Muss ich einem gekündigten und bis zum Ablauf der Kündigungsfrist freigestellten Mitarbeiter den Zugang zum Firmennetzwerk und seinem E-Mail-Postfach gewähren?, fragt Marcel Engelbrecht.

Sehr geehrter Herr Engelbrecht,

auch wenn Sie aus gutem Grund gekündigt haben, bestehen Ihre Vertragspflichten, in diesem Fall eher die Nebenpflichten aus dem noch bestehenden Arbeitsvertrag, bis zum Ablauf der Kündigungsfrist fort. Das heißt, Sie müssen Ihrem freigestellten Mitarbeiter, egal ob unwiderruflich oder widerruflich, sowohl den Zugang zum Firmennetzwerk gewähren, als auch die Möglichkeit bieten, sein E-Mail-Postfach zu prüfen.

Die Frage geht jedoch noch weiter, ob Ihr Mitarbeiter nämlich während seiner Freistellung überhaupt Firmennetzwerk und E-Mail-Postfach nutzen möchte? Ich rate Ihnen hier, auf keinen Fall einfach "den Stecker zu ziehen", sondern das Gespräch mit ihm zu suchen. Denn auch wenn er gegebenenfalls den Zugang nicht mehr für seine Tätigkeit benötigt, kann es sein, dass er private E-Mails (sofern von Ihnen als Arbeitgeber genehmigt) löschen oder aber auch Kollegen, Kunden und Bekannte über seinen Weggang informieren möchte.

Und falls noch nicht geschehen, sollten Sie vor allem beim Informieren von Kunden gemeinsam den konkreten Wortlaut festlegen. Denn nur so haben Sie einen hinreichenden Einfluss darauf, in welcher Art und Weise Ihre Kunden über den Weggang informiert werden.

Verfügt Ihr Mitarbeiter auch noch über Firmeneigentum wie Laptop, Handy oder Firmenwagen, steht ihm dies auch noch bis zum Ende der Kündigungsfrist zu. Einer vorzeitigen Abgabe muss er daher nicht nachkommen, es sei denn, arbeitsvertraglich wurde etwas anderes ausdrücklich geregelt – das ist häufig bei Mitarbeitern der Fall, die Schlüsselpositionen einnehmen und Zugriff auf sensible Unternehmensdaten oder Betriebsgeheimnisse haben oder die an der Entwicklung von Innovationen oder Patenten beteiligt sind.

Reagieren Sie besonnen, wird die Freistellungsphase für beide Seiten sicherlich ohne Komplikationen vonstattengehen.

Ihr Ulf Weigelt