MitarbeitermotivationWas muss der Chef bei Prämienzahlungen beachten?

Der Arbeitgeber will seine Mitarbeiter motivieren und Incentives anbieten. Geht das einfach so? Der Jurist Ulf Weigelt erklärt, was das Arbeitsrecht vorschreibt. von 

Jeden Mittwoch beantwortet der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt Fragen zum Arbeitsrecht auf ZEIT ONLINE

Jeden Mittwoch beantwortet der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt Fragen zum Arbeitsrecht auf ZEIT ONLINE  |  © benice/photocase

Ich möchte meine Mitarbeiter motivieren und ihnen sogenannte Incentives anbieten. Worauf muss ich hier achten?, fragt Gerald Weber.

Sehr geehrter Herr Weber,

große Gehaltssprünge sind nicht immer möglich, daher nutzen mittlerweile viele Unternehmen die sogenannten Incentives, um ihre Mitarbeiter zu motivieren und zu belohnen. Zufriedene Mitarbeiter sind bekanntlich (noch) bessere Mitarbeiter. Durchgesetzt haben sich zum Beispiel Sachprämien, mobiler Massage-Service, Benzingutscheine sowie Weiterbildungen oder auch eine finanzielle Unterstützung bei der Kinderbetreuung.

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"Da staunt der Chef"

Was ist erlaubt, was nicht? Der Berliner Arbeitsrechtler Ulf Weigelt gibt Antworten auf Nutzerfragen. Jede Woche, immer mittwochs in der Arbeitsrechtskolumne "Da staunt der Chef".

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Die Antworten von Fachanwalt Ulf Weigelt stehen Ihnen auch übersichlich gesammelt als E-Books zur Verfügung. Nach dem Download können Sie jederzeit und überall auf Ihrem elektronischen Lesegerät zu arbeitsrechtlichen Fragen nachschlagen.

Hier finden Sie eine Übersicht unserer E-Books www.zeit.de/ebooks.

Passen diese Maßnahmen jedoch nicht zum jeweiligen Mitarbeiter, erreichen sie genau das Gegenteil. Gehen Sie deshalb nicht nach dem Gießkannenprinzip vor, sondern bieten Sie den betreffenden Mitarbeitern mehrere Möglichkeiten zur Auswahl an, sofern möglich.

Ulf Weigelt
Ulf Weigelt

Ulf Weigelt ist Anwalt für Arbeitsrecht in Berlin. Auf ZEIT ONLINE beantwortet er jeden Mittwoch in der Serie "Da staunt der Chef" Leserfragen zum Arbeitsrecht. Die Serie ist auch als E-Book erschienen. Weigelt hat mit Sabine Hockling auch den Ratgeber Arbeitsrecht geschrieben.

Wenn Sie Mitarbeitern Incentives gewähren, kann daraus arbeitsrechtlich eine sogenannte betriebliche Übung entstehen, die Sie zu weiteren Incentives verpflichtet. Dieser Anspruch entsteht, wenn Sie Ihren Mitarbeitern in der Regel dreimal in Folge, nach den gleichen Grundsätzen und ohne einen ausdrücklichen Freiwilligkeitsvorbehalt solche Sonderleistungen gewähren. Der Grund: Ihre Mitarbeiter erhalten so den Eindruck, dass sie auch zukünftig damit rechnen können, solche Leistungen zu erhalten.

Möchten Sie das verhindern, sollten Sie die Incentives von Anfang an unter einen (schriftlichen) Freiwilligkeitsvorbehalt stellen. Auch ist es ratsam, die Höhe der Vergünstigungen stets zu variieren sowie sie mit dem Hinweis "Auch in diesem Jahr …" zu gewähren. Und verfügt Ihr Unternehmen über einen Betriebsrat, sollten Sie Ihr Angebot in einer Betriebsvereinbarung ausdrücklich regeln.

Ihr Ulf Weigelt

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Leserkommentare
    • wauz
    • 24. Mai 2013 15:51 Uhr

    Incentives können nur dann einen positiven Einfluss ausüben, wenn sie Teil eines klaren Zielsystems sind (S.M.A.R.T. formuliert). Belohnungen ins Blaue hinein führen zu solchen Irrwitzen wie Tonnenideologie oder sonstigen, nur noch an Belohnungen ausgerichteten Verhaltensweisen. Dazu kommt: die Belohnung muss der bekommen, der sie auch verdient hat. Belohnungen an Einzelne haben negativen Einfluss, wenn zu ihrer Erreichung Teamleistungen erforderlich sind. Werden aber Teams undifferenziert belohnt, wird aus Team T.E.A.M. (= Toll, ein anderer macht's!)
    Belohnt werden darf aber auch nur die besondere Leistung. Wie eingangs erwähnt, braucht man die passende Betriebsorganisation dafür.

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  • Serie Fragen zum Arbeitsrecht
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Ulf Weigelt | Betriebsrat | Chef | Mitarbeitermotivation
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