Gruppendynamik : Vorsicht vor dem Trotteleffekt

Arbeitsteams können eine Gruppendynamik entwickeln, die schädlich ist. Wenn Führungskräfte aber richtig steuern, kann diese Dynamik zum Vorteil werden.

In unserer Marketingabteilung gibt es eine Mitarbeitergruppe, die eine starke Dynamik hat – sowohl positiv als auch negativ. Wie kann ich hier gegensteuern?, fragt David Jokan, Geschäftsführer eines Baustoffunternehmens.

Sehr geehrter Herr Jokan,

die Stimmung einer Gruppe ist ansteckend und kann sich auf eine gesamte Abteilung auswirken. Daher ist es richtig, wenn Sie sich Gedanken darüber machen, wie Sie bei negativen Effekten gegensteuern können.

Das Institut für Arbeits-, Organisations- und Sozialpsychologie von der Technischen Universität Braunschweig hat die soziale und emotionale Ansteckung in Gruppen untersucht. Die Wissenschaftler gingen der Frage nach, welche gruppendynamischen Effekte es gibt.

Das sogenannte "soziale Faulenzen" (Social Loafing) beispielsweise erschwert die Arbeit im Team enorm. Mitarbeiter fahren ihre Leistung herunter, da ihr individueller Beitrag zum Gesamtergebnis nicht sichtbar ist. Die Folge ist in der Regel ein Motivationsverlust. Dabei ist es relativ einfach, hier gegenzusteuern: Einzelleistungen sichtbar machen, individuelle Ziele klar definieren, herausfordernde Aufgaben stellen sowie ein Belohnungssystem einführen.

Trittbrettfahrer, Faulenzer und Trottel

Sabine Hockling

Sabine Hockling war lange selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Mit Ulf Weigelt schrieb sie den Ratgeber Arbeitsrecht. Seit 2011 ist sie Autorin der Serie "Chefsache". Immer freitags spricht sie mit Managementexperten über Führungsfragen. Hockling bloggt mit Tina Groll unter diechefin.net, das Blog für Führungsfrauen, über Frauen und Karriere.

Ein weiterer Effekt ist das Trittbrettfahren: Mitarbeiter profitieren vom Einsatz ihrer Kollegen, tragen aber nichts zum Gruppenerfolg bei. Im Gegensatz zum sozialen Faulenzen findet das Trittbrettfahren bewusst statt. Wird es im Team sichtbar, folgt ein sogenannter Trotteleffekt: Die Motivation der engagierten Mitarbeiter sinkt und sie fahren ihre Leistung herunter, um nicht ausgenutzt zu werden. Chefs sollten hier die Leistung von allen Mitarbeitern sichtbar machen. Aber Vorsicht: Stellen Sie dabei Ihre Mitarbeiter auch nicht bloß.

Eine negative Dynamik entwickelt sich auch, wenn Mitarbeiter ihre eigene Meinung zum Schutz der Gruppenharmonie zurückhalten oder unterdrücken. So ein Verhalten stört nicht nur das Denken und Urteilen einer Gruppe, sondern kann im schlechtesten Fall zu gefährlichen Fehlentscheidungen führen. Als Führungskraft sollten Sie Ihre Mitarbeiter für die Gefahren des Gruppendenkens sensibilisieren. Ermutigen Sie Ihre Leute dazu, die eigene Meinung zu äußern. In verfahrenen Situationen kann das Hinzuziehen eines Externen helfen, der den Prozess moderiert.

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