wohnung dort, so groß, Besichtigung in 3 Tagen von 18 bis 19 uhr, einziger Termin, fertig. Dann rennen einem ja sooo viele die Tür ein, da sollte schon ein Mieter drunter sein.

Letzte Woche

Ich hatte letzte Woche zweimal das Vergnügen einer "Beratung". Bei der ersten Besichtigung wurde ich schnell durch alle Zimmer gescheucht, denn schon 10 min später war der nächste Termin vereinbart. Auf die üblichen Fragen zur Wohnung wurde ich auf die Internetseite und Anzeige verwiesen. Ich war wohl nicht schnell genug und nach wenigen Minuten wurden wartende Wohnungssuchende dazu geholt ("gehen sie doch mal alleine weiter"). Nach wenigen Minuten verließ ich mit den anderen Pärchen die Wohnung (Makler: „Ich muss leider schon wieder weiter.").

Bei der zweiten Besichtigung wurde ich von einer Auszubildenden "beraten". Nun, eigentlich war sie "auch anwesend", als mir die derzeitige Mieterin die Wohnung zeigte. Aktiv wurde sie erst nach der Besichtigung und wies mich freundlicherweise auf die Vermittlungsgebühr hin. Auf meine Frage ob es Rabatt bei einer Beratung durch eine Auszubildenden gäbe, konnte sie mir leider keine Auskunft geben.

Die restlichen Termine habe ich abgesagt.