GruppendynamikVorsicht vor dem Trotteleffekt

Arbeitsteams können eine Gruppendynamik entwickeln, die schädlich ist. Wenn Führungskräfte aber richtig steuern, kann diese Dynamik zum Vorteil werden. von 

In unserer Marketingabteilung gibt es eine Mitarbeitergruppe, die eine starke Dynamik hat – sowohl positiv als auch negativ. Wie kann ich hier gegensteuern?, fragt David Jokan, Geschäftsführer eines Baustoffunternehmens.

Sehr geehrter Herr Jokan,

die Stimmung einer Gruppe ist ansteckend und kann sich auf eine gesamte Abteilung auswirken. Daher ist es richtig, wenn Sie sich Gedanken darüber machen, wie Sie bei negativen Effekten gegensteuern können.

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Das Institut für Arbeits-, Organisations- und Sozialpsychologie von der Technischen Universität Braunschweig hat die soziale und emotionale Ansteckung in Gruppen untersucht. Die Wissenschaftler gingen der Frage nach, welche gruppendynamischen Effekte es gibt.

Chefsache: Fragen von Führungskräften

Wie gelingt gute Personalführung und was zeichnet einen fairen Chef aus? Jede Woche, immer freitags, beantwortet die Management-Expertin Sabine Hockling in der Serie "Chefsache" Fragen von Führungskräften.

Schreiben Sie uns (und geben Sie dabei bitte Ihren Namen und Ihren Wohnort an). Wir freuen uns und wählen unter allen Problemen, die uns gestellt werden, jede Woche eine Frage aus und beantworten sie hier.

Das sogenannte "soziale Faulenzen" (Social Loafing) beispielsweise erschwert die Arbeit im Team enorm. Mitarbeiter fahren ihre Leistung herunter, da ihr individueller Beitrag zum Gesamtergebnis nicht sichtbar ist. Die Folge ist in der Regel ein Motivationsverlust. Dabei ist es relativ einfach, hier gegenzusteuern: Einzelleistungen sichtbar machen, individuelle Ziele klar definieren, herausfordernde Aufgaben stellen sowie ein Belohnungssystem einführen.

Trittbrettfahrer, Faulenzer und Trottel

Sabine Hockling
Sabine Hockling

Sabine Hockling war lange selbst Führungskraft in verschiedenen Medienhäusern. Mit Ulf Weigelt schrieb sie den Ratgeber Arbeitsrecht. Seit 2011 ist sie Autorin der Serie Chefsache. Seit 2014 im neuen Format: Immer freitags spricht sie mit der Managerin Linda Becker über Führungsfragen. Hockling bloggt mit Tina Groll unter diechefin.net, der Blog für Führungsfrauen, über Frauen und Karriere.

Ein weiterer Effekt ist das Trittbrettfahren: Mitarbeiter profitieren vom Einsatz ihrer Kollegen, tragen aber nichts zum Gruppenerfolg bei. Im Gegensatz zum sozialen Faulenzen findet das Trittbrettfahren bewusst statt. Wird es im Team sichtbar, folgt ein sogenannter Trotteleffekt: Die Motivation der engagierten Mitarbeiter sinkt und sie fahren ihre Leistung herunter, um nicht ausgenutzt zu werden. Chefs sollten hier die Leistung von allen Mitarbeitern sichtbar machen. Aber Vorsicht: Stellen Sie dabei Ihre Mitarbeiter auch nicht bloß.

Eine negative Dynamik entwickelt sich auch, wenn Mitarbeiter ihre eigene Meinung zum Schutz der Gruppenharmonie zurückhalten oder unterdrücken. So ein Verhalten stört nicht nur das Denken und Urteilen einer Gruppe, sondern kann im schlechtesten Fall zu gefährlichen Fehlentscheidungen führen. Als Führungskraft sollten Sie Ihre Mitarbeiter für die Gefahren des Gruppendenkens sensibilisieren. Ermutigen Sie Ihre Leute dazu, die eigene Meinung zu äußern. In verfahrenen Situationen kann das Hinzuziehen eines Externen helfen, der den Prozess moderiert.

Leserkommentare
  1. "In Arbeitsteams kommt es leicht zur Gruppendynamik: Je nachdem, wie Führungskräfte steuern, können die Effekte zum Vorteil sein. Oder dem Team schaden"

    Davon kann die SPD ein Liedchen singen.
    Aber das ist imo auch so gewollt.

