Sheryl Sandberg : "Wir Frauen müssen an uns glauben"

Viele Frauen trauen sich Karriere nicht zu und stehen sich so selbst im Weg, sagt Facebook-Managerin Sheryl Sandberg. Im Videointerview ruft sie zu mehr Mut auf.
Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg über Karrierechancen von Frauen Die Facebook-Managerin und Buchautorin Sheryl Sandberg ruft Frauen zu mehr Selbstvertrauen auf. Im Videointerview beantwortet sie ZEIT-ONLINE-Leserfragen und erklärt, was sich ändern muss, damit Frauen die gleichen Karrierechancen haben.

"Wer von Ihnen möchte Vorstandsvorsitzender werden? Heben Sie Ihre Hand!", fordert Facebook-Managerin Sheryl Sandberg Hunderte von Frauen auf der ZEIT-Konferenz Frauen in Führungspositionen am Donnerstag in Hamburg auf. Viele sind Führungskräfte in großen Unternehmen. Und dennoch zögern sie. "Trauen Sie sich!", ermutigt die Managerin auf dem Podium. Einige Frauen blicken um sich. Es sind nur wenige Männer unter den Teilnehmern. Die Männerquote bei dieser Veranstaltung entspricht in etwa dem Frauenanteil in Vorständen und Aufsichtsräten in der Wirtschaft. Noch immer sind alle Hände unten. "Wäre der Saal voll mit Männern, wären jetzt alle Hände oben", sagt Sandberg.

Die Facebook-Managerin hat eine Mission: Sie will Frauen ermutigen, sich Karriere zuzutrauen. Deswegen hat sie das Buch Lean in: Frauen und der Wille zum Erfolg geschrieben, das sie nun auch in Deutschland vorgestellt hat. Dabei geht es Sandberg nicht darum, Karriere als einzig richtigen Lebensentwurf zu propagieren, sondern um Chancengleichheit. "Ich bin überzeugt, wenn mehr Frauen an der Spitze von Wirtschaft und Politik stehen, verändern sich die Bedingungen für alle anderen Frauen."

Dass Frauen den Aufstieg nicht schaffen, liegt Sandberg zufolge an drei Punkten. Zum einen haben sie es schwerer aufgrund von stereotypen Rollenbildern. Frauen lernen von klein auf Zurückhaltung. Lautes, dominantes Auftreten wird ihnen oft negativ ausgelegt. "Erfolgreiche Männer sind beliebt, erfolgreiche Frauen werden dagegen nicht gemocht, das zeigen viele Studien", sagt Sandberg. "Wie viele Männer hören schon, dass sie im Job zu aggressiv sind? Frauen bekommen diesen Vorwurf oft zu hören." Zum zweiten führt das dazu, dass für viele Frauen Karriere nicht attraktiv ist, wenn es bedeutet, ständig gegen Widerstände anzulaufen. Irgendwann wollen die Frauen auch nicht weiter aufsteigen.

"Trauen Sie sich"

Der dritte Punkt: Spätestens wenn sie Kinder bekommen, müssen sich berufstätige Mütter oft kritische Fragen gefallen lassen. "Schon die Frage zu stellen, wie sie Familie und Karriere vereinbaren möchten, verunsichert Frauen", sagt Sandberg. Adressiert an die Männer im Saal fragt sie: "Ganz ehrlich, wer von Ihnen mit Kindern wurde schon mal gefragt, wie er das schaffen will – Job und Familie? Heben Sie die Hand." Gespanntes Warten. Kein Mann meldet sich. "Gegenfrage an die Mütter: Wem von Ihnen wurde diese Frage gestellt?", fragt Sandberg. Prompt melden sich fast alle Frauen. "Und wer von Ihnen hat diese Frage in den letzten vier Wochen gehört?", bohrt die Buchautorin nach. Noch immer bleiben mehr als die Hälfte der Hände oben.

Tina Groll

Tina Groll ist Redakteurin im Ressort Karriere bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Sandberg will eine Welt, in der Frauen solche Fragen nicht mehr hören. "Meiner Erfahrung nach sind Mütter sehr engagierte Mitarbeiterinnen", sagt sie. Darum hat sie ihre Einstellungspraxis geändert. Sie selbst fragt Mitarbeiterinnen und Bewerberinnen (aber auch die Männer), die Familie planen, welche Unterstützung sie brauchen, um Job und Kinder zu vereinbaren. Sandberg will eine neue Führungskultur etablieren. Überhaupt geht es vor allem um Mut und Selbstvertrauen. "Ich hatte so viel Angst, dieses Buch zu schreiben", sagt Sandberg. Sie fürchtete Kritik und Angriffe. Die gab es – aber das positive Feedback ist viel größer. Rund um Lean In ist eine Bewegung entstanden, die Frauen ermutigen soll, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Sandbergs Aufruf: "Stellen Sie sich vor, was Sie tun würden, wenn Sie keine Angst mehr hätten. Und dann machen Sie es!"

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Kommentare

52 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Gar keine Karriere

Das Problem ist, dass zu viele Frauen sich über gar keine Karriere definieren. Ein Job ist ein Teil von uns. Hier bekommt man Anerkennung von außen für das was man leistet- und nicht nur aus Wohlwollen von der Familie.

Die Frage ist: Wieso ist die Arbeit so unwichtig? Mit fallen da 2 Antworten ein:

1. Der Job ist so schlecht, dass man darauf nicht stolz sein kann bzw. man tut etwas, was einem nicht wichtig ist

2. Man ist feige und will sich nicht der realen Welt stellen, wird ungern verglichen und mag keine Konkurrenz.

Bei Männern wird das als äußerst negativ gewertet = kein Rückrat, Pantoffelheld. Frauen dagegen dürfen das- allerdings beschweren sie sich dann, dass sie keine Anerkennung als Mutter kriegen.
Anscheinend haben zu viele Frauen noch nicht begriffen, dass Anerkennung nicht nur aus der Familie kommen muss und dass diese externe Anerkennung befriedigender ist, weil man sie nicht so leicht bekommt.