Führungskräfte : Selbstverliebte Chefs sind innovativer

Je narzisstischer der CEO, desto risikofreudiger ist er auch im Umgang mit neuen Technologien – oft zum Vorteil der Firma. Das stellt eine neue Studie fest.

Warum setzen einige Unternehmen erfolgreich auf bahnbrechende Technologien und andere nicht? Forscher fanden jetzt heraus: Die Persönlichkeitsstruktur des Chefs hat einen wesentlichen Einfluss darauf, wie eine Firma Innovationen einsetzt. Je ausgeprägter der Narzissmus des Vorstandsvorsitzenden, um offener ist das Unternehmen gegenüber neuen Techniken. Interessieren sich außerdem die Medien für den Konzernlenker und seine Geschicke, ist die Bereitschaft, auch riskante Innovationen umzusetzen, abermals größer.

Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) gemeinsam mit der International Leading Business School IMD in Lausanne und der Pennsylvania State University. Über die Studie hat kürzlich der Informationsdienst Wissenschaft berichtet.

Am Beispiel von Pharmaunternehmen und Biotechnologiefirmen haben die Forscher untersucht, welche Faktoren in einem Zeitraum von 28 Jahren – zwischen 1980 und 2008 – bestimmten, ob die Firmen auf neuartige Techniken setzten, die zunächst noch keine breite Akzeptanz hatten oder sogar mit dem eigentlichen Geschäftsmodell in Widerspruch standen und einen Markt nachhaltig verändern. Solche Techniken sind etwa der Computer, Onlinenachrichten, E-Books oder eben Biotech-Innovationen. Es zeigt sich, dass solche Unternehmen den Entwicklungen aus der Biotechnologie offener gegenüberstanden, bei denen der CEO bestimmte persönliche Merkmale aufwies.

Zum einen hatten die Firmenchefs der Studie zufolge ein übersteigertes Selbstbewusstsein bei einem gleichzeitigen (überdurchschnittlichen) Bedürfnis nach ständiger Aufmerksamkeit. Die Chefs waren außerdem äußerst dominant: Ihre Führungsentscheidungen trafen sie weitgehend autark, ihnen fehlte Kritikfähigkeit, Empathie und die Bereitschaft, die Emotionen von anderen in ihre Entscheidungen einzubinden. Zugleich waren sie ungeduldig und neigten dazu, Projekte in schnellem Tempo voranzutreiben. Die Forscher schlossen aus diesem Profil auf einen ausgeprägten Narzissmus.

Narzissten glauben, eine neue Technologie beherrschen zu können

Aber wie misst man Selbstverliebtheit wissenschaftlich? Die Studienautoren haben bei dieser Frage auf frühere Untersuchungen zurückgegriffen, in denen sie Indikatoren für Narzissmus von Managern entwickelt hatten. Selbstverliebtheit schlägt sich demzufolge beispielsweise darin nieder, wie sich der Firmenchef in der Außendarstellung präsentiert – etwa die Häufigkeit und Prominenz seiner Namensnennung in Pressemitteilungen oder im Geschäftsbericht, aber auch die Größe seines Fotos sagen etwas darüber aus, wie wichtig ihm die Selbstdarstellung seiner eigenen Person ist. Die Wissenschaftler konnten einen Zusammenhang ausmachen zwischen der Neigung, sich selbst darzustellen und der Bereitschaft, auf durchaus riskante Innovationen zu setzen. Mehr als doppelt so häufig setzten der Untersuchung zufolge selbstverliebte Pharmachefs auf interne Forschungsprojekte mit Biotech-Firmen oder andere Kooperationen mit der Branche – oft mit erfolgreichem Ergebnis.

Wird ein Unternehmen hingegen von einem selbstkritischen Chef gelenkt, ist auch der Umgang mit neuen Technologien vorsichtiger.

Die Risikofreude der Narzissten werde durch einen starken Glauben ermöglicht, eine neue Technologie auch beherrschen zu können, schreiben die Autoren der Studie. Selbstkritische Chefs dagegen schreckten vor einem zu großen Risiko eher zurück. Sie warteten ab und beobachteten, wie sich ein Markt entwickelt. So verzichten sie zwar darauf, die ersten am Markt zu sein, lernen aber von den Fehlern der anderen. In den Fokus der Öffentlichkeit kommen sie mit dieser Taktik selten.

Verlagsangebot

Der ZEIT Stellenmarkt

Jetzt Jobsuche starten und Stellenangebote mit Perspektive entdecken.

Job finden

Kommentare

25 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Irgendwie nicht so toll

Wie viele Artikel in der Zeit konnte man schon lesen, in denen genau das Gegenteil von den hier beschriebenen Strategien und Persönlichkeitseigenschaften als gut für das Unternehmen und seine Mitarbeiter angepriesen wurde? Ich möchte das auch gar nicht absprechen, aber grundsätzlich die Widersprüchlichkeit aufzeigen.

Auch würde ich mir eine Studie erst ansehen, wenn sie auch wirklich steht und ich den Inhalt insb. die Methode genauer unter die Lupe nehmen kann.

Manche Schlussfolgerungen sind mir auch nicht ganz klar. So wird behauptet, dass ein narzistischer Chef positiv ist, weil er die Innovation zur Profilbildung für sein Unternehmen und sich selbst möchte, dass die Risikobereitschaft gut ist, da zum Erfolg führen kann usw.. Diese Spekulationen bringen nur etwas, wenn man eine Vergleichsgruppe mit CEOs hat, die gescheitert sind. D.h. wie viele waren mit diesen Eigenschaften langfristig positiv für das Unternehmen und wie viele nicht. Diejenigen die nicht erfolgreich waren sollten weiter unterschieden werden in: a) schädlich für die eigene Karriere und b) schädlich für das Unternehmen.

Ich behaupte auch, dass diese CEOs in erster Linie an sich denken und in zweiter Linie an das Unternehmen (da eben narzistisch), das könnte auch bedeuten, dass fehler immer bei den Anderen oder den Umständen zu suchen sind und so ihr Unfähigkeit verdeckt bleibt.

Ohne zu wissen wie solche Dinge in der Studie berücksichtigt wurden, sind die Schlüsse im Artikel jedenfalls nix.