Familienministerin Kristina Schröder (l.) und Arbeitsministerin Ursula von der Leyen © Fabrizio Bensch/Reuters

Von politischem Geschick zeugt das alles nicht. Wenige Tage, bevor im Bundestag über die Frauenquote abgestimmt werden soll, herrschte in den Reihen der CDU eine Aufregung, als ginge es um Krieg und Frieden. Einige CDU-Frauen, darunter auch Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen, wollten gegen die eigene Regierungslinie stimmen. Von der Leyen fordert schon seit Jahren die Frauenquote für die Wirtschaft. Ihre allseits bekannte Einstellung wurde nicht plötzlich zum Parteiproblem.

Schon vor dem CDU-Parteitag im vergangenen Herbst war klar, dass viele Frauen in der Union mit der Linie von Familienministerin Kristina Schröder nicht einverstanden waren. Damals war es der Parteiführung noch gelungen, das Thema klein zu halten – vorerst. Jetzt hat sich die Bundestagsfraktion darauf geeinigt, die Quote 2020 ins Wahlprogramm aufzunehmen. Bis dahin bleibt alles wie gehabt.

Schröders Vorschlag von der Flexi-Quote wirkte wie aus der Zeit gefallen. Börsennotierte Unternehmen sollen selbst festsetzen, wie hoch der Frauenanteil in ihren Führungsgremien sein soll, also in Aufsichtsräten und Vorständen. Auch wie die Firmen ihre Quoten offenlegen, ist ihnen weitgehend selbst überlassen. Dagegen steht der Vorschlag des Bundesrats, der eine gesetzlich festgelegte Quote für die Aufsichtsräte der börsennotierten Unternehmen vorsieht und bei Nichterfüllung Sanktionen androht.

Freiwilligkeit hat keinen Erfolg gebracht

Schröders Flexi-Quote wird nicht für mehr Frauen in der Wirtschaft sorgen. Eine freiwillige Selbstverpflichtung gibt es schon seit mehr als zehn Jahren. Geändert hat sie nur sehr wenig, nach wie vor sind Frauen in Führungspositionen der Wirtschaft unterrepräsentiert. Warum sollte sich das bessern, wenn statt auf eine feste Quote lediglich auf Transparenz gesetzt wird? Genauso gut könnten die Unternehmen einfach ihren Status quo festschreiben.

Folgen die Unionsfrauen nun dem neuen Kompromiss, bleiben sie weit hinter ihren eigenen Erfahrungen zurück. Denn ihnen sollte vor Augen stehen, was die Quote in ihrer eigenen Partei bewirkt hat: In der CDU liegt das Frauenquorum bei 33 Prozent, in der CSU für alle Ämter oberhalb der Orts- und Kreisverbandsebene sogar bei 40 Prozent. Weiter geht der Bundesratvorstoß auch nicht, außerdem sieht er noch eine lange Übergangszeit vor. Und das soll nun auch noch zu viel sein?

Zu behaupten, eine Frauenquote würde die Geschlechter in den Führungsetagen gleichstellen, wäre falsch. Sie ist letztlich nur ein Mittel, um das geschlossene System altherrenhafter Breitbeinigkeit aufzubrechen, das immer noch vielerorts die Wirtschaft dominiert. Wo Frauen in wirksamer Anzahl aufrücken, dort lassen sich neue Rollenbilder etablieren. Und darauf warten vor allem viele junge Männer schon lange, die nicht mehr das überkommene Rollenbild ihrer Väter leben wollen.

Wie schon im Umgang mit den Rechten Homosexueller zeigt sich beim Kompromiss zur Frauenquote abermals, dass die Führung der Union den Kontakt zu ihrem eigenen Klientel zu verlieren droht. Die Interessen junger, gebildeter und erfolgreicher Wähler vertritt sie so jedenfalls nicht.