Wer eine Vier würfelt, muss die Tasche vorzeigen: In der Frankfurter Filiale der Modekette Hollister werden die Mitarbeiter künftig täglich würfeln müssen. Wer eine Vier hat, muss sich einer Kontrolle unterziehen. So sieht der vorläufige Kompromiss im Streit um Taschenkontrollen für alle Mitarbeiter bei dem Modeunternehmen mit dem Betriebsrat aus. Der Fall war bis zum Landesarbeitsgericht Hessen gegangen, das nun das Verfahren über die Arbeitsbedingungen eingestellt hat. Betriebsrat und Geschäftsführung verhandeln jetzt außergerichtlich über eine entsprechende Betriebsvereinbarung.

Die Einigung gilt nur für die Frankfurter Filiale, auch wenn der Gewerkschaft ver.di zufolge die Arbeitsbedingungen in den anderen 16 Shops der Modekette in Deutschland ähnlich sind. Dort gibt es bisher aber keine Arbeitnehmervertretung. Die oft befristet Beschäftigten hätten Angst, dass ihr Vertrag nicht verlängert werde, wenn sie sich im Betriebsrat engagierten, sagte ver.di-Gewerkschaftssekretärin Luthfa Rahman. Hollister gehört zum US-Konzern Abercrombie & Fitch.

Der Frankfurter Betriebsrat will durchsetzen, dass Taschenkontrollen nur bei begründetem Verdacht durchgeführt werden. Derartige Kontrollen greifen genauso wie die Videoüberwachung massiv in die Persönlichkeitsrechte der Arbeitnehmer ein. Nach dem Arbeitsrecht darf hier kein Mitarbeiter ohne Grund besonders betroffen sein. Kontrollen für alle sind nur im Rahmen einer entsprechenden Vereinbarung oder nach dem Zufallsprinzip zulässig. Die Überprüfung nach dem Würfelprinzip stellt insofern einen Kompromiss auf Zeit dar. Die Betriebsvereinbarung soll voraussichtlich Anfang Mai geschlossen werden. Es wäre die erste bei einer Hollister-Filiale in Deutschland.

Weitere Verfahren anhängig

Das Unternehmen hatte die Kontrollen mit einem "überdurchschnittlichen" Schwund von Kleidungsstücken in dem Shop begründet. Taschen- und Jackenkontrollen seien für das Unternehmen existenziell, argumentierte der Anwalt des Mutterkonzern AFH Germany.

Der Betriebsrat kritisiert neben Taschenkontrollen und Videoüberwachung auch die aus seiner Sicht überzogenen Kleidervorschriften. Nach Darstellung der Anwältin des Betriebsrats erwarte das Unternehmen, dass sich die Mitarbeiter alle drei Monate mit Teilen der neuen Kollektion ausstatten, die sie mit einem Rabatt von bis zu 50 Prozent selbst kaufen müssten. Eine ausdrückliche Anweisung existiere jedoch nicht. Vor dem Arbeitsgericht in Frankfurt sind weitere Verfahren gegen AFH Germany anhängig, unter anderem wegen Verstößen gegen das Mitbestimmungsrecht bei Einstellung neuer Mitarbeiter.