  2. 2. Hoch2

    Zitat: "In Arbeitsteams kommt es leicht zur Gruppendynamik: Je nachdem, wie Führungskräfte steuern, können die Effekte zum Vorteil sein. Oder dem Team schaden"
    Zitat: "Die Forscher fanden etwa heraus, dass sich die Motivation in Teams steigert, wenn sich Kollegen übertreffen wollen."

    Das ist potenzierte Trivialität. In jedem Arbeitsteam kommt es zu einer wie auch immer gearteten Gruppendynamik und ein Wettbewerb im Wollen wird auch die Motivation mit verändern.

    Machen wir uns klar, dass der Artikel auf die Zielgruppenvorstellung der Redaktion zugeschnitten ist, auf uns als Leser!!!

    Die von der Führung beeinflussbaren Aspekte der Gruppendynamik sollten zur Arbeitsgruppenaufgabe passen und die Energie zum Wettbewerb im Team wird von der Energie zur Problemlösung abgezogen.

    Aus der Sicht ist der Beitrag auch noch unsinnig!

    2 Leserempfehlungen
  3. ? nix verstehen.

  4. man muss das gar nicht soziologisch verbraemen... zwangsarbeit wird eben nicht geschaetzt! und es gibt keinen geben der sie verfolgt. zeigen sie einmal an.

  5. man muss das gar nicht soziologisch verbraemen... zwangsarbeit wird eben nicht geschaetzt! und es gibt keinen der sie verfolgt. zeigen sie einmal an. in migrantenheimen ueblich.

    • Koon
    • 05. April 2013 19:02 Uhr

    ...beim Lesen Ihres Artikels musste ich wirklich lachen. Die von Ihnen beschriebenen Gruppendynamiken kenne ich ansatzweise - die Empfehlungen von den Experten Ihres Fachbereiches auch. Nur ist es leider so, dass eine leichte Diskrepanz zwischen der wirklichen Welt und der Theorie im Studium entstanden ist. Ein "Belohnungssystem" ist im Mikrokosmos "Abteilung" überhaupt nicht machbar, da die Verteilung der Mittel, bzw das Gehalt des Mitarbeiters überhaupt nicht unter die Kompetenz des Abteilungsleiters fällt. Da erschköpft sich die Belohnung im Anbieten von selbstgebackenem Kuchen oder Schokoladenhasen zu Ostern. Eine "echte Belohnung" war das Einführen des Anzeizbasierten Lohnsystems mit der Festlegung von Zielen. Wohin das im Laufe der Jahre geführt hat, erlebe ich gerade hautnah - der Englischkurs, Rhetorikkurs in der Volkshochschule und Blumengestecke selber machen leicht gemacht, mit den Abstufungen 80% Erfüllung bei "Anmeldung ausgefüllt", 100% bei Anmeldung ausgefüllt und abgegeben, 125% bei "am Kurs teilgenommen" und 150% bei "mit Erfolg teilgenommen". Ich halte mich nun zurück und mache nach einer langen Phase Hochmotivation bei eigenständiger Arbeit, Dienst nach Prozess und Vorschrift, weil trotz Übererfüllung der Ziele fast ein halber tausender weniger Provision herausgekommen ist, als im Vorjahr. Begründung der Geschäftsleitung: "Wir hatten uns verrechnet und zudem unvorhergesehene Ausgaben".

    Eine Leserempfehlung
  6. @redaktion:
    Auch auf die Gefahr hin, dass es Ihre Argumentation kippt und die Pointe versaut: könnte es sein, dass es sich bei dem beschriebenen Effekt eher um einen Throttle-Effekt (also sinngemäß Drossel-Effekt) als um einen Trottel-Effekt handelt? Das würde dann auch erklären warum die motivierten Mitarbeiter ihre Arbeitskraft senken (drosseln) um nicht als Trottel dazustehen.

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    Da hätte ich auch vorher Google bemühen können, der Effekt heisst wohl wirklich Trottel-Effekt und auf Englisch dann "Sucker-Effect". Nichts für ungut, mein Fehler!

  7. Da hätte ich auch vorher Google bemühen können, der Effekt heisst wohl wirklich Trottel-Effekt und auf Englisch dann "Sucker-Effect". Nichts für ungut, mein Fehler!

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Trottel oder Throttle"

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