ZEIT ONLINE: Die scharfen internationalen Sanktionen gegen den Iran haben den Handel stark eingeschränkt. Ist es für Sie und Ihre Delegation bei Ihrem Deutschlandbesuch schwer gewesen, Gesprächspartner zu finden?

Mohammed Nahavandian: Nein, gar nicht. Ich habe an einer Veranstaltung mit Unternehmern teilgenommen, die sehr gut besucht war. Der deutschen Wirtschaft ist klar, welche  Chancen der iranische Markt mit seinen 75 Millionen Menschen bietet. Die Handelsbeziehungen der beiden Länder haben eine lange Geschichte und deutsche Produkte einen hervorragenden Ruf. Geschäftsleute auf beiden Seiten wollen die Beziehungen ausbauen.

ZEIT ONLINE: Was angesichts der Beschränkungen sehr schwierig ist.

Nahavandian: Trotz der Sanktionen ist der Außenhandel des Irans in 2012 auf 106 Milliarden US-Dollar gestiegen. Verändert hat sich nur die Zusammensetzung der Handelspartner. Der Handel mit China hat sich beispielsweise in den vergangenen zehn Jahren verfünfzehnfacht.

ZEIT ONLINE: Normale Banküberweisungen mit dem Iran sind kaum noch möglich. Welche Umwege gehen Unternehmen, um ihre Ware zu bezahlen?

Nahavandian: Wenn der konventionelle Weg versperrt ist, gibt es immer Dritte, die diese Aufgabe übernehmen. Viele Länder befolgen die Uno-Sanktionen, welche die Banken nicht einschließen im Gegensatz zu den Sanktionen der USA und der EU, die auch Banken umfassen. Und in diesen Ländern kann man auch Geld überweisen für sanktionsfreie Exporte. Das kostet natürlich. Alles wird teurer. Den Preis zahlt am Ende leider das iranische Volk.

ZEIT ONLINE: Sie finden die Sanktionen wirkungslos?

Nahavandian: Sie belasten die Wirtschaft, aber sie erzielen nicht die gewünschte politische Wirkung. Sie ändern nicht das Verhalten der iranischen Regierung. Statt zu drohen sollte man lieber wirtschaftliches Engagement zur Einflussnahme nutzen, um eine Lösung zu finden.

ZEIT ONLINE: Wandel durch Handel hat man jahrelang ohne Erfolg probiert. Wäre es nicht viel leichter angesichts der Folgen der Sanktionen die Forderungen des Uno-Sicherheitsrats beim Nuklearprogramm zu erfüllen?

Nahavandian: Die Europäer hätten eine konstruktivere Rolle spielen können, statt einfach nur den Amerikanern zu folgen. Das Kernproblem ist Vertrauen. Man kann nicht drohen und dann konstruktive Gespräche erwarten. Die iranische Öffentlichkeit reagiert sehr empfindlich auf Drohungen.

ZEIT ONLINE: Wo sehen Sie eine Kompromissmöglichkeit?

Nahavandian: Für die iranische Öffentlichkeit ist die Doppelmoral nicht nachvollziehbar. Die Internationale Atomenergiebehörde und der Westen stellen sich blind gegenüber einem anderen Fall in der Region, der bereits Atomwaffen hat.

ZEIT ONLINE: Sie spielen auf Israel an, vergessen aber hinzuzufügen, dass Israel nicht den Atomwaffensperrvertrag unterschrieben hat wie Iran, und sich damit auch nicht zur Offenlegung verpflichtet hat.

Nahavandian: Das würde bedeuten, dass man ruhig eine Atomwaffe haben kann, wenn man dem Atomwaffensperrvertrag nicht beitritt. Das ist eine gefährliche Botschaft und ermuntert ja geradezu dazu, auszutreten oder gar nicht erst beizutreten. Iran hat diesen einfachen Ausweg nicht gewählt und immer wieder erklärt, dass er keine Atomwaffen will. Die Fatwa des obersten geistlichen Führers hat diese Waffen zur Sünde erklärt und verurteilt. Das sollte genutzt werden, um eine Lösung zu finden.